Enzweihingen (aa) – Die Kartoffelanbauer der Region freuen sich über „geordnete Verhältnisse“ auf dem Markt. Das bedeutet für sie ganz einfach: stabile und ordentliche Preise. Und die Ernte des laufenden Jahres verspricht eine gute Ausbeute.
Treffpunkt Berghof bei Enzweihingen. Bei Gerd Kinzinger treffen sich die Anbauer aus den umliegenden Orten, um mit Mark Mitschke vom Beratungsdienst Kartoffelanbauer e.V. zu fachsimpeln. Der Experte betreut im Land Baden-Württemberg rund 430 Bauern, die eine Anbaufläche von etwa 4500 Hektar haben. Das entspricht zu rund 80 Prozent der Anbaufläche des ganzen Landes.
Mitschke strahlt Optimismus aus. Und die Landwirte wollen nicht groß widersprechen. Im Vergleich zu 2007 können um die 18 Cent pro Kilogramm mehr erlöst werden. Je nach Sorte und Größe liegt der Preis zwischen 1,15 und 1,40 Euro. Wer direkt bei den Erzeugern kauft und das nicht nur pfundweise, der kommt natürlich günstiger weg. Doch das wissen die erfahrenen Kartoffelkäufer ganz genau. Im Raum Vaihingen werden gut 95 Prozent der Ernte direkt beim Bauern an den Endverbraucher abgesetzt. Im Landkreis, der mit einer Anbaufläche von knapp 300 Hektar nicht zu den Kartoffelhochburgen zählt, ist es ähnlich.
Was sind die Gründe für die gute Situation? Da kamen zum Beispiel aus Israel und Ägypten rund 170000 Tonnen weniger als normal – Frost hatte die Knollen verdorben. Auch durch Streiks in Spanien und Frankreich kam die Ware erst gar nicht in Deutschland an. Und viele Bauern haben von Kartoffeln auf Getreide umgestellt, weil es dort gute Preise zu erzielen gab. So fehlt unterm Strich einiges am rechnerischen Bedarf, der bei rund 60 Kilogramm pro Jahr/Kopf liegt. Wen wundert es da, dass die Preise angezogen haben? Die Landwirte sehen das als Ausgleich für die um rund 30 Prozent gestiegenen Betriebsmittelkosten zum Beispiel beim Diesel und beim Pflanzenschutz.
Die ersten (vorgekeimten) Kartoffeln sind Mitte Februar gesteckt worden. Am 8. Juni wurden die ersten Frühkartoffeln, die natürlich unter Folien reifen konnten, geerntet. Die späteren Sorten kamen im Gros Ende April in den Boden. Die Roder sind jetzt bis in den September hinein auf den Feldern zu sehen.
„Insgesamt sieht es bei Ihnen sehr gut aus“, meint Mark Mitschke bei der Tour über die Felder. Er hackt mit seinem Karst verschiedene Reihen auf und will es ganz genau wissen. Ein Schnitt durch die Knolle. Wenn sie schäumt, ist sie reif. Die „Christa“, die den Schnitt abbekommt, schäumt gewaltig. Auch die „Annabelle“, eine spezielle Salatsorte vom Acker nebenan, erweist sich beim Schnitttest als reif.
„Wir dürfen heuer nicht klagen“, sagt einer der Bauern, „vor zehn, fünfzehn Jahren waren die Preise echt im Keller und viele Kollegen sind abgesprungen.“ Jetzt freuen sie sich über die geordneten Verhältnisse. Es sei ihnen zugestanden.
