Mittwoch, 23. Mai 2012

Fast alle Radler haben einen Helm auf




Ist mit dem Fahrrad alles in Ordnung? Die Vaihinger Polizei kontrollierte am FAG. Foto: Küppers
Ist mit dem Fahrrad alles in Ordnung? Die Vaihinger Polizei kontrollierte am FAG. Foto: Küppers

Vaihingen (rkü). „Hallo, junger Mann! Ist das dein Fahrrad? Und, ist alles in Ordnung?“ So mancher Schüler hat gestern früh etwas verdutzt geschaut, als er auf dem Fahrradparkplatz am Vaihinger Friedrich-Abel-Gymnasium von der Polizei begrüßt wurde. Dort fand eine Kontrolle statt. Damit soll die Sicherheit auf dem Schulweg erhöht werden.

In unregelmäßigen Abständen ist die Polizei an größeren Schulen vor Ort, um Radfahrer und ihre Fahrräder zu kontrollieren. Gestern, am Friedrich-Abel-Gymnasium, gab es nur wenige ganz gravierende Mängel. Ein Umstand fiel den vier Beamten des Polizeireviers Vaihingen besonders positiv auf: Fast alle Schüler hatten einen Fahrradhelm auf dem Kopf.

Kurz nach sieben, als schon vereinzelt Schüler auf dem Weg zur ersten Unterrichtsstunde eintrafen, begann die Aktion. Anfangs konnten die Beamten noch jeden einzelnen Radler begrüßen und das Fahrrad in Augenschein nehmen. Später war der Ansturm auf den Fahrradparkplatz so groß, dass nur noch jeder dritte, vierte Schüler an die Reihe kam. Mit der Begrüßung stellten die Polizisten meist direkt die Frage: „Tut an deinem Fahrrad alles? Alles ok?“ Fast jeder Schüler wusste über den Zustand seines Drahtesels ganz gut Bescheid. Tobias aus der neunten Klasse hatte offensichtlich ein schlechtes Gewissen: „Öhm, weiß nicht, vielleicht ist da was mit dem Rücklicht ...“ Es blieb bei einer Ermahnung: „Also, reparier dein Licht, dir passiert nichts.“

Immer wieder wurden gestern Dynamos getestet, die nicht mehr ganz zuverlässig aussahen. Meist taten sie aber noch ihren Dienst. Ohnehin hatten viele Schüler sehr moderne Fahrräder. Manche standen gestern auch direkt vor einer Neuanschaffung – zumindest erklärten sie das den Beamten. „Heute Mittag kann ich mein neues abholen, und dann wird das alte hier in Zahlung genommen.“ Auch Dominik aus Klasse neun sagte: „Ich wollte mir sowieso ein neues Fahrrad kaufen.“ Zuvor hatten ihn die Polizeibeamten darauf hingewiesen, dass an seinem alten zumindest in einer Weise Handlungsbedarf besteht: „Der Reifen ist so abgefahren, das ist natürlich grenzwertig. Siehst du das genauso?“

Wolfgang Hagel und seine drei Kollegen Jörg Brenk, Hans-Jörg Zöllner und Michael Münchow suchten den Dialog mit den Schülern. Jeder durfte erst einmal selbst erklären, ob ihm an seinem Fahrrad schon irgendwelche Macken aufgefallen sind. Bei der Belehrung setzten die Polizisten darauf, bei den Schülern Einsicht zu wecken. „Du hast doch gesagt, du hast daheim einen Fahrradhelm – warum ziehst du ihn dann nicht auf? Auch wenn es heiß ist, kann genauso schnell ein schlimmer Unfall passieren. Da musst du nicht einmal selbst schuld sein.“ Bei glatten Reifen, deren Profil in guten Zeiten für das schwierigste Gelände getaugt hatte, gaben die Polizisten ebenfalls lieber Denkanstöße als den mahnenden Finger zu erheben: „Bei trockenem Wetter ist das nicht so schlimm, aber wenn es regnet, wird es ganz schnell rutschig.“

Die meisten Mängel zeigten sich an Reifen, Beleuchtung und Bremsen. Fiel den Polizisten etwas auf, was dringend reparaturbedürftig war, dann schrieben sie einen Mängelbericht. Der ist zwar nicht mit einem Verwarnungsgeld verbunden, fordert aber zur umgehenden Beseitigung der Mängel auf und muss anschließend mit Unterschrift der Eltern ans Polizeirevier oder an die Schule geschickt werden. Jonas bekam eines der 20 Formblätter mit nach Hause, die gestern früh ausgefüllt werden mussten. Bei ihm funktionierte zwar der Dynamo, „aber ein Rücklicht wäre auch ganz gut“, belehrte ihn die Polizei.

Nicht bei jedem Mangel reichte es den vier Beamten zum Ausfüllen des Mängelberichts. Denn der größte Ansturm auf die Fahrradparkplätze kam kurz vor Beginn der ersten Stunde. In letzter Minute wurde noch einmal ein völlig abgefahrener Reifen entdeckt. „Ich schreib grad noch geschwind – hast du so viel Zeit? Ansonsten sag deinem Lehrer, du wärst von der Polizei aufgehalten worden.“ Zumindest Schulleiter Hans-Joachim Sinnl hätte volles Verständnis gehabt. Er schaute kurz bei der Aktion vorbei, sagte angesichts der vier Uniformierten: „So sicher war’s hier noch nie“, und verschwand in der Schule.




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