Mittwoch, 23. Mai 2012

Wann gibt es Hitzefrei?




Hitzefrei ist oft nicht drin. Foto: Arning
Hitzefrei ist oft nicht drin. Foto: Arning

Vaihingen (sv). Wenn im Matheunterricht derzeit über 30 oder gar 33 Grad geredet wird, ist meist kein spitzer Winkel, sondern die Anzeige des Thermometers gemeint. Ob dank hoher Temperaturen Unterricht ausfällt oder nicht, liegt mittlerweile alleine in der Hand der Schule.
 Freibad, Sonnenschein und Erdbeereis. Für viele Kinder und Jugendliche gehören diese Dinge zum Sommer dazu wie der Senf zur Wurst. Oftmals steht der Schulunterricht an heißen Julitagen dem Sommergenuss allerdings im Wege. Gab es früher noch Erlasse, die den Schulen ab gewissen Temperaturen das Hitzefrei verordneten, müssen die Bildungsstätten mittlerweile selbst entscheiden, ob der Unterricht aufgrund des Wetters ausfällt oder nicht – ein denkbares Szenario für die kommenden Tage. Immerhin soll das Quecksilber auf bis zu 33 Grad klettern.
Hans-Günter Peisch, Schulleiter des Stromberg-Gymnasiums, kann seinen Schülern dennoch nicht viel Hoffnung auf schulfreie Stunden machen. „Zunächst einmal müssen wir den Eltern garantieren, dass der Unterricht von der zweiten bis zur fünften Stunde sichergestellt ist“, erläutert der Rektor.
Viele Eltern bemängeln den
zusätzlichen Unterrichtsausfall,
den das Hitzefrei verursacht
Aber auch der Nachmittagsunterricht könne nicht ohne weiteres abgesagt werden. Peisch: „Durch Fortbildungen und dienstliche Veranstaltungen haben wir immer wieder Unterrichtsausfall. So sind momentan sechs Lehrer mit den Siebtklässlern im Schullandheim im Schwarzwald.“ Weitere Freistunden durch die Erteilung von Hitzefrei sind für Peisch daher nicht verantwortbar. „Sonst stehen hier die Eltern Schlange“, befürchtet der Schulleiter.
Auch am anderen Vaihinger Gymnasium ist wetterbedingter Stundenausfall die absolute Ausnahme. Rainer Geppert, stellvertretender Schulleiter des Friedrich-Abel-Gymnasiums (FAG), sieht die Schwierigkeiten schon alleine in der Definition von Hitze. „Das ist dann doch problematisch. Neben der Temperatur spielen da auch Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit und das persönliche Empfinden eine Rolle“, sagt der Konrektor. Mit Hitzefrei sei man daher sehr zurückhaltend. Dennoch versucht man am FAG, den warmen Temperaturen zu trotzen. „Wenn durch Ausfälle im Kollegium Löcher im Stundenplan entstehen, versuchen wir, den Nachmittagsunterricht nach vorne zu holen“, erklärt Geppert. Aufgrund der komplizierten Arithmetik der Pläne sei aber auch das nur in beschränktem Maße möglich.
An der Ottmar-Mergenthaler-Realschule (OMRS) in Kleinglattbach wird beim Thema Hitzefrei großzügiger verfahren. Rektor Paul Rodach sagt: „Wenn die Hitze sehr groß ist, lassen wir den Nachmittagsunterricht schon mal ausfallen.“ Einen konkreten Temperaturwert, ab wann der Nachmittagsunterricht an der OMRS nicht stattfindet, gibt es allerdings nicht. Rodach begründet den Ausfall der Mittagsschule mit praktischen Gesichtspunkten: „Bei uns findet nachmittags vor allem Sport- und Fachunterricht statt. Da gerade die Kleinglattbacher Halle nicht benutzbar ist und es in den Fachräumen auch schnell sehr warm wird, ist es bei großer Hitze schwierig, die Stunden stattfinden zu lassen.“
Die Grund- und Hauptschule Eberdingen setzt an ihren beiden Standorten in Nussdorf und Hochdorf auf jeweils unterschiedliche Lösungen. In Nussdorf, wo nur eine Grundschule betrieben wird, hat die Gesamtleherkonferenz beschlossen, dass kein Hitzefrei verhängt wird. Die Gründe hierfür kennt Konrektorin Waltraud Geiger: „Als verlässliche Grundschule müssen wir die Betreuung der Kinder sicherstellen.“ Am Standort Hochdorf ist das prinzipiell auch der Fall. Da dort allerdings noch die Hauptschule untergebracht ist, gibt es für die Hochdorfer Grundschüler eine Sonderregelung. „Wenn die Hauptschüler Hitzefrei bekommen, sollen die Jüngeren ja auch nicht sehnsüchtig zuschauen“, sagt Geiger. Wenn die Eltern eine entsprechende Erklärung unterschrieben haben, darf das Kind entlassen werden – falls nicht, wird es weiterhin betreut. Viele Stunden fallen der Wärme allerdings auch in Hochdorf nicht zum Opfer. „Da müssen in den Klassenzimmern schon saunaartige Zustände herrschen“, stellt Geiger klar.
„Uns steht momentan keine Halle zur Verfügung. Bei großer Hitze ist Sportunterricht im Freien schwierig“
Paul Rodach, Schulleiter
der Ottmar-Mergenthaler-Realschule
Nach Hause dürfen die Schüler der Sersheimer Hofäckerschule selbst dann nicht. „Wir erteilen prinzipiell kein Hitzefrei, da wir das Konzept einer Ganztagesschule verfolgen und viel Wert auf Verlässlichkeit legen“, erläutert Konrektor Kurt Willaredt.
Bis 14 Uhr, beschreibt er, fände an der Grund- und Hauptschule in der Mettertalgemeinde die generelle Betreuung statt, im Anschluss gäbe es Mittagsunterricht oder weitere Betreuungsangebote. Im Klassenzimmer schwitzen müssen die Sersheimer Kinder und Jugendlichen trotzdem nicht. „Natürlich wird von unserer Seite aus auf die Hitze reagiert. Die Lehrer haben die Möglichkeit, draußen zu unterrichten. Wir haben ein Atrium, das genutzt werden kann, und viele schattige Plätzchen rund ums Schulhaus“, sagt Willaredt.
Garantiert kein Hitzefrei gab es gestern an der Illinger Schule. Dort finden derzeit nämlich mündliche Prüfungen statt, die auch dafür sorgten, dass Schulleiter Andreas Petermann keine Zeit für ein ausführliches Gespräch hatte.
Nicht alle Schüler in und um Vaihingen dürfen sich also auf wärmebedingte Freistunden freuen. Sei’s drum: Manchmal sind Freibad, Sonnenschein und Erdbeereis nach der Schule ein umso größerer Genuss.




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