Donnerstag, 09. Februar 2012

Musical in Oberriexingen


Musical-Finale in Oberriexingen. Foto: Gergen
Musical-Finale in Oberriexingen. Foto: Gergen

Oberriexingen (vg) – „Gemeinsam sind wir stark, gehen Hand in Hand. An jedem Tag denken wir daran, dass wirklich jeder von uns etwas kann!“, so tönte es am vergangenen Wochenende selbstbewusst aus rund 170 Kinderkehlen auf der Enzinsel in Oberriexingen.
 Das Lied, eigens von Erstklasslehrer Hans-Martin Kögler getextet, bildete Quintessenz und zugleich krönenden Abschluss des Musicals „Der Zauberer von O(z)berriexingen“ und damit des gesamten Kunst- und Theaterprojekts der Grundschule, das dort während des vergangenen Schuljahres für magische Momente gesorgt hatte.
Beide Vorführungen am Samstag und Sonntag waren lange im Vorfeld ausverkauft, so dass sich bereits zur Generalprobe am Freitag zahlreiche Besucher in die Welt der grün glitzernden Smaragdstadt entführen ließen. Dabei startet die Geschichte zunächst ganz real mit einer Alltagsszene, in der Doro, Schülerin der 4b, wie ihre Klassenkameraden eine Buchpräsentation vorbereiten muss, die ihr allerdings großes Kopfzerbrechen bereitet. Deshalb verkriecht sie sich auf den Dachboden, wo sie über ein paar Kinderbücher stolpert. Deren spannende Helden, überzeugend verkörpert von den Kindern der 2a, versuchen sich im Wettstreit mit dem Aufruf „Nimm mich!“ für Doro interessant zu machen und sie zum Lesen zu bewegen. Diese Turbulenzen entwickeln sich schließlich zu einem Tornado-Tüchertanz, den Schohre Benz vom TSV mit den Achtjährigen eingeübt hatte.
Der Wirbelsturm bringt die Hauptfigur und ihr Kuscheltier ins Zauberland Oz. Hier leben viele kleine, merkwürdige Wesen wie Miniprofessoren, Elfen und Mümmler, von den Jüngsten an der Grundschule rührend gespielt, aber auch Hexen und Zauberer verschiedener Couleur in Form von entsprechend kostümierten Drittklässlern, deren dunkle Vertreter Doro aus der Smaragdstadt fernhalten wollen. Zum Glück gibt es da noch die Vogelscheuche, die seit Jahren von den klugen Raben, die im wahren Leben in der 2a ihre Intelligenz beweisen, wegen ihres Strohs im Kopf verspottet wird, die aber Doro den Weg zum Schloss des Zauberers weisen kann, von dem diese sich Hilfe erhofft.
 Doch die Reise dorthin birgt viele Abenteuer. So trifft das Mädchen im Dschungel auf Elefanten, quirlige Affen, Bären und fauchende Wildkatzen, allesamt von den Kindern der 1a herausragend gemimt, die ihren Löwen-König wegen seiner Feigheit auslachen. Deshalb sucht auch jener wie Doro und die Vogelscheuche Hilfe beim Zauberer. Und noch eine weitere Figur gesellt sich zur Truppe: Der Blechmann, der in der Welt der Roboter als einziger endlich einmal Herz beweisen und nicht länger glauben will, dass „Gefühle schrecklich gefährlich sind“, wie Dialog und eindrucksvoller Techno-Tanz der 3a unter Leitung von Céline Schweizer glauben machen möchten. In der großen Schlussszene der 4a bei der Ankunft im grünen Schloss des Zauberers von Oz offenbart sich schließlich überraschend für alle Beteiligte, was wahrer Mut, Herz und Verstand, Freundschaft und Zusammenhalt tatsächlich bedeuten – auch im wirklichen Leben.
Damit bot die knapp dreistündige Vorstellung eine zauberhafte Inszenierung, die durch ihre Szenenvielfalt, die bunte Menge der Darsteller bei den gemeinsamen Zwischensongs und die tollen, selbst gemachten Kulissen und Kostüme überzeugte, vor allem aber durch die Selbstsicherheit und Selbstverständlichkeit, mit der die Kinder ihre Rollen vor über 300 Zuschauern pro Abend spielten. Somit glaubte man ihnen am Ende die Worte, die sie zum Finale vereint sangen. Musikalische Unterstützung gab es dabei von Vulkania-Musikdirektor Martin Falk am Klavier sowie durch Pampersband und Jugendkapelle des Musikvereins unter Sandra Kaltenbrunn.
Und so zeigten sich sowohl Bürgermeister Willi Baur, der stolz „auf eine solche Gemeinschaftsleistung in Oberriexingen“ ist, als auch die Vertreter der Förderer und des Schulamts vom gelungenen Abschluss des einmaligen Projekts sehr beeindruckt. Auch Heidelinde Finkbeiner-Knapp, die als Regisseurin und theaterpädagogische Begleitung die schauspielerische Gesamtleitung hatte, freut sich mit ihren Schützlingen über diesen Erfolg, schaffte sie es doch zusammen mit dem hoch engagierten Lehrerkollegium, dass im Laufe des Schuljahres jedes Kind gemäß dem Credo „Schwache fördern, Starke fordern“ seine individuelle Rolle im selbst entwickelten Stück fand und diese auch optimal ausfüllte. Damit sich jeder als gleich wichtig empfinden konnte, wurden die Hauptfiguren mit mehreren Kindern besetzt. Dadurch wurde das Motto „Jeder kann was“ für alle erlebbar gemacht.
Nach eigenem Bekunden besonders froh über das sichtbare Wachsen aller im Laufe des Projekts ist die Initiatorin des Ganzen, Schulleiterin Ingrid Jäger-Gutjahr, die mit der Einbeziehung von Eltern, Stadt und örtlichen Vereinen als Kooperationspartner, kommunalen, gewerblichen und privaten Förderern sowie Künstlern und Fachleuten für die Umsetzung und Gestaltung des Rahmens ganz bewusst über den schulischen Tellerrand hinausgeschaut hat, um ihren Schülern zu zeigen, dass manche Dinge nur gemeinsam zu bewältigen sind. So erklärte die Rektorin noch vor der Generalprobe am Freitag: „Es ist mit den Kindern wirklich wunderschön und es gibt ein tolles Gemeinschaftsgefühl für alle Beteiligte. Jeder, wirklich jeder, ob klein oder groß, gibt sein Bestes!“
Dass sie da nicht zuviel versprochen hat, zeigte der tosende Schlussapplaus des begeisterten Publikums und – was für den pädagogischen Erfolg am wichtigsten ist – die sichtlich stolzen und mit sich zufriedenen Grundschüler.


Seitenanfang