Mittwoch, 23. Mai 2012

Ein rekordverdächtiges Theaterstück


Theaterprojekt: Die Schüler der Oberriexinger Grundschule haben in einer Woche ihren großen Auftritt. Foto: Schmid
Theaterprojekt: Die Schüler der Oberriexinger Grundschule haben in einer Woche ihren großen Auftritt. Foto: Schmid

Oberriexingen – Für die Grundschüler der Oberriexinger Schule läuft der Countdown. In einer Woche sollen sie ihr selbst konzipiertes Theaterstück „Der Zauberer von O(z)berriexingen“ uraufführen Die Proben für das rekordverdächtige Projekt laufen gut.

Oberriexingens Bürgermeister Willi Baur ist sich sicher. Mit ihrem Theaterprojekt ist die Grundschule seiner Stadt auf dem direkten Weg zu einem Rekord: „Rund 170 Darsteller, viele ehrenamtliche Helfer und die Oberriexinger Vereine machen mit“, sagt er und versichert, dass man das in dieser Form kein zweites Mal so schnell im Land vorfindet. Als bloße Behauptung möchte der Schultheiß diese Aussage aber nicht stehen lassen. Die höchste Stelle in Sachen Rekorde soll eine Bescheinigung ausstellen: „Wir bereiten gerade unsere Bewerbung für das Guinness-Buch der Rekorde vor“, erläutert Baur. Bis die Bewerbung abgeschickt wird, geht allerdings noch ein bisschen Zeit ins Land. Schließlich muss sie in astreinem Englisch formuliert sein.

Ob die Londoner Guinness-Redaktion das Theaterprojekt aus der kleinsten Stadt im Landkreis Ludwigsburg anerkennt, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch so sicher wie das Amen in der Kirche: Am Samstag in einer Woche (28. Juni) führen die 170 Schülerschauspieler ihr Theaterstück zum ersten Mal auf. Am Sonntag gibt es eine zweite Vorstellung. Wer die Aufführung von „Der Zauberer von O(z)berriexingen“ sehen möchte, muss sich sputen. Denn die Termine am Samstag und am Sonntag sind bereits ausverkauft. „Es gibt nur noch Karten für die Generalprobe am Freitag“, sagt Grundschulleiterin Ingrid Jäger-Gutjahr.

Ein Jahr lang haben die Schüler Texte geschrieben, Lieder einstudiert, Bühnenbilder gemalt und sich intensiv mit dem Thema Theater befasst. Das Stück basiert ursprünglich auf „Der Zauberer von Oz“. Die Kinder der Klassen 1 bis 4 seien aber so kreativ gewesen, dass vom Ursprung kaum mehr etwas übrig geblieben ist. „Sie haben zum Beispiel Figuren entwickelt, die den Erwachsenen nie in den Sinn gekommen wären“, sagt Theaterpädagogin Heidelinde Finkbeiner-Knapp.

Doch nicht nur die knapp 170 Schulkinder haben sich beteiligt. Unzählige Rentner, Eltern und andere Freiwillige leisteten einen Teil. Für die Kostüme hat sich zum Beispiel eine Designerin zur Verfügung gestellt, beim Nähen haben Schneiderinnen geholfen. Die Bühnenbilder, die auch für professionelle Produktionen eingesetzt werden könnten, entstanden mit Künstlern aus der Region.

In dem Stück geht es um Doro, Maxi und Tommy, die in der Schule ein Buch präsentieren sollen. Mit dem Lesen haben es die drei aber nicht wirklich. Ihre ungelesenen Bücher lagern auf dem Dachboden. Und genau dort begeben sie sich jetzt auf die Suche nach einem passenden Werk für ihre Präsentation. Unter den Hauptfiguren der vielen ungelesenen Geschichten bricht ein Wettkampf aus: Jede will, dass ihr Buch gelesen wird. Die Turbulenzen entwickeln sich zum Wirbelsturm – und der zieht Doro mit ihrem Kuscheltier Toto in das zauberhafte Land Oz.

Die kleinen Bewohner des Landes können ihr den Heimweg nicht verraten. Der große Zauberer von Oz könne ihr aber helfen. Also macht sich Doro auf die Suche. Die bösen Hexen möchten allerdings um jeden Preis verhindern, dass das Mädchen in der Smaragdstadt ankommt und legen ihr einen Stein nach dem anderen in den Weg. Als Doro trotzdem bei dem Zauberer ankommt, erfährt sie nicht nur, wie sie nach Hause kommt, sondern auch, was wirkliche Freundschaft ist.

Die Menge der mitwirkenden Schauspieler hat die Organisatoren vor ein kleines Problem gestellt. Die beiden Hallen der Stadt waren zu klein. „Deshalb haben wir angeboten, dass das Stück im Festzelt des Inselfests aufgeführt werden kann“, sagt Holger Veit vom Musikverein. Im Inneren des Zelts werde eine wunderschöne Kulisse entstehen.

Wer keine Karte mehr ergattern kann, muss übrigens nicht traurig sein. Die Aufführung wird auf DVD aufgezeichnet und kann hinterher gekauft werden.

Philipp-Marc Schmid


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