Vaihingen (aa) - Freudig erregt gibt man sich im Vaihinger Rathaus nicht unbedingt beim Thema Lärmaktionsplan. „Viele Dinge sind einfach noch nicht klar“, meint Stadtplaner Ernst Loos. Am Montagabend wurde der Vorentwurf im Vaihinger Stadtteilausschuss besprochen, gestern Abend im Enzweihinger Ortschaftsrat. Enzweihingen ist durch die Bundesstraße 10 am stärksten betroffen.
Auslöser für die Lärmkartierung ist eine Richtlinie der EU. Der Lärm soll zunächst kartiert werden, dann folgt die Aufstellung eines Aktionsplanes. Und am Ende sollte es auch Maßnahmen geben. „Ich habe ein Seminar besucht“, berichtete Stadtplaner Loos, „dabei haben wir den halben Tag nur über ungeregelte Dinge geredet.“ Bis 18. Juli sollen Aktionspläne aufgestellt werden. Loos: „Den Termin schafft niemand.“ Dennoch: Das Stadtplanungsamt ist auf der Grundlage der Bestandsaufnahme durch das Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) in das Thema eingestiegen und hat für die Stadt in Stufe 1 lediglich die Hauptverkehrstrasse der Bundesstraße 10 als relevant ausgemacht. Hier dreht es sich um die B10 zwischen der Essotankstelle (Vischer-Kurve) und Enzweihingen. Ausgenommen wird der Abschnitt zwischen der Seemühlen-Kreuzung und der Einmündung der Stuttgarter Straße in die B10 (Vaihinger Eck).
Eine grundsätzliche Betroffenheit ist für den Bereich Seemühle, Steinwerk (Esso), Baresel und Flosch sowie die gesamte Ortslage von Enzweihingen und mit Abstrichen für Pulverdingen ausgemacht worden. Als Lärmbrennpunkt gilt ein Bereich mit dB(A)-Werten von 75 bzw 65 (Tag/Nacht). Der Straßenlärm zeigt beidseitig der B10 in Enzweihingen die höchste Belastung. Diese beginnt bei 75 dB(A) unmittelbar entlang der Straße und reicht beim Pegelbereich 50 bis 55 dB(A) immer noch weit in die Ortslage hinein (bis in die Steinestraße oder Brunnenhaldenstraße).
In Vaihingen (Flosch) ist ganztägig nur die Aral-Tankstelle und die Straßenmeisterei in den kritischen Bereich über 70 Dezibel eingestuft. Die dahinterliegenden Wohnungen liegen nachts im Pegelbereich 55 bis 60 Dezibel. Bei der Seemühle liegt die nächste Bebauung im Pegelbereich bis 70 Dezibel. Auf der gegenüberliegenden Seite (Steinwerk/Außenbereich) reichen die Pegelwerte bis 65 Dezibel. Im Wohngebiet Baresel werden Werte bis 55 Dezibel gemessen. Für Pulverdingen liegen sie bei 55 Dezibel. Nachts liegt auch der Ortsrand unter 50 db(A). Insgesamt werden rund 540 Einwohner als betroffen registriert – fast alle in Enzweihingen. Das Fazit aus dem Planungsamt: Der Lärmaktionsplan wird sich zunächst auf Enzweihingen beschränken.
Nun steht hier ja bekanntlich das Thema Tunnel/Umfahrung im Raum. „Der Regierungspräsident hat ganz klar gesagt, dass es nur eine Umgehung oder nichts geben wird“, machte Oberbürgermeister Gerd Maisch deutlich. Die Planfeststellung soll – so die (mündliche) Aussage aus dem Regierungspräsidium – im kommenden Jahr anlaufen. Mit einer Umgehungsstraße wird sich die Verkehrsbelastung in der Schwieberdinger Straße so erheblich verändern, dass die heutige B10 vermutlich sogar aus der Kategorie drei Millionen Fahrzeuge im Jahr herausfallen wird.
Daraus soll nun aber nicht der Fall „kein Handlungsbedarf“ abgeleitet werden, da in keiner Weise abzusehen ist, wann die Umgehungsstraße realisiert wird. Auf den Prüfstand genommen werden verkehrsrechtliche Maßnahmen. So könnte man sich eine Geschwindigkeitsreduzierung vorstellen, zum Beispiel innerorts von derzeit 50 auf 30 oder 40 km/h ganztägig oder nur nachts, was aber als „außergewöhnlich und gewöhnungsbedürftig“ eingestuft wird und die „Leichtigkeit des Verkehrs“ beeinträchtigen würde. Was wäre der Gewinn einer solchen Maßnahme? Eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h führt zu einer Pegelminderung von 2,7 Dezibel bei einem 25-prozentigen Lkw-Anteil. Hier müsste auch das Regierungspräsidium zustimmen. Der Bau einer Lärmschutzwand wird vor dem Hintergrund der Umgehungsplanung nicht verfolgt. Auch ist derzeit kein kommunales Förderprogramm für den Einbau von Lärmschutzfenstern geplant.
Im Stadtteilausschuss wurde die Befürchtung geäußert, dass der Aktionsplan nur erstellt wird, am Ende aber keine Maßnahmen ergriffen werden. Bürgermeister Wilfried Nestle: „Wir bleiben wohl auf halber Strecke stehen. Es ist unbefriedigend, wenn am Ende keiner etwas macht.“ Und die Meinung von Oberbürgermeister Gerd Maisch: „Vom Plan wird‘s nicht besser. Der, der die Straßen baut, muss auch das Geld bringen für die Verbesserung der Situation.“
Der Vorentwurf zum Lärmaktionsplan wird am 18. Juni auch im Gemeinderat behandelt. Die Beteiligung der Bürger und Träger öffentlicher Belange wird anschließend durchgeführt. Aktionspläne der Straßen in den Stufe-2-Bereichen sollen bis 2013 aufgestellt werden. Darunter fallen unter anderem die Franckstraße, die Hans-Krieg-Straße, die Stuttgarter Straße, die Rieter Straße und die Adenauerstraße.
