Vaihingen (elf). Die Sonne brennt seit Wochen vom Himmel, die Quecksilbermarke übersteigt regelmäßig die 30-Grad-Grenze: Kein Wunder, dass bei dieser hochsommerlicher Witterung der Kreislauf schlappmacht. Betroffen sind nicht nur Ältere und Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Problemen.
Vor allem junge Leute waren es, die Allgemeinmedizinerin Katreen-Christiane Hein-Sauer im Vaihinger Ärztehaus Vaisana in letzter Zeit aufsuchten. Sie klagten über Kopfschmerzen, Erbrechen und Kreislaufproblemen – typische Anzeichen für einen Sonnenstich. Den haben sie sich aufgrund von zu viel Sonnengenuss und zu wenig Flüssigkeitsaufnahme eingehandelt. „Durch das Schwitzen verliert man bei dieser Hitze viel Flüssigkeit“, sagt die Ärztin. Daher sei es wichtig, täglich drei Liter Wasser oder ungesüßten Tee - allerdings keinen Schwarztee - zu sich zu nehmen.
Verstärkte Probleme mit der Hitze hätten auch Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder chronische Bronchitis. Dies liege am hohen Ozongehalt in der Luft, was bei diesen Menschen Atemnot hervorrufe. Schwierigkeiten haben laut Katreen-Christiane Hein-Sauer auch Patienten mit koronaren Durchblutungsstörungen, weil bei dieser Hitze die Versorgung des Blutes mit Sauerstoff schlechter sei. Sie rät diesen Personen, bei dieser Hitze am besten zu Hause zu bleiben und sich höchstens in den frühen Morgenstunden ins Freie zu begeben. Obligatorisch seien eine Kopfbedeckung, Sonnenschutz, leichte Bekleidung und viel Flüssigkeitszufuhr. Die Getränke sollten nach Möglichkeit nicht kalt, sondern in Zimmertemperatur zu sich genommen werden. Der Grund: Gelangt kalte Flüssigkeit in den Magen, erweitern sich dort die Blutgefäße mit der Folge, dass vermehrt Blut zum Magen fließt. Das kann Kreislaufprobleme verursachen.
Auch Arnim Bauer, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim DRK Kreisverband Ludwigsburg, berichtet davon, dass es vermehrt junge Menschen sind, die ärztliche Unterstützung bei Gesundheitsproblemen aufgrund der Hitze benötigen. „Ältere Menschen stellen sich immer mehr auf die hohen Temperaturen ein und befolgen die bekannten Ratschläge“, sagt Bauer. Waren die hitzebedingten Einsätze in den vergangenen Wochen Mangelware, haben sie laut Arnim Bauer Ende vergangener und Anfang dieser Woche deutlich zugenommen. Vor allem Kreislaufprobleme sind es, die den Notfallpatienten zu schaffen machen. „Die Leute fallen um, weil ihr Blutdruck absinkt“, weiß Bauer. Sind die Patienten erst mal stabilisiert, geht es ihnen auch schnell wieder besser. Sie werden dann zur ärztlichen Kontrolle gebracht, der Anteil einer stationären Aufnahme sei indes eher gering.
Auch die Senioren im Pflegeheim Karl-Gerok-Stift in Vaihingen leiden unter der Hitze, sagt Katja Rohloff, Leiterin des Bereichs Soziale Betreuung. Sie dehydrieren schneller und haben vermehrt mit Kreislaufproblemen zu tun. „Wir achten darauf, dass alles schattiert wird und halten die Bewohner vermehrt an, zu trinken“, so Katja Rohloff. Auch Veranstaltungen im Freien würden nach innen verlagert oder gleich in den frühen Herbst verschoben. Überhaupt seien die Aktivitäten der Senioren bei der Hitze sehr eingeschränkt. Die Mitarbeiter des Pflegeheims bekommen übrigens täglich die amtlichen Hitzewarnungen der Medizin-Meteorologie des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg ausgehändigt, um reagieren und die Heimbewohner entsprechend betreuen zu können.
