Illingen/Ensingen (elf) – Er war längst überfällig, doch jetzt wird er endlich gebaut: der Radweg zwischen Illingen und Ensingen. Während das Landratsamt Enzkreis als Bauherr bereits seit Wochen in den Startlöchern stand, gab es vor allem mit der Bahn wesentliche Dinge abzustimmen. Vor gut einer Woche ging es schließlich los, Ende September soll der Lückenschluss fertiggestellt sein.
Eigentlich sind es ja nur rund 850 Meter, die künftig die Verbindung zwischen Illingen und Ensingen herstellen sollen. Doch die haben es ganz schön in sich. Das Hauptproblem ist die Bahnbrücke über die ICE-Strecke. Da sie bislang nur für den Kraftfahrzeugverkehr ausgelegt war, bietet sie nicht genügend Platz für Fußgänger und Radfahrer. Deswegen wird nun die Kappe – das Stück zwischen Fahrbahn und Kante – verbreitert, so dass den Radfahrern auf der Brücke künftig ein rund 1,60 Meter breiter Streifen zur Verfügung steht.
Hierfür werden das Geländer und die Schutzleitplanke entfernt und durch ein sogenanntes „Safety Rail“-System ersetzt. Bei dieser Spezialkonstruktion handelt es sich um eine platzsparende Kombination aus Schutzplanke und Geländer. Eine absolute Neuheit, die im Enzkreis bislang nur in der Gemeinde Steinegg zum Einsatz kam, um auf einer Brücke für Fußgänger Platz zu schaffen.
Für die Verbreiterung der Brücke und Sicherungsmaßnahmen waren diverse Genehmigungen von der Deutschen Bahn AG notwendig, die auch strenge Auflagen nach sich zogen. Um den Schienenbereich vor möglicherweise herabfallenden Werkzeugen und Bauarbeiter vor dem Absturz zu schützen, muss beispielsweise ein zwei Meter hoher Schutzzaun errichtet werden. Da sich die Arbeiter während des Errichtung des Zauns im Bereich der Schutzzone der Hochspannungs-Oberleitungen aufhalten werden, muss für die Dauer dieser Arbeiten der Strom abgeschaltet werden. Dies geschieht in zwei Etappen. In der vergangenen Nacht wurde zwischen 23 und 5 Uhr der Strom in der ersten Gleishälfte gekappt, in der kommenden Nacht ist in der gleichen Zeit die zweite Hälfte dran. Erst anschließend dürfen die eigentlichen Bauarbeiten auf der Brücke beginnen. „Wir hätten gerne ein paar Wochen früher angefangen, doch die Bahn hat auf der Strecke noch andere Baustellen, die Eingriffe in den Schienenverkehr erforderlich machen“, sagt Bauleiter Matthias Fahrer.
Seit gut einer Woche sind die Baggerfahrer damit beschäftigt, Erde zwischen dem Industriegebiet Schweichling und der Bahnbrücke aufzuschütten. Der Grund: Während die Straße zur Brücke ansteigt, nimmt der Radweg ebenerdig seinen Verlauf entlang des Recycling-Unternehmens SüdRec. Kurz darauf soll er auf dem frisch aufgeschütteten Erdwall in zwei Spitzkehren nach oben zur Brücke führen. Zehn bis zwölf Höhenmeter gilt es dabei zu überwinden. Nach den Erdarbeiten wird der Weg geschottert und asphaltiert. Auf einem etwa 250 Meter langen Teilstück nach der Brücke in Richtung Ensingen wurde die Piste auch schon eingeschottert und wartet jetzt auf den Asphalt.
Nach Abschluss der Arbeiten muss die Schutzvorrichtung auf der Bahnbrücke wieder abgebaut werden. Da auch hierfür wieder Eingriffe in den Schienenverkehr notwendig sind, die von der Bahn eingeplant werden müssen, wird der Radweg nach Einschätzung von Bauleiter Fahrer nicht vor Ende September freigegeben. Während der Bauarbeiten gibt es im Bereich der Brücke eine Ampelregelung für den Kraftfahrzeugverkehr. Die Gesamtkosten für den Radweg belaufen sich auf rund 320000 Euro. Dafür lässt es sich allerdings bald bequem zwischen Illingen und Ensingen hin- und herradeln.
