Feiern sichern den Erhalt des Steinbachhofs
Gündelbach (rkü). „Wir haben zu viele Dächer“, fasst Ulrich Eißler das Grundproblem bei der Bewirtschaftung des Steinbachhofs zusammen. Die ehemalige Domäne bei Gündelbach besteht aus zehn Gebäuden – zu viele, um nur durch den Betrieb des Weinguts alle wirtschaftlich zu nutzen. Darum dient der abgelegene Hof künftig auch als Veranstaltungsort.
„Das Weingut ist bis heute recht erfolgreich“, erklären Nanna und Ulrich Eißler. „Aber um den Erhalt des Steinbachhofs auf Dauer zu sichern, ist noch eine zusätzliche Nutzung nötig.“ So überlegten die Betreiber hin und her. Vor 30 Jahren gab es kurzzeitig Pläne für einen Golfplatz. Jetzt wird der Hof zu einem Veranstaltungszentrum ausgebaut. Drei Gebäude, die im späten 18. Jahrhundert entstanden sind, werden modernisiert und umgebaut. Kleine Gesellschaften mit 20 Personen sollen dort ebenso ungestört feiern können wie Firmen, die ein ungewöhnliches Ambiente suchen. „300 Gäste sind für uns überhaupt kein Problem“, sagt Nanna Eißler. Im Zug der Bauarbeiten wurde sogar eine Dreikammer-Kläranlage installiert. Zuwasser, Abwasser, Heizung und Strom – weil das Gelände ohnehin aufgerissen werden musste, hat Familie Eißler gleich die komplette Infrastruktur auf den aktuellen Stand gebracht. Noch vor dem Winter soll auch ein 90-Kilowatt-Heizkessel seinen Betrieb aufnehmen, der mit Meterholz bestückt wird.
Die erste urkundliche Erwähnung des Steinbachhofs datiert aus dem Jahr 1178. „Früher waren hier bis zu 35 Personen beschäftigt“, sagt Ulrich Eißler. „Das ländliche Leben auf dem Hof war von Landwirtschaft, Tieren und Wagnerei geprägt.“ Das ist lange her. Familie Eißler hat im Jahr 2000 erstmals wieder Wein auf dem Hof an- und ausgebaut. Doch damit war nur ein kleiner Teil der Gebäude ausgelastet.
Darum erfolgt seit dem 3. Mai der Umbau, der Anfang November abgeschlossen sein soll. An der Außenhülle der Gebäude soll sich nicht viel ändern. Ein Teil des Steinbachhofs steht ohnehin unter Ensembleschutz. Das Innere der ehemals landwirtschaftlich genutzten Räume hat sich grundlegend verändert. Der alte Boden der Dreschhalle wurde einen Meter tief ausgekoffert. Der neue Boden enthält jetzt eine Fußbodenheizung. Um Veranstaltungen zu ermöglichen, wurden im Gebäudeinneren zahlreiche Toiletten eingebaut. Außerdem gibt es dort einen Catering-Bereich mit eigenem Kühlhaus. „Eine Küche ist hier nicht möglich“, erklären die Betreiber. Darum müssen Veranstalter grundsätzlich einen Catering-Betrieb mit der Verköstigung ihrer Gäste beauftragen.
Der Fruchtkasten ist momentan ohne festen Boden. Die Arbeiten sind dort in vollem Gang. Historische Elemente wie Balken, Natursteinwände und Fachwerk sollen erhalten bleiben und das rustikale Ambiente unterstreichen. Künftig werden die Gäste zwei Ebenen nutzen können. Allerdings soll es auf der oberen Ebene in der Mitte einen großen Freiraum geben, der interessante Durchblicke ermöglicht. Die Nutzung des Fruchtkastens sieht vor, dass dort der ständige Weinverkauf des Steinbachhofs untergebracht wird, private Veranstaltungen stattfinden und auch ein Kulturprogramm angeboten wird. Die ehemalige Wohnung und Werkstatt des Wagners wurde zum Gästehaus umgebaut, in dem zehn Schlafgäste Platz finden.
Zu der Art der geplanten Veranstaltungen sagt Nanna Eißler: „Dabei sind viele Hochzeiten und freie Trauungen, aber auch Feiern und Seminare von Firmen. Wo sonst kann man auf einem Weingut in Württemberg so feiern?“ Ulrich Eißler ergänzt: „Im Rheintal gibt es alle fünf Kilometer eine Burg oder ein Schloss, und viele davon kann man für solche Anlässe nutzen.“ Am 4. September findet ein erster Tag der offenen Tür statt.
