Literaturwissenschaftler nicht erwünscht
Vaihingen (aa). Er darf in Pension gehen. Der Vaihinger Gemeinderat hat „dem Antrag von Herrn Bürgermeister Nestle auf Entlassung zum 31. Dezember 2010 und Eintritt in den Ruhestand stattgegeben“. Welche Qualifikationen der Nachfolger oder die Nachfolgerin haben soll, ist weit gefasst, „aber ein Literaturwissenschaftler soll es nicht sein“, so Oberbürgermeister Gerd Maisch. Am 10. April hatte Bürgermeister Wilfried Nestle bei Oberbürgermeister Gerd Maisch in zwei Sätzen seine Entlassung zum Jahresende 2010 beantragt und um die Herbeiführung der notwendigen Beschlüsse des Gemeinderates gebeten. 31 Jahre als Bürgermeister der Stadt Vaihingen sollten genug sein. Eigentlich wäre die Amtszeit von Nestle, der am 21. Januar 64 Jahre alt wird, noch bis Dezember 2011 gelaufen. „Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Entlassung und den Eintritt in den Ruhestand sind erfüllt“, formulierte es Hauptamtsleiter Hans Rentschler. Noch im Juli wird die Stelle im Staatsanzeiger ausgeschrieben werden, das Ende der Bewerbungsfrist soll der 27. August 2010 sein. Die Wahl des Nachfolgers ist für den 27. Oktober geplant. „Wir bedauern das Ausscheiden“, drückte sich Walter Sämann (Freie Wähler, Vaihingen) aus. Mit Nestle gehe eine jahrzehntelange Erfahrung in den Ruhestand. Doch Nestle habe es verdient. Reinhard Bolter (SPD, Vaihingen) fragte schon mal, wo man denn das Denkmal für den Bürgermeister aufstellen werde und erkundigte sich nach der Regelung in der Übergangszeit. Zum Denkmal gab es keine Antwort, zur Einarbeitung die Einschätzung von Gerd Maisch: „Das wollen in der Regel Vorgänger und Nachfolger nicht. Die Besetzung erfolgt, wenn der Vorgänger weg ist.“ Dagmar Holzberg (FDP, Vaihingen) sah den Ausschreibungstext zu weit gefasst („Eine entsprechende Hochschulausbildung als Architekt beziehungsweise als Stadtplaner oder eine Ausbildung im gehobenen oder höheren Verwaltungsdienst wären von Vorteil“). Das müsse heißen: „Ist Voraussetzung.“ Man müsse sich auf 80 Bewerber einstellen. „Die Null weg und ich bin durchaus zufrieden“, meinte dazu OB Maisch. Er habe eher die Sorge, dass es zu wenige Kandidaten geben werde. Die Ausschreibung wolle man deshalb möglichst weit fassen. Man suche jemand, der ins Team passe, meinte der OB auf die Frage von Prof. Gustl Lachenmann (FDP, Vaihingen). Aus heutiger Sicht könne er sich alles vorstellen, „aber einen Literaturwissenschaftler will ich natürlich nicht“. Die Sache sei doch nicht so schwer, fand Thomas Fritz (CDU, Ensingen). Bürgermeister würden ja nicht in der Schule ausgebildet; man bekomme einen Aussteiger aus einer anderen Verwaltung oder auch einen Bewerber aus dem eigenen Haus. Nur beim Ausschreibungstext gab es eine Gegenstimme (Dagmar Holzberg). Dass das Amt 30 (Ordnungsamt) in Zukunft beim Oberbürgermeister angesiedelt werden soll, war unstrittig. In den Zuständigkeitsbereich des Bürgermeisters gehören künftig Liegenschafts- und Gebäudebewirtschaftungsamt, Baurechtsamt, Stadtplanungsamt, das Amt für Technische Dienste und Feuerwehrwesen sowie das Tiefbauamt.