Vaihingen (elf). Deutschland im Halbfinale der Fußball-WM in Südafrika, hervorragende Wetterbedingungen in den nächsten Tagen und ab sofort nur noch Abendspiele – das stürzt auch Michael Eisinger in einen Freudentaumel: Der Veranstalter des Public-Viewings auf dem Vaihinger Marktplatz installiert jetzt eine zweite Leinwand für schärferen WM-Genuss.
„Ich bin offenbar vom Glück verfolgt“, freut sich Michael Eisinger von Media World, der das Public-Viewing organisiert. Bei nicht einem Spiel habe es geregnet, und der Wetterbericht für die folgenden Tage verkündet weiterhin hochsommerliche Temperaturen. Das lässt ihn hoffen, dass auch während der letzten vier Spiele das Interesse des Vaihinger Fußballpublikums da ist.
Wenn da nicht das Problem mit der LED-Wand auf dem Sattelzughänger wäre. Während vor allem kleinere Zuschauer beklagen, dass das Paneel zu tief hängt, ist es den anspruchsvolleren zu pixelig. Damit allerdings niemandem der Blick getrübt wird, hat Eisinger reagiert und eine zweite, drei Mal 2,4 Meter große Leinwand geordert. Auf ihr werden die Spiele vom Büro des Oberbürgermeisters Gerd Maisch heraus per Beamer und Rückprojektion übertragen. Dadurch ist ein deutlich besseres Bild garantiert. Außerdem kommen dann auch die Zuschauer auf ihre Kosten, die kleiner als der Durchschnitt sind, denn die Unterkante der Leinwand wird auf fünf Metern Höhe sein. Für Eisinger bedeutet dies nochmal eine Investition in Höhe von 3000 bis 4000 Euro, doch ein finanzielles Debakel hat er deswegen nicht zu erwarten. Mit Erreichen des Viertelfinales durch die deutsche Mannschaft stelle das Public-Viewing für ihn kein Drauflegegeschäft mehr dar. „Wir wollen unser Bestes geben, um für alle ein akzeptables Public-Viewing zu gestalten.“
Stellt sich die Frage, warum es Eisinger nicht von Anfang an mit Beamer und Leinwand versucht hat. „Bei den Nachmittagsspielen hätte es aufgrund des Sonnenlichts keinen Wert gehabt“, so Eisinger. „Das Bild wäre zu blass gewesen.“ Da die restlichen vier Spiele allesamt um 20.30 Uhr stattfinden und Deutschland definitiv noch zwei Spiele bestreitet, lohne sich der Aufwand.
Der ist beträchtlich. Für die zweite Leinwand muss der städtische Bauhof kurzfristig die Bühne vor dem Rathaus abbauen, der Gerüstbauer muss dafür sorgen, dass die Leinwand montiert werden kann, der Fernsehtechniker muss das Bild herzaubern und eine Beschallung muss auch her – und das alles in kürzester Zeit, denn spätestens morgen Abend muss alles laufen, wenn möglich beide Leinwände parallel. „Wir schließen das zweite System an die gleiche Schüssel an, so dass die Spiele auf den beiden Leinwänden gleichzeitig und ohne Zeitverschiebung zu sehen sein werden“, sagt Eisinger. Mit der Zuschauerresonanz sei er bislang zufrieden. Vor allem ab den Achtelfinalspielen seien abends bis zu 200 Leute gekommen. Bei der Partie Uruguay gegen Ghana sei die Stimmung genial gewesen. „Offenbar muss man auch nicht jedes Spiel der Vorrunde zeigen“, findet Eisinger und bedauert es, dass von den verschiedenen Volksgruppen in Vaihingen lediglich die Italiener Präsenz beim Public-Viewing gezeigt hätten. Türken und Kroaten sind nicht bei der WM dabei gewesen, doch auch von den Griechen habe sich kaum jemand blicken lassen.
Einen weiteren Wermutstropfen machte Eisinger in der fehlenden Bereitschaft der Werbegemeinschaft Vaihingen aus, sich mit Aktionen und Ideen rund um das Public-Viewing einzubringen. „Die meisten Geschäftsinhaber hat das nicht interessiert, nur vereinzelte Unternehmen haben sich beteiligt“, beklagt Eisinger. Verlängerte Öffnungszeiten, Werbeaktionen, Aktionen rund um das Public-Viewing? Fehlanzeige. Um so schöner sei es gewesen, dass die Tanzschulen Rank und DLC sowie Georgie Hocker und die Rope-Skipping-Gruppe des TSV Enzweihingen das Public-Viewing mit diversen Auftritten bereichert haben.
Überhaupt sieht das Zwischenfazit des Veranstalters nach drei Wochen WM sehr gut aus. Die Zuschauer seien vor allem bei den Spielen mit deutscher Beteiligung gekommen, die Versorgung auf dem Marktplatz mit Getränken und Essen habe nahezu reibungslos funktioniert und Randale habe es auch keine gegeben. „Wenn es Beschwerden gegeben hätte, wäre man bestimmt auf mich zugegangen.“ Diverse Kleinigkeiten habe man gleich in der ersten Woche abgestellt. So drehe man inzwischen den Lautstärkeregler in den Werbepausen herunter, die Musik vor und nach den Spielen sei leiser und der Kühlwagen werde nachts auch ausgemacht.
Deutet also alles auf ein erneutes Public-Viewing während der EM 2012 in Polen und der Ukrainne hin? „Wenn die Weltmeisterschaft vorbei ist, werden wir gemeinsam mit der Stadt, den Sponsoren und der Polizei ein Fazit ziehen. Wenn dann jeder etwas davon gehabt hat, kann ich mir vorstellen, das künftig wieder zu veranstalten“, sagt Eisinger. Vielleicht hat er selbst dann auch etwas mehr Zeit, das eine oder andere Spiel zu sehen. Lediglich von der Partie Deutschland gegen Argentinien habe er 30 Minuten mitbekommen.
Übrigens: Die zweite Leinwand wird definitiv am Mittwoch zur Halbfinalbegegnung zwischen Deutschland und Spanien zum Einsatz kommen. Mit ein wenig Glück vielleicht schon heute Abend bei Niederlande gegen Uruguay, wenn es mit dem Probelauf gleich funktioniert...
