Mittwoch, 23. Mai 2012

Zwischen Schafzucht und Landschaftspflege




Hans-Peter Schuhmachers Schafe pflegen Streuobstwiesen im Kirbachtal. Foto: Sattler
Hans-Peter Schuhmachers Schafe pflegen Streuobstwiesen im Kirbachtal. Foto: Sattler

Ochsenbach (sv). Hans-Peter Schuhmacher ist Logistikleiter. Zumindest an fünf Tagen in der Woche. Vor einem Vierteljahrhundert hat er seine Lammzucht mit zwei Schafen begonnen – heute sind es 100. Am Sonntag veranstaltet er einen „Tag des offenen Schafstalls“ auf seinem Hof.


Wenn Hans-Peter Schuhmacher die Streuobstwiesen zwischen Ochsenbach und Spielberg besucht, empfängt ihn meistens ein vertrauter Laut. Immerhin sind seine Suffolk-Schafe fast das gesamte Jahr lang mit der Pflege dieser Wiesen beschäftigt und machen sich beim Besuch des Hirten lautstark bemerkbar.


Etwa acht Hektar Streuobstwiesen rund um die Sachsenheimer Ortsteile werden von seinen Tieren gepflegt. Doch Schuhmacher gehört nicht die ganze Fläche. Vielerorts grasen seine Schafe auch auf Grundstücken, die der Stadt oder dem Land gehören. „Für mich stand bei der Schafzucht nie der große Gewinn im Vordergrund“, stellt der Nebenerwerbs-Schäfer klar. Viel mehr, sagt der Ochsenbacher, ginge es ihm um zwei Faktoren. Zum einen wolle er das Lammfleisch populärer machen, zum anderen liege ihm die Streuobstpflege am Herzen, die seine grasfressenden Tiere von Natur aus aktiv betreiben.

Mit der Schafhaltung begonnen hat Schuhmacher vor mehr als einem Vierteljahrhundert. Zwei Schafe waren es damals, die er „fast so im Garten“ hielt. Im landwirtschaftlichen Betrieb stand der Weinbau an erster Stelle. „Die Entwicklung zum heutigen Zustand hat sich dann Stufe für Stufe ergeben“, erinnert sich Schuhmacher. Die Anzahl der Schafe stieg – genauso wie der Dieselpreis. Keine steigende Entwicklung legte wiederum der Weinpreis hin. Kurzum: Für die Familie Schuhmacher wurde das Konzentrieren auf das Geschäft mit der Rebe immer weniger rentabel.
Im Gegensatz zum Geschäft mit den Lämmern. „Es gibt immer mehr freie Streuobstwiesen und der Konsum von Lammfleisch nimmt ebenfalls zu“, erläutert der Ochsenbacher. Die somit offenbar bessere Perspektive in der Schafzucht gab letztendlich den Ausschlag dafür, das landwirtschaftliche Auge der Familie stärker auf die blökenden Tiere zu werfen – ohne den Weinbau dabei völlig aufzugeben.


Was früher also einmal zwei Schafe waren, sind heute circa 100. Etwa 60 seiner Tiere sind Mutterschafe, außerdem hält Schuhmacher zwei Zuchtböcke. Klar, dass diese Menge nicht mehr im Garten untergebracht werden kann. Am Ortsrand von Ochsenbach steht der Stall, in dem neben den Lämmern noch Ziegen, Pferde, Gänse und Schäferhund Mohr wohnen.


Diese Vielfalt öffnet Schuhmacher am kommenden Sonntag für alle Besucher im Rahmen der zwei gleichnamigen Aktionen „Brunch auf dem Bauernhof“, eine unter der Schirmherrschaft des Landratsamtes Ludwigsburg, die andere unter der Leitung des Naturparks Stromberg-Heuchelberg. Ursprünglich war die Idee hinter diesen beiden Veranstaltungen, dass sich Interessierte direkt bei den landwirtschaftlichen Betrieben anmelden und für einen Pauschalbetrag von 10 bis 14 Uhr die Bewirtung genießen können. 150 Plätze waren von Schuhmacher eigentlich vorgesehen, mittlerweile zählt er 160 Anmeldungen.


„Wir haben schon gemerkt, dass eine große Resonanz da war. Immer, wenn irgendetwas über den Bauernhofbrunch in einer der Zeitungen im Umkreis kam, stand bei uns das Telefon nicht mehr still“, erinnert sich Karen Schuhmacher, Ehefrau des Schafzüchters. Erschrocken sind die Eheleute über diesen Ansturm nicht. „Wir haben von vornherein gesagt, dass es nicht wie ein größerer Geburtstag aussehen soll“, bemerkt Hans-Peter Schuhmacher.


Daher hat der Kirbachtaler kurzerhand zusätzlich einen „Tag des offenen Schafstalls“ ausgerufen. Konkret heißt das, dass neben angemeldeten Teilnehmern auch kurzentschlossene Besucher am Sonntag willkommen sind. Diese werden von 10 bis 18 Uhr à la carte bewirtet. Dazu haben sich die Schuhmachers ein breites Programm für alle Gäste ausgedacht. Eine Schafrassenausstellung gibt es für biologisch Interessierte, eine Hofführung für alle, die zum ersten Mal in Ochsenbach zu Gast sind und die jüngsten Besucher dürfen im Streichelzoo den auf dem Hof lebenden Tieren näher kommen.


Um für jeglichen Ansturm gewappnet zu sein, ist die Familie in jeder freien Minute mit den Vorbereitungen beschäftigt: „Wir machen seit zwei Wochen nichts anderes als Gelände und Tiere vorbereiten“, scherzt Hans-Peter Schuhmacher. „Und den normalen Betrieb muss man parallel auch noch aufrecht erhalten“, ergänzt seine Frau.


Als Unterstützung fürs Wochenende hat sich die Familie Manfred Gemrig, Wirt des Ochsenbacher Landgasthofs Stromberg, ins Boot geholt, der für den Bereich Bewirtung verantwortlich zeichnet. Die Produkte, die er verarbeitet, kommen fast ausschließlich vom Hof. Dass da Spezialitäten wie geschmorte Lammkeule, Lammragout oder Maultaschen vom Lamm nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst.


Die Vorbereitungen laufen also auf Hochtouren und in der neu errichteten Scheune, die eigens für das Großereignis herausgeputzt wurde, werden Schuhmacher und seine Gäste selbst bei Schafskälte garantiert nicht belämmert aussehen.




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