Roßwag (ub). Es ist typisch für das Roßwager Lindenfest: entweder ist es heiß oder es regnet. Gestern gab es eine Mischung aus beidem. Schwüle beim Umzug, ein kurzer Regenguss bei den Vorführungen unter der Linde.
Es ist schon etwas Besonderes, das Roßwager Lindenfest. Auch im 76. Jahr hat sich nicht viel verändert, das Dorffest bleibt authentisch, wird nicht verfremdet und vermarktet. Nur auf eines müssen die Roßwager künftig aufpassen – Ortsvorsteher Hans-Dieter Eisinger: „Beim Umzug müssen wir vorsichtig sein, dass noch Zuschauer da sind, weil doch alle mitlaufen.“
Der Umzug mit 20 Gruppen, der am Sonntag unter dem Motto „Roßwag – ein sportliches Dorf“ stand, nimmt die Zuschauer nach seiner Runde hoch zum Lindenplatz, wo die Kindergarten- und Grundschulkinder ihre lang einstudierten Vorträge zum Besten geben. „Das Sommermärchern geht weiter; am Samstag in Südafrika und am Sonntag in Roßwag“, freute sich Ortsvorsteher Eisinger bei der Begrüßung.
Eisinger erinnerte an die Anfänge des Heimatfestes im Jahr 1934, als Oberlehrer Leonhard Ohr das Lindenfest ins Leben rief. „Er hatte ein ausgeprägtes Heimatgefühl. Und an diese Geborgenheit und dieses Miteinander müssen wir denken, wenn wir das Lindenfest heute feiern“, sagte Eisinger.
Es ist dabei immer beachtenswert, welche Ideen die Gruppen für den Umzug haben. Vorneweg marschiert traditionell der Spielmannszug der Feuerwehr. Dann folgen Kindergarten, Schule, die Vereine, zum Schluss immer lautstark die Moschde. Hartmut Schmid, Vorsitzender des Liederkranzes, saß als Taucher mit Schnorchelmaske auf einem Wagen – das passende Outfit für die heißen Temperaturen.
Ein treuer Gast des Roßwager Lindenfestes ist der Vaihinger Bürgermeisterr Wilfried Nestle. Nur einmal hat er (im letzten Jahr wegen einer Kur) seit 1972 bei dem Heimatfest gefehlt. „Das dörfliche Zusammengehörigkeitsgefühl fällt bei diesem Fest besonders ins Gewicht“, sagte Nestle, der in diesem Jahr seine Amtszeit beendet. Hier stehe noch das Kinderfest im Vordergrund und das Lindenfest sei noch in keinererlei Richtung ausgeartet. „Es ist das kleine, dörfliche Fest geblieben.“
Und Nestle versprach, auch als Privatmann zu kommen.
