Ludwigsburg (p). In den vergangenen sechs Jahren hat der Landkreis Ludwigsburg Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet. Nun droht wieder ein Millionen-Defizit. Als Grund ist die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise ausgemacht worden, die vor allem auf die Sozialkosten durchschlägt. Ein ausgeglichenes Ergebnis scheint unwahrscheinlich. So lautet das Fazit des zweiten Finanzzwischenberichts in diesem Jahr. Die weltweite Wirtschaftskrise werde die Finanzen des Landkreises voraussichtlich bis ins Jahr 2013 beeinträchtigen, meinte Kreiskämmerer Albert Walter im Verwaltungsausschuss des Kreistags. Walter hat ein Defizit von voraussichtlich 6,4 Millionen Euro errechnet. Es ist davon auszugehen, dass es im Kreistag nach dem derzeitigen Stand keine Mehrheit für eine Erhöhung der Kreisumlage (derzeit 32,5 Prozent) geben wird. Den meisten Gemeinden geht es nach Meinung von Vaihingens Oberbürgermeister Gerd Maisch (Freie Wähler) noch deutlich schlechter als dem Landkreis. Der finanzielle Ausgleich zwischen den Kommunen und dem Kreis habe funktioniert – im vergangenen Jahr. Für dieses Jahr sei er nicht angemessen ausgefallen. Die Schere müsse sich wieder schließen. Während der Kreis nämlich nach Verrechnung der laufenden Einnahmen und Ausgaben noch immer einen Überschuss von 19 Millionen Euro verzeichnen könne, mit dem er seine Investitionen finanzieren muss, müssen mehrere Kommunen sogar neue Schulden machen, um das laufende Geschäft bezahlen zu können. Nicht nur Maisch, sondern beispielsweise auch der Ingersheimer Schultes Volker Godel (FDP) und der Marbacher Sozialdemokrat Heinz Reichert machten auf diese Situation aufmerksam: Falls Kreiskämmerer Albert Walter den Kreishaushalt daher zulasten der Städte und Gemeinden sanieren wolle, werde die SPD dies nicht mitmachen, sagte Reichert. Kämmerer Walter, der im Verwaltungsausschuss für 2009 trotz bereits damals erkennbarer Krisensymptome noch einen Haushaltsüberschuss von 2,4 Millionen Euro verkünden konnte, der nun die Rücklage stärkt muss im laufenden Jahr akute Einbrüche verkraften. Vor allem in zwei Bereichen steigen die Kosten für den Landkreis stark an: Die Eingliederungshilfe für Behinderte geht aufgrund höherer Fallzahlen und steigender Pflegesätze um vier Millionen Euro nach oben. Und fürs Arbeitslosengeld II muss der Kreis sogar fünf Millionen mehr bezahlen als geplant, weil die Zahl der Bedarfsgemeinschaften – die in den meisten Fällen auch Beihilfen zu Miete und Heizkosten erhalten – im Kreis binnen 16 Monaten um über 1,7 Prozent angestiegen ist. Eine zusätzliche Belastung bedeutet auch die wachsende Zahl Jugendlicher, die in Heime eingewiesen werden müssen – in mittlerweile immer mehr Fällen trotz vorheriger ambulanter Bemühungen durch Fachkräfte des Kreis-Sozialdezernats. Die wachsenden Kosten für das Arbeitslosengeld II machte Landrat Dr. Rainer Haas zum Argument für das sogenannte Optionsmodell, bei dem der Landkreis die alleinige Verantwortung für diesen Personenkreis übernähme der bisher von Landkreis und Arbeitsagentur gemeinsam betreut wird: Nur wenn der Kreis hier in die Bütt gehe, könne er auch die Kosten – in diesem Jahr voraussichtlich 48,8 Millionen Euro – positiv beeinflussen. Sympathie für das Optionsmodell zeigte auch Grünensprecher Daniel Renkonen (Ludwigsburg), wogegen CDU-Fraktionschef Manfred Hollenbach (Murr) und FWV-Mann Maisch die Chancen, dadurch Sozialkosten des Landkreises spürbar zu senken, deutlich skeptischer beurteilten.