Freitag, 10. September 2010

Hochwasserschutz-Konzeption bestätigt






Strudelbachtal bei Eberdingen.
Strudelbachtal bei Eberdingen. Foto: Arning

Vaihingen (aa). Der Brief aus Karlsruhe ist eine Bestätigung für den immer wieder arg gescholtenen Dr. Andreas Hutarew. „Er liegt mit seiner Hochwasserschutz-Konzeption für den Strudelbach richtig“, sagt Oberbürgermeister Gerd Maisch. Die Vorwürfe, man würde einen nicht angemessenen Hochwasserschutz planen, seien danach falsch. Am Mittwoch legte der OB dem Vaihinger Gemeinderat einen Zwischenbescheid des Instituts für Wasser und Gewässerentwicklung (IWG) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) vor. Die Leistungsfähigkeit des Strudelbachs im Ist-Zustand wird von den Experten der Universität als „gering“ bezeichnet. Die Karlsruher Forscher hatten vom Zweckverband Strudelbachtal den Auftrag erhalten, die vorliegenden Untersuchungen unter die Lupe zu nehmen, nachdem der Landesrechnungshof hier noch Potenziale entdeckt hatte (das Land fördert die geplanten Maßnahmen zu 70 Prozent). Daraufhin hatte das Regierungspräsidium auf das Gutachten gedrängt. „Und ich wollte unbedingt noch vor den Sommerferien einen Zwischenbescheid haben“, erklärt OB Maisch seine Mitteilung vom Mittwoch. Wichtig ist aus Sicht der Karlsruher Fachleute, das Becken vor Eberdingen (beim Bauhof der Gemeinde) größer zu gestalten – „deutlich größer“, wie Gerd Maisch unterstrich. Aus dem bisher vorgesehenen Stauraum von 42 000 Kubikmetern sollten 142 000 werden. Maßgebliche Engstellen haben die Experten in den Ortslagen Eberdingen und Riet sowie in Enzweihingen unterhalb der Kreuzbachmündung ausgemacht. Ein Hochwasserschutz in der Größenordnung eines HQ50 (50-jährige Hochwasserwahrscheinlichkeit) – ohne Klimafaktor – könne nur „unter Ausnutzung aller Optionen erreicht werden“, wird gesagt. Und weiter: „Die Leistungsfähigkeiten in den Ortslagen im Ist-Zustand sind so gering, dass ein umfassender Gewässerausbau auf jeden Fall notwendig ist.“ Das Institut für Wasser und Gewässerentwicklung bescheinigt Dr. Andreas Hutarew, die Standorte der Hochwasserrückhaltemaßnahmen weitestgehend richtig gewählt zu haben. Die überrechneten notwendigen Rückhaltevolumina würden in vergleichbaren Größenordnungen liegen. „Nur im Bereich direkt oberhalb von Eberdingen reichen die bisher vorgesehenen Volumina zum Erreichen eines HQ50-Schutzes für Eberdingen wahrscheinlich nicht ganz aus“, heißt es im Brief an Oberbürgermeister Maisch. „Jeder Kubikmeter Rückhalt bei Eberdingen ist notwendig“ Das Landratsamt Ludwigsburg habe signalisiert, dass entgegen der bisherigen Vorstellung das zentrale Hochwasserrückhaltebecken (HRB) 4 (Eberdingen, Bauhof) „im Einklang mit den Notwendigkeiten für das oberhalb liegende Wasserschutzgebiet“ doch noch erweitert werden könnte. Es wird deshalb empfohlen, diese Option dringend in die planerische Umsetzung aufzunehmen, „da unabhängig aller weiteren Maßnahmen jeder Kubikmeter Rückhalt vor Eberdingen notwendig und sinnvoll ist sowie bei entsprechender Größenordnung gegebenenfalls sogar Rückhaltevolumen oberhalb von Riet sparen könnte“. Das IWG gibt für die unmittelbare Umsetzung des Hochwasserschutzkonzepts Strudelbach folgende Empfehlungen: Um die Abflussleistung an den Engestellen zu erhöhen, ist der Ausbau der Leistungsfähigkeit des Strudelbachs oberhalb der Kreuzbachmündung notwendig. Die Genehmigungsverfahren sollten sofort in Angriff genommen werden. „Die sich daraus ergebenden Randbedingungen – verbleibende Engstellen und deren Leistungsfähigkeiten – definieren die abschließende Optimierung der Beckenstandorte“, heißt es. Der Beckenstandort R4 (Eberdinger Bauhof) wird als ist zentrale Maßnahme für den Hochwasserschutz von Eberdingen und gesehen – mit einer überörtlich positiven Wirkung für Riet. Das Rückhaltevolumen an diesem Standort könne „nicht zu groß“ sein: „Es sollte daher mit dem maximal möglichen Volumen umgesetzt werden.“ Die Abflusssituation bei der Firma Krempel und im Rieter Tal (Firma Sika) kann nach Ansicht des IWG vermutlich wirtschaftlicher durch örtliche Schutzmaßnahmen gelöst werden. Die vom Büro Dr. Hutarew konzipierten Beckenstandorte R1 und R2 (zwischen Enzweihingen und Riet) wären dann nicht zwingend erforderlich und könnten überdacht werden, zumal die überörtliche Wirkung der Becken auf den Strudelbach unterhalb der Kreuzbachmündung nur sehr gering und nicht maßgeblich für den Hochwasserschutz von Enzweihingen seien. Es wird empfohlen, für diese Bereiche schnell die notwendigen Detailplanungen für einen Objektschutz durchzuführen. Gerd Maisch, der Vorsitzender des Zweckverbandes Strudelbachtal ist, will nach den Ferien in der Verbandsversammlung und in den betroffenen Ortschaften die konkreten Untersuchungsergebnisse vorstellen lassen. Der OB sieht die bisherigen Planungen voll bestätigt: „Die Vorwürfe, wir würden keinen angemessenen Hochwasserschutz betreiben, sind falsch.“ Und nebenbei meint er: „Ich will mir nicht vorstellen, was wir erlebt hätten, wenn vor wenigen Wochen das Unwetter, das über der Glems niederging, ein paar Kilometer weiter westlich gewütet hätte. Da wäre sicher deutlich geworden, was unter Hochwasserschutz zu verstehen ist. Das ist mehr, als ein Mäuerchen etwas zu erhöhen.“


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