Enzweihingen (aa). Der Bahnhofsplatz in Enzweihingen hat seinen Namen nur noch aus der Historie heraus. Züge laufen am Bahnhof schon seit vielen Jahren nicht mehr ein. Inzwischen ist das Gelände von den Oldtimerfreunden e. V. für ihre Ausstellungen entdeckt worden. Zum dritten Mal hatte man eingeladen. Arthur Reich aus Ensingen hat viel zu erzählen. Er ist mit einem Monster von Lkw nach Enzweihingen gekommen. Sein nahezu 400 PS starkes Gefährt lief früher als Kipper bei der Bundeswehr. Auch Versionen mit Raketenwerfern habe es gegeben, berichtet er. Reich hat den Dreiachser, Baujahr 1980, so umgebaut, dass er damit auf weite Reisen gehen kann. Die Kabine auf dem Truck erinnert an einen Wohnwagen. Am liebsten kurvt Reich damit in den afrikanischen Wüsten umher. Für Rallyes hat er wiederholt schon Begleitfahrzeuge gestellt. Über den Spritverbrauch denkt er da nicht groß nach: 45 Liter Diesel schluckt das Monsterfahrzeug. „Aber in Libyen kostet der Liter auch nur acht Cent“, weiß er. Bernd Hackl fungiert als Einweiser im Oldtimer-Mekka. Der Fuhrunternehmer hat den Bahnhofplatz gepachtet und ist als Mitglied (Jugendwart) der Oldtimerfreunde natürlich voll im Einsatz. Um die Mittagszeit kann er sich schon über rund 100 Fahrzeuge auf dem Platz freuen. „Wir werden sicher wieder die Marke vom vergangenen Jahr, als 140 Oldtimerbesitzer hier waren, erreichen“, ist er zuversichtlich. Die Enzweihinger Oldtimervorstellung ist eine sehr locker gehandhabte Veranstaltung. Grundvoraussetzung, um ein Fahrzeug auszustellen zu dürfen, ist, dass es mindestens 30 Jahre auf dem Buckel haben muss. Die Gäste müssen für die Ausstellung nichts bezahlen, bekommen sogar noch einen Verzehrgutschein, wenn sie sich angemeldet haben. Es gibt keine Kategorien: willkommen sind Schlepper und Lastwagen, Pkw und Motorräder. Nur die Platzkapazität setzt Grenzen. Diesmal ist man auch „hinter“ das Bahnhofsgebäude ausgewichen, um nicht auf die Gleise zu müssen. Obwohl die Ausstellung eigentlich erst um 11 Uhr beginnt, tuckern schon eine Stunde vorher die ersten Schlepper auf den Platz. Es geht ein klein wenig auch um einen guten Standplatz. Auch Martin Gutjahr aus Ensingen hat seine NSU-Freunde wieder mobilisiert. „Bei dem tollen Wetter einen Ausflug machen, das ist doch prima“, freut er sich bei einem Bier. Wie die Heuschrecken sind die Herrschaften in Enzweihingen eingefallen. Und ihre „Öfen“ stehen exakt aufgereiht nebeneinander. Ansonsten ist es eine bunte Mischung: Eine Harley vom Baujahr 1942 neben einem Heinkel-Roller von 1942, ein Ford 20 M neben einem VW 424, ein Käfer vom Baujahr 1959 neben einem Porsche 928, Baujahr 1979. Alles ist möglich. Da wird die Motorhaube aufgeklappt und der Kofferraum geöffnet. Man will sehen lassen, was man für Schätze hat. Auch Reinhold Bäuerle, Vorsitzender des rund 60 Mitglieder zählenden Vereins, ist zufrieden. „Aussteller kommen, Besucher werden angezogen, die Bewirtung in der ehemaligen Bushalle läuft gut. Was will man mehr?“
