Vaihingen (sr). Die Hitze schlaucht zurzeit nicht nur Mensch und Tier, sondern auch die Pflanzen. Hatten die Landwirte noch vor wenigen Wochen auf eine gute Ernte gehofft, schwindet diese Freude momentan täglich. Gemüsegärtner betreiben Schadensbegrenzung.
An gelben Staubfahnen, die sich in die Luft schrauben, konnten sie in den letzten Tagen geortet werden: Mähdrescher, die über die trockenen Äcker fahren. Die Wintergerste wurde bei normaler Abreife geerntet. Kniffliger wird die Sache jetzt mit der Sommergerste, Grundlage für das Braumalz, und dem Winterweizen.
Für diese Getreidearten sei die Hitze schlecht gewesen, sagt Eberhard Zucker. Der Vaihinger Landwirt und Vorsitzende des Bauernverbands Heilbronn/Ludwigsburg ist nicht angetan von der aktuellen Kraft der Sonne. „Das Wurzelwerk konnte sich nicht so gut ausbilden“, erklärt Zucker, „da bleiben die Körner kleiner, obwohl der Halm noch grün ist.“ Täglich werde somit die Ernteprognose schlechter. Fast drei Wochen früher als erwartet wird vermutlich Ende dieser Woche mit der Ernte des Winterweizens begonnen. Zucker: „Ertraglich werden sicherlich einige Doppelzentner pro Hektar fehlen.“ Allerdings sei die Hitze europaweit zu beklagen, weshalb aller Voraussicht nach die Preise anziehen werden.
Auch der Winterraps, aus dem verschiedene Öle und Biodiesel hergestellt werden, wird in dieser Woche noch abgeerntet werden. Der Mais und die Zuckerrüben stehen relativ gut da, zumindest dort, wo es am 4. Juli geregnet hatte. In Richtung Stromberg war es trocken geblieben und dort leiden die Pflanzen noch mehr.
Zwischen saftig grünen Blättern ihrer Zuckerrübenpflanzen bahnten sich gestern Vormittag Gerhard und Frank Wilhelm ihren Weg. Mit der Hacke pflegen die beiden Vaihinger Landwirte ihren Acker, nach dem Motto: „Nur so viel Pflanzenschutz wie nötig, der Rest wird mit der Handhacke nachkorrigiert.“ Vater und Sohn befinden sich unter der glühenden Sonne beispielsweise im Kampf mit den Schosserrüben. Durch das kalte Frühjahr werde die Bildung der Samenstände angeregt, erklärt Frank Wilhelm, was nicht erwünscht ist. Sonst sei der Acker in den nächsten Jahren mit verwilderten Rüben überwuchert. Die beiden quälen sich nicht allzu lange zwischen den Rübenreihen. Denn am Nachmittag ruft die vollklimatisierte Kabine des Mähdreschers. Schon seit 40 Jahren erntet Wilhelm Senior als Lohndrescher für viele Landwirte in und um Vaihingen das Getreide von den Äckern.
Beim Gemüsegärtner löst das derzeitige Wetter ebenfalls keine Jubelstürme aus. Frank Dürrschnabel, mit Frau Katharina Pächter der Gärtnerei Willmann in Kleinglattbach, leistet bei seinen Demeter-Pflanzen Schadensbegrenzung. Von Mitte März bis Anfang September wird jede Woche gepflanzt und gesät, damit täglich frische Ware geerntet werden kann. In der Freilandkultur sei gerade die ganze Bandbreite zur Ernte bereit: Verschiedene Salate, Brokkoli, Radieschen, Rettich, Lauch, Fenchel und so weiter und so fort.
Der kalte und nasse Mai sowie der heiße und trockene Juni und Juli „schlaucht die Pflanzen ebenso, wie das Wetter die Menschen schlaucht“, sagt Dürrschnabel. Bei den Temperaturen wachse keine Pflanzen übermäßig gut.
Durch zusätzliche Bewässerung versucht der Demeter-Gärtner den Schaden an Gemüse und Salat zu begrenzen. Seit dem Supersommer 2003 seien allerdings die eigenen Brunnen, die in bis zu 30 Meter Tiefe liegen, nur noch bedingt nutzbar. Am liebsten würde Dürrschnabel ein sanftes Regenband über seine Äcker hinwegziehen sehen. Denn bei dieser Witterung sind täglich drei bis vier Leute nur mit der Wässerung beschäftigt. Eine große Gefahr droht den Gärtnern nun durch starke Gewitter und Hagel. Hauptabnehmer der Kleinglattbacher Demeter-Gärtner ist das Vaihinger Handelskontor Willmann, das unter anderem den Einzelhandel beliefert. Mit einem Abosystem erhält der Kunde in der näheren Umgebung die Ware der Gärtnerei frei Haus.
Ganz eklig arbeitet es sich momentan in den Gewächshäusern, in denen 50 bis 60 Grad Celsius herrschen können. Gut hatte es dagegen gestern Vormittag Chefin Katharina Dürrschnabel, die samt Lauch intensiven Wasserkontakt hatte.
