Mittwoch, 23. Mai 2012

Fischer machen Schule


Schüler mit den Fischern im Glattbach. Foto: Arning
Schüler mit den Fischern im Glattbach. Foto: Arning

Vaihingen (aa) – Das Glattbachtal wird für vier Tage zum Klassenzimmer. Doch die Lehrer halten sich da zurück; hier haben Mitglieder des Vaihinger Bezirksfischerei-Vereins (BFV) das Sagen. „Fischer machen Schule“ heißt die Aktion, die der BFV mit Unterstützung des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz in Baden-Württemberg anbietet.
Sie sind selbst ein wenig aufgeregt, die Angler um Franz Hönekop, Vorsitzender des BFV. Wie wird die Schulstunde am Wasser laufen? Doch mit den munteren Kindern der Klasse 3a aus der Vaihinger Grundschule vergeht die Zeit wie im Flug. Im Nu entwickelt sich ein Frage-Antwort-Spiel. Die BFV-Männer kommen kaum dazu, die Einstiegsinformationen zu vermitteln. Die Initiative „Fischer machen Schule“ will das Bewusstsein von Kindern für Gewässer nachhaltig entwickeln und stärken. Im Rahmen eines breit gefächerten pädagogischen Konzeptes haben Schulen die Möglichkeit, Flüsse, Bäche und Seen als Lern- und Erlebnisraum wieder zu entdecken. Multiplikatoren sollen dabei die örtlichen Fischereivereine sein.
Beim BFV Vaihingen zögerte man nicht lange. „Wir waren mit die Ersten, die sich für das Projekt interessiert haben“, erzählt Franz Hönekop nicht ohne Stolz. Seine Mitglieder müssen sich dafür „unter der Woche“ am hellen Vormittag Zeit nehmen, um in die Rolle als Lehrer zu schlüpfen.
„Fischen bedeutet Naturschutz“, unterstreichen die Männer. Mit dem Angeln alleine sei es nicht getan. Sie erzählen von der Arbeit der Gewässerwarte, die ständig die Wasserqualität prüfen, von den Gefahren, die den Fischen durch allerlei Einflüsse drohen (von den 70 in Deutschland vorkommenden Fischarten gelten 52 als Rote-Liste-Arten). Das Problem von Fischtreppen wird erläutert („Viele sind falsch gebaut“) und die Renaturierung angesprochen. Klingt zunächst recht trocken, doch das Team um Hönekop ist um keine Antwort verlegen.
Die Kinder haben natürlich Gummistiefel dabei und dürfen in Gruppen in den Bach steigen. Andreas Arndt, der in der Naturschutz-AG des Verbandes mitarbeitet, erzählt von Laichplätzen an Kiesbetten und dass die Sonne die Eier ausbrüte. Die Schüler erfahren von Insekten, die die Hauptnahrung der Fische darstellen. Dann dürfen sie Steine hochheben und das Getier, das jetzt zu Tage kommt, in Seiher und Lupenbecher streifen. Ah und Oh klingt es aus den Kindermündern. Arndt entdeckt einen toten Fisch und zeigt ihn herum. „Auch Fische sterben einen natürlichen Tod“, meint er und wirft die Mühlkoppe in die Brennnesseln neben dem Bach.
Lebende Fische lassen sich natürlich an diesem unruhigen Morgen am Glattbach nicht sehen. Doch im Bach leben die Mühlkoppe, Forelle, Elritze, Döbel und Gründlinge wissen die Angler. Leider müsse man immer wieder auch Müll aus dem Wasser ziehen, vorwiegend Plastikfolien, Dosen und Flaschen. Auch das muss bei dieser Gelegenheit gesagt werden.
Zum praktischen Unterricht am Bach kommt später in der Schule der Unterricht mit Arbeitsmappen. „Es ist toll, was uns die Fischer da bieten“, freut sich Lehrerin Friedel Schreiner. Man kann davon ausgehen, dass auch die anderen drei Dreier-Klassen, die bis Freitag hinaus ins Glattbachtal wandern, nachhaltige Erlebnisse am Wasser haben werden.
Fischer machen Schule, ein Angebot des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz in Baden-Württemberg, Telefon (0711) 9979898-0. Informationen im Internet unter www.fischer-machen-schule.de.


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