Vaihingen. Mit einer Freundschaft hat alles angefangen. Martina Bühler und Markus Anreiner (Namen geändert) lernten sich bei einem Seminar in Wangen im Allgäu kennen. Sie war als Dozentin dort, er als Kursteilnehmer. Zu Ende ging die Bekanntschaft mit einer richterlichen Verfügung und einem Wiedersehen vor dem Vaihinger Amtsgericht. Die 37-Jährige fühlte sich von dem 61-Jährigen, der bei Freiburg lebt, belästigt. Von Stalking war gar die Rede. Der Frau wurde also nachgestellt.
Nach dem Seminar in Wangen blieb die Referentin, die unter anderem Ausdruckstanz und Stabkampftechniken unterrichtet, mit allen Kursteilnehmern in Kontakt. Das mache sie immer so, damit man sich austauschen könne, sagte die Frau vor Gericht aus. Mit Markus Anreiner entwickelte sich ein reger Briefkontakt, sogar zu gegenseitigen Besuchen kam es. Nach einiger Zeit merkte Martina Bühler, dass der nette Mann aus dem Seminar mehr wollte, als sich mit ihr zu unterhalten. Er hatte sich verliebt. Doch sie liebte ihn nicht.
Beide erzählten Richter Jochen Schuff und Staatsanwalt Christoph Klein unterschiedliche Geschichten. Fest steht nur, dass sich die beiden tatsächlich gegenseitig besuchten. Sie fuhr zweimal zu ihm, er kam einmal zu ihr nach Vaihingen. Nicht klar ist hingegen, was bei den Treffen geschah. Martina Bühler sagte aus, dass nur geplaudert wurde. Der 61-Jährige hingegen will mit der Frau Sex gehabt haben und sagte, dass sie ihm zu verstehen gegeben habe, dass sie ihn ebenfalls liebe.
Unerwünschte Blumen am Arbeitsplatz
Als die verheiratete Frau merkte, dass die Sache aus dem Ruder lief, hat sie gehandelt. „Ich schrieb ihm einen Brief. Darin stand, dass ich nichts für ihn empfinde“, sagte sie vor Gericht. In einem anderen Brief stand, dass sie in keinster Weise an einer körperlichen Beziehung interessiert sei und ihre Ruhe haben wolle.
„Ich steige dann aus, wann ich aussteigen will“, sagte Markus Anreiner dazu. Und so verhielt er sich auch gegenüber der Frau: Er schickte ihr einen Brief nach dem anderen, wählte mehrfach ihre Telefonnummer und schickte ihr Blumen an den Arbeitsplatz. Einmal schlich er sich sogar auf das Grundstück von Martina Bühler und legte dort eine Flasche Wein, eine Schachtel Zigarretten und eine CD mit Musik von Pink Floyd für sie ab.
Zusammen mit ihrem Ehemann erstattete Martina Bühler Anzeige bei der Polizei und erwirkte eine Einstweilige Verfügung. Der 61-Jährige durfte keinen Kontakt mehr aufnehmen. Seit dem herrschte Ruhe. Keine Briefe mehr, keine Anrufe und auch keine ungebetenen Geschenke. Trotzdem leidet die Frau, laut ihrer eigenen Aussage, an Schlaflosigkeit und Angstattacken. Die Angst spielte auch vor Gericht eine Rolle. Der Angeklagte fühlte sich von Martina Bühlers Ehemann bedroht. Die 37-jährige Frau aus Vaihingen kam unter Polizeischutz.
Was am Ende der Verhandlung blieb, waren zwei unterschiedliche Geschichten. In einer ging es um eine Liebesbeziehung, in der anderen um eine normale Freundschaft. „Wir waren nicht dabei und können nicht sagen, was wirklich war“, befand Staatsanwalt Klein. Das Gericht stellte das Verfahren ein. Im Gegenzug versprach Markus Anreiner, die Frau in Ruhe zu lassen.
Von Philipp-Marc Schmid
