Mittwoch, 23. Mai 2012

Ritter erobern den Saal zurück


Drensek (links) und Schreibbauer mit Ritterstuhl und den Plänen. Foto: Rücker
Drensek (links) und Schreibbauer mit Ritterstuhl und den Plänen. Foto: Rücker

Vaihingen (sr) – „Das ist mein Kind und bleibt mein Kind“, sagt Schreinermeister Ernst Schreibbauer. Mit dem Rückbau des Rittersaals auf Schloss Kaltenstein erfüllt sich ein Wunsch des Ausbilders auf dem CJD Jugenddorf Schloss Kaltenstein in Vaihingen. Wenn die Finanzierung steht, werden die Auszubildenden des Jugenddorfs ab Ende Juni im Saal Gas geben.
„Es war mein persönlicher Wunsch, einen Teil von Schloss Kaltenstein wieder in den Originalzustand zu versetzen“, bekennt Schreinermeister Ernst Schreibbauer. Seit 1976 ist der gebürtige Österreicher Ausbilder im CJD Jugenddorf Schloss Kaltenstein und sein Traum nimmt nun kurz vor seinem Ruhestand konkrete Formen an. Letztes Jahr fokussierte der Tischlermeister seine Bemühungen auf den Rittersaal und rannte damit bei Jugenddorfleiter Klaus-Dieter Drensek offene Türen ein. Um die Wiederauferstehung des Rittersaals voranzutreiben wurden Stephan Sure vom Stadtplanungsamt Vaihingen und Dr. Norbert Bongartz vom Referat für Denkmalpflege, Regierungspräsidium Stuttgart, mit ins Boot geholt.
Der geplante Rückbau des Saals, bei dem unter anderem die abgehängte Decke entfernt und eine Holzvertäfelung angebracht werden sollen, wurde daraufhin von den Behörden geprüft und grünes Licht gegeben. Drensek: „Das Projekt stößt bei allen auf Gegenliebe.“
Endoskopische Untersuchungen folgten, bei denen hinter Bretter und Putz gespickt wurde, um eventuell vorhandene Original-Bemalungen und -Verzierungen bei den Restaurierungsarbeiten nicht zu gefährden. Gefunden wurde dabei allerdings nichts. Auch Originalpläne über den ursprünglichen Zustand des Raumes sind nicht erhalten. Ein klarer Fall für Schreinermeister Schreibbauer: Mit der Unterstützung von Stephan Sure sichtete Schreibbauer erhaltene Bausubstanz in Vaihingen, die dem Aussehen des ehemaligen Rittersaals nahe kommen könnte. Schreibbauer fertigte daraufhin Zeichnungen an, in denen das neue Gesicht von Decke und Wänden zu sehen ist.
Die handwerklichen Leistungen, die anstehen, um den Saal der im Jahre 1092 erstmals erwähnten Burg zu verschönern, werden größtenteils durch die Auszubildenden des Jugenddorfs erbracht werden. Schreiner-, Maler- und Elektrikerlehrlinge werden bald den Saal in die Mangel nehmen. Klaus-Dieter Drensek: „Die endgültige Entscheidung über die Umsetzung des Projekts fällt Ende Juni.“ Dann wird der Besitzer, das Land Baden-Württemberg, über eine Mitfinanzierung beim Rückbau entschieden haben.
Bis dahin gibt es unter den Verantwortlichen noch jede Menge Diskussionsstoff: Wie hoch soll die Vertäfelung an den Wänden werden? Wird der riesige offene Kamin, den die alten Ritter sicherlich schätzten, wieder herausgearbeitet? Welche Farbe wird die Holzvertäfelung erhalten? Die Holzart hingegen steht fest: Douglasie. Schreinermeister Schreibbauer: „Die Ritter waren damals sehr arme Leute.“ Deshalb sei Eiche eher unwahrscheinlich. „Douglasie könnte authentisch sein.“
Die zwei besten Lehrlinge aus der schlosseigenen Schreinerwerkstatt, darunter ein Mädchen, fertigen zurzeit eine Rittertafel und Stühle. Das sorge für Motivation unter den angehenden Schreinern und sicherlich auch demnächst in den anderen Lehrwerkstätten. Die Maler beispielsweise werden die Decke mit Stuckprofilen verzieren. Als Beleuchtung sind acht Beleuchtungssysteme in Reifenform mit jeweils einem beachtlichen Durchmesser von zwei Metern vorgesehen. Darin enthalten: modernste Beleuchtungstechnik. Drensek: „Für eine gute Ausleuchtung bei Ausstellungen.“ Wenn die Schönheitsoperation am Patient Rittersaal beendet ist, sollen zwei Ritterrüstungen dort Wache halten.
Jugenddorfleiter Drensek hofft auf eine Wiedereröffnung des Raumes am 25. Mai 2009 – dem 60. Geburtstag des Vaihinger Jugenddorfs Schloss Kaltenstein. Schreinermeister Schreibbauer wird die Entwicklung seines „Kindes“ bis dahin von seiner Ruhestandsresidenz in Österreich aus regelmäßig unter die Lupe nehmen.


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