Sersheim (ub). Helga Dachtler lacht vom Beifahrersitz: „Erst kommen bei meinem Mann die Oldtimer, dann kommt eine Weile nichts, dann komme ich.“ Aber wenn Rolf Dachtler mit seinem MG Midget auf Tour geht, ist die Ehefrau meist dabei. Es macht eben beiden Spaß.
Gestern zeigte sich das Kornwestheimer Ehepaar mit dem blauen Roadster, Baujahr 1930, auf dem Oldtimertreffen des RCO Sersheim bei der Sport- und Kulturhalle. „Die Leute freuen sich, wenn wir kommen“, sagen die Dachtlers. Was nütze es, wenn man so einen Wagen in die Garage stelle, „den muss man einfach zeigen“. Große Ausfahrten sind allerdings mit dem MG nicht das pure Vergnügen. „Mit den Bandscheiben darf man nichts haben. Die Federung ist schon hart“, sagt Dachtler, der im „Normalbetrieb“ einen Seat fährt.
Mit dem kleinen Engländer, der sich seit 1962 im Familienbesitz der Dachtlers befindet, wurde beim Oldtimertreffen in Sersheim ein Blickpunkt gesetzt. Rund 60 Fahrzeuge präsentierten sich dem Publikum, dazu noch 20 Traktoren. Und die Fahrer können bei dieser Veranstaltung auch zeigen, was in den betagten Kisten steckt. Denn sowohl die Bulldogs als auch Motorräder und Personenwagen starteten zu Ausfahrten.
Neben dem Midget mit mickrigen 19 PS steht ein protziges Kaliber mit 325 Pferdestärken. Der Cadillac aus dem Jahr 1959 gehört Walter Fuchs aus Birkenfeld. Mit den 6,3 Litern Hubraum braucht dieser Oldtimer einen Tankwagen, damit immer genügend Kraftstoff in der Nähe ist. Der Ami-Schlitten hat sogar eine elektrische Antenne und natürlich die „heißeste Heckflosse aller Zeiten“.
Der Sersheimer Renn-Club Ochsenblut (der Name stammt vom Vereinsgründer und Adlerwirt Gustav Reichert, der damals eine Zündapp, „so rot wie Ochsenblut“ hatte) veranstaltet neben der Klassik-Geländefahrt (in diesem Jahr am 25. und 26. September) jedes Jahr die Oldtimerschau vor der Sport- und Kulturhalle. Aus dem Umkreis von 50 Kilometern kommen die Fahrer nach Sersheim, um ihre Fahrzeuge einem breiten Publikum zu zeigen.
Zu sehen sind dabei auch Raritäten wie die kleine Kreidler-Rennmaschine, eines der wenigen Exemplare mit 50 Kubik, die es noch gibt. Das Zweirad, das auch schon Rudi Kunz gefahren hat, wird derzeit von Rolf Klink aus Sersheim restauriert.
Aber auch Serienfahrzeuge vergangener Zeiten haben hier ihren Platz. Zum Beispiel der Autobianchi Abarth, der erste Kleinwagen, dessen Besitzer sich mit wenig Geld aktiv am Motorsport beteiligen konnten. Oder der Opel Olympia, das Pendant zum Volkswagen. Oder die Mercedes-Typen 114 und 123. „Das war früher die Reihenfolge: ein gescheiter Beruf, ein Haus und dann noch ein Mercedes“, erzählt RCO-Vorsitzender Karl-Heinz Büchle.
Wenige Meter entfernt parkt ein Ro 80. Büchle: „Ein Wagen, der Ende der 60er Jahre technisch um 15 Jahre seiner Zeit voraus war.“ Die strömungsgünstige Karosserie, der laufruhige Wankelmotor – und das Problem, dass eben dieser Zweischeiben-Wankelmotor desöfteren kaputt ging. So gab es unter den Ro 80-Fahrern vor 50 Jahren den typischen Gruß: ein Finger hoch, der erste Motor, zwei Finger hoch, der zweite Motor, drei Finger hoch, der dritte Motor. Meistens reckten die Fahrer damals drei Finger in die Höhe.
