Vaihingen (ub). Die fünf Bewohner haben sich mittlerweile schon eingelebt. Am Samstag empfangen sie die Gäste mit einem freundlichen „Grüß Gott“. Das Quintett ist auch sichtlich stolz auf das neue Zuhause im Zentrum von Vaihingen.
Am Samstag wurde der Spitalhof 4, ein Projekt der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Vaihingen-Mühlacker, offiziell eingeweiht. Bei einem „Tag der offenen Tür“ konnte das Publikum das ambulant betreute Wohnen für Menschen mit Behinderung sowie die Räume für die „Offenen Hilfen“ in Augenschein nehmen. Für 750 000 Euro wurde in dem denkmalgeschützten Gebäude eine helle und moderne Atmosphäre geschaffen. Allein 1300 Arbeitsstunden wurden ehrenamtlich geleistet.
„Das ist ein gutes Zeichen ihn unserer Stadt, dass über das Ehrenamt nicht nur geredet wird“, freute sich der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch. Auch Lebenshilfe-Geschäftsführerin Sandra Sailer und Lebenshilfe-Vorsitzender Fridolin Bernhart unterstrichen die Eigenleistung bei der Sanierung. Besonders gelobt wurde Reinhard Lämmle, zweiter Vorsitzender der Lebenshilfe, der als Kapo den Bauhelfertrupp anführte.
Nach dem Auszug der Sozialstation bot sich für die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker die Chance, das Gebäude aus dem Jahr 1795 von der Stadt zu erwerben. „Die Verwaltung und die kommunalen Gremien haben unserem Kaufpreis-Diktat zugestimmt, sonst hätten wir das Projekt nicht realisieren können“, sagte Bernhart am Samstag. Oberbürgermeister Maisch: „Wir waren von der Idee begeistert, hier im Zentrum von Vaihingen eine neue Wohnform anbieten zu können. Dieses Ziel stand über einem möglich zu erzielenden Verkaufspreis.“
Im Raum Mühlacker hat die Lebenshilfe das Angebot für ambulant betreutes Wohnen bereits seit geraumer Zeit umgesetzt. Durch den Erwerb und Umbau des Gebäudes Spitalhof 4 in der Auricher Straße kann dieses Konzept nun auch in Vaihingen angeboten werden. Fünf der sieben Plätze sind bereits belegt.
Im Beisein von Ferdinand Lautenbacher, Sozialdezernent des Landkreises Ludwigsburg, skizzierte Architekt Eberhard Lämmle den Rückbau des zweigeschossigen Putzbaus in ein Gebäude, so wie es seinem Ursprung entsprach. Die Außenhülle erinnert weiter an die spätbarocke Anfangszeit, gusseiserne Stützen tragen den Dachstuhl. Lämmle: „Wir haben mit schlichten und sachlichen Mitteln versucht, das Gebäude zu ergänzen.“ Einen Schlüssel brauchte der Architekt am Samstag nicht mehr zu übergeben, da der Spitalhof 4 bereits seit einigen Wochen bezogen ist. Doch auf einer Tafel angebracht überreichte Lämmle die „Überbleibsel“ des alten Gebäudes: von vielen Tritten gekennzeichnete Stufen und geschnitzte Holzelemente, die an die sieben Bewohner erinnern sollen.
Und für diese gab es bei dieser Gelegenheit von einer Spenderin Brot und Salz zum Einzug. Offiziellen Dank gab es auch an die Geldspender, die das Spitalhof-Projekt unterstützten. Immerhin sind bis jetzt 84 000 Euro auf dem Konto eingegangen. Auch der Erlös des Lebenshilfe-Spendenlaufs soll in diesem Jahr noch einmal für das „Jubiläumsprojekt auf historischem Boden“ (im Jahr des 40-jährigen Bestehens der Lebenshilfe im Jahr 2008 startete der Umbau) verwendet werden.
Lebenshilfe-Geschäftsführerin Sailer formulierte am Samstag ein dickes Dankeschön. D für Dauerlärm, A für Anerkennung und Ansporn, N für Normalität, K für Kontakt und E für Eigenleistung. Musikalisch umrahmt wurde die Einweihung bei Regen von der Jugendkapelle des Musikvereins Vaihingen. Die Leitung hatte Frank Hönekop – sein Bruder Christian ist einer der neuen Bewohner im Spitalhof. Einer, der stolz sein neues Domizil zeigte.
