Riet (ub) – Das klare Votum des Vaihinger Gemeinderats zur Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes im Strudelbachtal schockt die Bürgerinitiative nicht. Im Gegenteil: „Wir werfen nicht die Flinte ins Korn, sondern versuchen, auf allen möglichen Ebenen etwas zu bewegen“, sagen Gerhard Köbele und Rudolf Lutz, Sprecher der Rieter Bewegung „Angemessener Hochwasserschutz im Strudelbachtal“.
Am 23. Juni entscheidet der Zweckverband „Hochwasserschutz Strudelbachtal“ im Vaihinger Rathaus über die Baufreigabe des Rückhaltebeckens oberhalb von Eberdingen. Die Bürgerinitiative plant vor der Sitzung um 17 Uhr eine Demonstration. Bei dieser Gelegenheit wird dem Vaihinger Oberbürgermeister und Zweckverbandsvorsitzenden Gerd Maisch ein Brief mit konkreten Gegenvorschlägen für einen „vernünftigen“ Hochwasserschutz überreicht. Zwar sei die Bürgerinitiative bereit zu Kompromissen, nicht verhandelbar sei aber das großräumige Rückhaltebecken R 3.1 auf Höhe des Rieter Sportplatzes. Die Initiative, bei der 25 Bürger aktiv mitarbeiten, setzt auf einen Stufenplan mit soviel Schutz wie notwendig, so wenig Eingriffe in die Tallandschaft wie nötig und so sparsam wie möglich. Köbele, Diplom-Ingenieur der Wasserwirtschaft: „Wir sollten nicht alle Maßnahmen auf einmal verwirklichen, sondern die Auswirkungen abwarten und beobachten.“
Dies ist auch die zentrale Aussage in einem offenen Brief, den die Bürgerinitiative jetzt an den Ministerpräsidenten Günther Oettinger und den Landtagsabgeordneten Wolfgang Stehmer geschickt hat. „Die vom planenden Büro Dr. Hutarew mit angeblich wissenschaftlichen Methoden ermittelten Abflussmengen des Strudelbachs sind dreimal so hoch, wie die in den letzten 60 Jahren gemessenen Werte. Plausible Erklärungen dazu, woher und warum zukünftig so viel mehr Wasser im Strudelbach abfließen soll, gab es bisher nicht. Trotzdem beabsichtigt der Zweckverband, für über zwölf Millionen Euro unter anderem 13 Rückhaltebecken zu erstellen. Davon übernimmt das Land 70 Prozent, aber auch das sind Steuergelder, die nicht zweimal ausgegeben werden können. Die Jahreskosten werden rund 500000 Euro betragen. Allein die Betriebskosten mit etwa 100000 Euro pro Jahr liegen schon höher als alle bisher bekannten Schäden zusammen. Der jüngste Beschluss des Vaihinger Gemeinderats zur Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes wurde Mitte April 2008 gefasst, gegen den erklärten Willen des Rieter Ortschaftsrates.“, heißt es in dem Schreiben.
Die Wirtschaftlichkeitsberechnung des Planers gehe von 52 Millionen Euro Schadenssumme in 50 Jahren aus, wenn kein Hochwasserschutz betrieben werde und komme schließlich zur Feststellung, dass die geplanten Maßnahmen wirtschaftlich seien. „Diese Berechnung ist angesichts der Erfahrungen der letzten 60 Jahre mit einer bekannten Schadenssumme von maximal 60000 Euro absurd und lächerlich“, schreibt Köbele in dem offenen Brief. Die Bürgerinitiative wolle den notwendigen Hochwasserschutz nicht verhindern. Sie trete aber dafür ein, mit sachlichen Mitteln dieses geplante Vorhaben auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren.
Die Bürgerinitiative „Angemessener Hochwasserschutz im Strudelbachtal“ setzt auf die Sicherung der Seitentäler. „Kleinere Staustufen sind kostengünstiger, pflegeleichter und passen sich unauffällig in die Landschaft ein. Denn das Wasser kommt nicht vom Strudelbach, sondern aus den Seitentälern“, so Lutz. Dies habe man in Eberdingen erkannt.
Nach einem Treffen von Mittwochabend fordert die Bürgerinitiative umgehend einen angemessenen Hochwasserschutz im sensiblen Bereich an den Firmen Flattich und Berthold. Das umstrittene Rückhaltebecken mit einem Damm und einer Mauer von 2,20 Meter Höhe sei dagegen überdimensioniert. Lutz: „Für den Autobahnbau zwischen Leonberg und in Richtung Pforzheim wurden auf einer Länge von 15 Kilometern elf Rückhaltebecken eingebaut. Diese Planung sieht eine Hochwassergefährdung nach HQ 10 (zehnjähriges Hochwasser) vor, in dessen Einzugsbereich teilweise auch der Strudelbach liegt. Das Strudelbachtal wurde nach HQ 50 geplant, also das Fünffache.“
Obwohl der Kreuzbach deutlich mehr Wasser führe, konzentriere sich der Hochwasserschutz nur auf das Strudelbachtal. Angesichts der geplanten Mauer am Rieter Sportplatz spricht die Bürgerinitiative von einer „Zumutung für die Bürger, mit einem solchen Schandbau leben zu müssen“. Die Natur- und Umweltverträglichkeit verdiene im idyllischen Strudelbachtal einen anderen Stellenwert. Lutz: „Dies sollte von allen Planungskommissionen und dem Zweckverband akzeptiert und korrigiert werden.“
