Enzweihingen (ub) – Über ein halbes Jahrtausend sorgt die Enzweihinger Mühle für das tägliche Brot der Menschen. 2008 jährt sich die urkundliche Ersterwähnung der Mühle zum 560. Mal. Innerhalb der Aktion „Gläserne Produktion“ wird dies am Sonntag (8. Juni) mit einem Mühlenfest gefeiert.
Mit einem Gottesdienst, gestaltet von der evangelischen Kirchengemeinde, beginnt dieser Festtag um 10 Uhr in der Straße am Strudelbach. Danach steht die Enzweihinger Mühle den interessierten Besuchern offen. Auf einem bunten Mühlenmarkt gibt es nette Kleinigkeiten, die alle in irgendeiner Form mit regionalen Landprodukten verbunden sind. Das Ernährungszentrum Mittlerer Neckar aus Ludwigsburg ist mit einem Beratungsstand auf dem Mühlenfest vertreten. Um den Besuchern das Getreide vor Ort auf den Feldern zu zeigen, führen die Enzweihinger Bauern stündlich mit dem Traktor eine Felderbegehung durch. Das Programm wird durch Ponyreiten abgerundet. Regionale Anbieter verwöhnen die Gäste mit leckeren Speisen, wobei auch Vegetarier nicht zu kurz kommen. Der Weinbauverein Enzweihingen wird mit einem Probierstand vertreten sein. Nachmittags runden die Enzweihinger Landfrauen mit einem Kuchenbüfett die kulinarischen Genüsse ab.
Es war im Jahr 1448, als der Graf Ludwig zu Württemberg einem gewissen Martin Müller die Enzweihinger Mühle als Lehens-Mühle gegeben hat. Ab diesem Zeitpunkt war die Mühle Garant für die Versorgung mit Mehl, vor allem auch in Krisenzeiten wie Kriege und Hungersnöte. Wobei zur damaligen Zeit der Stellenwert von Getreide in der Lebensmittelversorgung weitaus höher lag, als heute. Vor rund 200 Jahren lag der Pro-Kopf-Verbrauch an Getreideerzeugnissen bei rund 125 Kilogramm. Heute ist der Verbrauch deutlich niedriger, allerdings seit ein paar Jahren wieder mit leicht steigender Tendenz: So lag im Wirtschaftsjahr 2006/2007 der Pro- Kopf-Verbrauch bei 86,9 Kilo (für Brot, Brötchen, Kleingebäck und verwandte Produkte).
In der Geschichte der Enzweihinger Mühle ist das Jahr 1778 ein sehr einschneidendes Datum. Damals wurde nach einem verheerenden Brand die Mühle komplett wieder aufgebaut. Das über 200 Jahre alte Gebäude ist in seiner äußeren Form originalgetreu erhalten geblieben.
Im Jahr 1964 übernahm Siegfried Häußermann aus Iptingen vom Vorbesitzer Erwin Wormser die Enzweihinger Mühle. Die Häußermanns sind ein altes Müllergeschlecht , das bereits seit sechs Generationen das Müllerhandwerk mit Leib und Seele betreibt.
Über 40 Jahre arbeitete Siegfried Häußermann in der Enzweihinger Mühle, baute Gebäude an und aus, und übergab 2003 die Geschäfte in die Hände seines Sohnes, Müllermeister Ulrich Häußermann. Beim jungen Chef, der nun seit bereits fünf Jahren die Geschicke der Enzweihinger Mühle lenkt, liegen die Mühle und die Getreideerfassung- und Vermarktung in fachlicher Hinsicht in guten Händen, was die Erweiterung seines Kunden- und Lieferantenkreises deutlich zeigt.
Ein Meilenstein in der jüngeren Vergangenheit stellt sicherlich auch der Bau der neuen Getreideannahmestelle Richtung Oberriexingen dar. Seit 2000 die Annahmestelle „Talhof“ fertiggestellt ist, müssen sich die Landwirte aus der Region zur Getreideablieferung nicht mehr durch den engen Enzweihinger Ortskern zwängen. Was den Landwirten natürlich besonders entgegenkommt, ist die zügige Erfassung des Getreides nach vorheriger Qualitätsbestimmung.
Eine Sache ist Müllermeister Ulrich Häußermann besonders wichtig: Die Qualität seiner Produkte. „Wir verarbeiten Getreide aus der Region und von Landwirten, die wir persönlich kennen“. So ist der Weg vom Korn zum Mehl jederzeit nachvollziehbar.
Bevor in der Enzweihinger Mühle das Getreide zur Vermahlung kommt sind bis zu zehn Schritte angesagt, um das Getreide perfekt zu reinigen. Anschließend wird das Getreide in den Walzenstühlen (das sind die modernen „Mahlsteine“) zerkleinert und gelangt über 17 Passagen zum fertigen Qualitätsmehl, das im mühleneigenen Labor kontrolliert wird.
