Vaihingen (aa) – Hineinschauen in die Gemeinde will er, fragen wie es geht. „Die Visitation soll keine Kontrolle sein“, unterstrich Prälat Ulrich Mack am Mittwochabend im evangelischen Gemeindehaus in Vaihingen. Dem Gast wurde beim Forum ein Marktstand präsentiert, der die Vielfalt der Arbeit in der Kirchengemeinde widerspiegelte. Bunt und vielfältig, aber nicht beliebig, wie betont wurde.
Wie kann sich eine Kirchengemeinde bei der Visitation unter dem Stichwort „Innenwahrnehmung“ darstellen? Um Ideen ist man da in Vaihingen nicht verlegen. Da füllten die verschiedenen Gruppen der Gemeinde nach und nach den Marktstand auf der Bühne des Saals mit symbolischen Dingen – von den Socken bis zu Notensätzen. „Wir sind selbst erstaunt, was unsere Kirchengemeinde alles zu bieten hat“, mussten selbst Insider anerkennend feststellen: Kinder- und Jugendarbeit von der Krabbelgruppe bis zum Jugendwerk, Erwachsenenarbeit vom Frauenkreis bis zum Treffpunkt Seniorennachmittag, eine pralle Fülle von Musikangeboten (vorgestellt mit echten Tönen, etwa einem großen F an einer Orgelpfeife), „sonstige Aufgabenfelder“ (mit dem zur Gitarre singenden Dekan Leins) von der Kirchenpflege bis zum Freundeskreis Suchtkranke. Was hat der Kirchengemeinderat und seine Ausschüsse für Aufgaben? Einen ganzen Rucksack voll. Wie sieht der ideale Pfarrer aus? Nach dem Abend weiß man es. Ganz einfach: Wie Thomas Moser. Er wurde von seiner Kollegin Regina Götz schlichtweg als Prototyp vorgestellt, als Pfarrer mit Leib und Seele: „Greifen Sie zu!“
„Kann man solche Pfarrer auch für die Katholische Kirchen bestellen?“, war daraufhin die Frage von Christoph Knecht, Pastoralreferent der katholischen Kirchengemeinde, der für die ökumenischen Partner sprach. Man habe viel erreicht, tue sich nicht weh, habe sich aber inzwischen wohl auf einem Status quo eingerichtet. Pfarrerin Silke Heckmann aus Markgröningen, die als Moderatorin des Abends wirkte, fand es indessen „höchst bemerkenswert“, dass Partner der Ökumene bei der Innenwahrnehmung der Gemeinde überhaupt dabei sind.
Auch Partner der kirchlichen Arbeit waren eingebunden. Da eilte Oberbürgermeister Gerd Maisch noch nach der Gemeinderatssitzung ins Gemeindehaus, um zu erzählen, wie er die Kirchengemeinde sieht und Glück für den Gemeindehausbau am Wolfsberg zu wünschen. Fritz Wahl sprach als Vorsitzender des Krankenpflegevereins für die Vereine, bat um Verständnis für sonntägliche Veranstaltungen. VKZ-Redaktionsleiter Albert Arning sah im Dekan den idealen PR-Mann für seine Gemeinde, „der es manchmal fast zu gut meint“. Margit Rösslein vertrat die Familien-Bildung.
Und schließlich sollten noch Ideen und Visionen entwickelt werden. Dafür wurden die Besucher in Arbeitsgruppen gebeten, um dort Visionen zu entwickeln. Ideen, „die wichtig für die Arbeit im Kirchengemeinderat sein werden, denn nichts soll verloren gehen“.
Und was meinte der Prälat nach zweieinhalb Stunden zu dem Gebotenen? Faszinierend sei das gewesen mit den Symbolen am Marktstand. Mack: „Hinter allen Symbolen stecken Menschen, die den Reichtum der Kirchengemeinde ausmachen.“ Hier sei ein Schatz der Ehrenamtlichen vorhanden, der auch ein Schatz für die Hauptamtlichen sei. Die Gemeinden müssten sich durchaus die Frage stellen: „Erfüllen wir unseren Auftrag auf dem Markt der Welt? Kommen wir auf dem Markt mit dem, was wir anbieten, auch an?“
Was geschieht nach dem Forum? Der Kirchengemeinderat wird voraussichtlich am 9. Juli und am 17. September beraten und seinen Bericht fixieren. Ende September soll der Visitationsbericht/Gemeindeleitungsbericht mit Beiträgen aus den Gruppen und Kreisen veröffentlicht werden. Am 22. Oktober hat der Prälat seinen Besuch im Kirchengemeinderat angekündigt. Am Mittwoch konnte er sich nur freundlich für den informativen Abend bedanken. Die Frage an die Kirchengemeinde „Wie geht‘s?“ hat er durch die Darbietungen sicher im Ansatz beantwortet bekommen. Offensichtlich nicht schlecht.
