Illingen (phs). In Illingen hat die Zukunft begonnen: Gestern sind die Abrissarbeiten auf dem Luig-Areal angelaufen. Bald wird von der Industriebrache nichts mehr übrig sein. Über die genaue zukünftige Nutzung des Geländes wird unterdessen noch diskutiert.
Langsam bewegen sich die Hände von Illingens Bürgermeister Harald Eiberger und die seiner Gäste auf einen schwarzen Knopf zu. Eine schrille Sirene ertönt. Für die Illinger ist das ein ganz normales Geräusch. Viele Jahrzehnte lang hat die Sirene auf dem Luig-Areal Arbeitsbeginn, Vesperzeit, Mittagspause und Feierabend eingeläutet – und dabei sogar die Illinger Kirchenglocken übertönt. Jetzt läutet der schrille Ton das endgültige Ende eines Kapitels in der Illinger Industriegeschichte und gleichzeitig den Beginn der Zukunft ein: Im Hintergrund beginnt ein Bagger mit dem Abriss der Industriebrache Luig-Areal.
Anfang des Jahres war das rund vier Hektar große Gelände in den Besitz der Gemeinde Illingen übergegangen. Zuvor lag es jahrelang brach, verrottete immer mehr. Ein Schandfleck in zentraler Lage. Das war den Einwohnern und der Verwaltung lange ein Dorn im Auge. Doch die Lösung des Problems gestaltete sich schwierig: Die letzten Mieter mussten zum Beispiel weichen und der Boden auf Altlasten hin untersucht werden. „Dass wir heute hier stehen können, wer hätte das vor nicht all zu langer Zeit gedacht“, sagt Bürgermeister Eiberger. „Hinter uns liegt ein langer, steiniger Weg.“ Keine Probleme hatten hingegen die Eigentümer des Grundes gemacht. Sie zeigten sofort Verkaufsbereitschaft.
In den vergangenen Wochen wurde bereits damit begonnen, das insgesamt 6,7 Hektar große Areal aufzuräumen. „Alleine das Aufsammeln der Flachmänner hat mehr als einen dreiviertel Tag gedauert“, sagt Eiberger. Immer wieder hatten sich auch Obdachlose in den leer stehenden Hallen eingenistet – und dabei einiges an Müll hinterlassen.
Nach dem gestrigen symbolischen Beginn der Abrissarbeiten soll jetzt in Illingen alles besser werden. Verwaltung und Gemeinderat arbeiten mit Hochdruck an einem Plan dafür, was auf dem Gelände passieren soll. Offen ist zum Beispiel noch, wie viel Platz für den Einzelhandel reserviert wird. Ein Gutachten rät, dass es bis zu 2400 Quadratmeter für Discounter, Lebensmittelmärkte und Kleidergeschäfte sein sollen. Das letzte Wort ist jedoch noch nicht gesprochen.
Möglich wurde das „Mammutprojekt“ – wie Eiberger es nennt – erst durch Zuschüsse von Bund und Land. Das Gelände wurde zum Sanierungsgebiet ernannt und ins Programm Stadtumbau West aufgenommen. Dafür gelte der Dank den Bundestagsabgeordneten Katja Mast und Gunther Krichbaum, sowie den Landtagsabgeordneten Thomas Knapp, Hans-Ulrich Rülke und Winfried Scheuermann. Jetzt hofft die Gemeinde auf eine weitere Förderung aus dem Altlastensanierungsprogramm des Landes.
Zum Abriss sind rund 100 Schaulustige auf das Gelände gekommen. Sie applaudierten, als der Bagger des Abrissunternehmens Teile der Wände dem Erdboden gleichmachte. Für sie ist ein Teil Geschichte vorbei – jetzt hoffen sie, dass die Zukunft besser wird.
