Vaihingen (sv). Glaubt man dem Deutschen Wetterdienst, ging in Vaihingen die Sonne gestern um 5.40 Uhr auf. Nur 20 Minuten später standen Mitarbeiter des städtischen Bauhofs schon auf dem Marktplatz, um eine reibungslose Fertigstellung des diesjährigen Strandlebens zu gewährleisten.
Werner Dürr ist der erste Sandler. Mit einer Schaufel, um deren Größe ihn fast jedes Kind beneiden würde, rückt er den ersten feinen Körnern bereits am frühen Morgen zu Leibe. Mit von der Partie ist sein Kollege Otto Stengel. Und der ist offensichtlich nicht bereit, halbe Sachen zu machen. Er hat zwar auch eine Schaufel – die übersteigt die Größe von Dürrs Arbeitsgerät aber um ein Vielfaches. Kein Wunder: Immerhin wird seine Schaufel auch von einem Traktor geschoben.
„Wir haben in diesem Jahr insgesamt 200 Tonnen Sand geordert“, rechnet Jochen Boger, Amtsleiter des Amts für Technische Dienste, vor. Zum Vergleich: Ein ausgewachsener Blauwal bringt ebenfalls diese Masse auf die Waage.
Auf den Marktplatz gebracht wird dieser – um bei der tierischen Umrechnung zu bleiben – Blauwal von zwei Lkw der Firma Zimmermann. Hinter dem Steuer eines dieser beiden Fahrzeuge sitzt Holger Merkle. Er weiß genau, wie viel Masse der Auflieger seines Lkws fasst: „15 Tonnen kann ich mit einer Tour herschaffen.“ Auch mit dem Gut, das er hin- und herkutschiert, kennt er sich aus. „Das ist Rheinsand null-zwo“, entfährt es dem Kraftfahrer. Natürlich gibt es für diesen Expertencode auch eine für Laien verständliche Erläuterung. „Das ist Sand mit einer Körnung von null bis zwei Millimetern, also eine relativ feine Sorte“, beweist Merkle seine Fachkenntnis. Kaum ist sein Auflieger geleert, braust er schon wieder in Richtung Steinbruch davon und überlässt den Bauhofsangestellten die Arbeit.
Stengel startet den Traktor und fährt mit ihm über das, was in wenigen Stunden der Vaihinger Sandstrand werden soll – momentan aber noch eher nach Dünenlandschaft aussieht. „Er probiert jetzt, den Sand eben zu machen. Wir können den ja nicht so liegenlassen, wie ihn der Lkw-Fahrer hinkippt“, erklärt Dürr. Zuvor hat er schon selbst Hand angelegt. Seit 6 Uhr morgens, sagt der Bauhofsmitarbeiter, sei er am Marktplatz. Zunächst mit zwei weiteren Kollegen, um die hölzerne Umrandung anzubringen, die wie auch im vergangenen Jahr Begrenzung und zugleich Sitzgelegenheit sein wird. Kurz vor 9 Uhr kam die erste Ladung Sand – zu diesem Zeitpunkt war auch schon Traktorfahrer Stengel am Marktplatz eingetroffen.
Apropos Umrandung: Auch dieses Mal erstreckt sich die Sandfläche ungefähr bis zum Marktplatzbrunnen. „Den Wochenmarkt müssen wir ja auch noch unterbringen“, gibt Wilfried Gutjahr vom Ordnungsamt Antwort auf die Frage, wieso diese Beschränkung nötig ist. Außerdem befinden sich hinter dem Brunnen auch die Außenbereiche der Bäckerei Kull und des Kebabhauses Artos. Den beiden Betrieben sagt Gutjahr gute Geschäfte voraus: „Die machen mit Eltern, Omas und Opas sicherlich einen ansehnlichen Umsatz.“
Während sich die ältere Generation also bei hoffentlich schönem Wetter stärkt, buddelt die jüngere im großen Sandkasten. Die Schaufeln der Kinder dürften dann aber kleiner sein als diejenigen, mit denen Werner Dürr gestern den Sand in Form gebracht hat. Einen Grund neidisch auf ihn zu sein, gibt es aber nicht.
Dürr hat nämlich der VKZ verraten, dass er nach den Aufbauarbeiten immer etwas sandkastenverdrossen sei: „Ich war in den vergangenen Jahren nie da. Nur wenn ich einmal ein Enkele haben sollte, komme ich vielleicht einmal zum Sandeln vorbei.“
