Oberriexingen (elf) – Am Tag danach ist die Anspannung der Freude gewichen. Doch viel Zeit, seinen Sieg im Ringen um den Bürgermeisterposten in Oberriexingen zu feiern, hat Werner Somlai nicht. Bereits heute geht er wieder seiner Aufgabe als Kämmerer nach. Die VKZ hat sich mit dem künftigen Verwaltungschef der kleinsten Stadt im Landkreis unterhalten.
Dass es bei der Bürgermeisterwahl in Oberriexingen am Ende tatsächlich auf jede einzelne Stimme ankam – Werner Somlai hatte 35 Wähler mehr auf seine Seite gebracht als sein Kontrahent Günther Pilz – hatten nicht einmal die Kandidaten selbst gedacht. Da fühlte sich der Wahlsieger im Nachhinein schon darin bestätigt, selbst am Wahlsonntag noch auf Stimmenfang gegangen zu sein. Sie würden ja die beiden Kandidaten gar nicht kennen, begründeten ihm Passanten, warum sie nicht zur Wahl gehen würden. Somlai fasste die Gelegenheit beim Schopf und stellte sich vor. Gut möglich, dass ihm diese Kontaktaufnahme weitere Stimmen gebracht hat. 892 waren es am Ende, 50,74 Prozent – das hat gerade so gereicht. „Die Hälfte der Oberriexinger Bürger wollte einen Tapetenwechsel mit einem jüngeren Bürgermeister“, interpretiert Werner Somlai das Ergebnis. „Doch die anderen 50 Prozent haben auf meine solide Arbeit gesetzt und wussten, dass sie sich auf mich verlassen können.“ Spätestens im Oktober, wenn der neue Oberriexinger Schultes seine Arbeit aufnimmt, wird allerdings keiner mehr nach dem knappen Ergebnis fragen. Das weiß auch Werner Somlai: „Dann sind Taten gefragt.“ Außerdem fühle er sich auch aufgrund der hohen Wahlbeteiligung von 73,87 Prozent bestätigt.
Dreieinhalb Wochen Wahlkampf liegen jetzt hinter dem 55-Jährigen. Ein Ringen um jede Stimme in unzähligen Gesprächen, die er geführt hat: bei der Kandidatenvorstellung in der Festhalle, beim Inselfest, bei den Kirchen, bei den Vereinen und bei Privatbesuchen. Der Höhepunkt dann am Sonntagabend. „Wie in Trance“ sei er auf dem Kirchplatz gestanden. „Das war Spannung pur.“ Seinem Kontrahenten (Somlai: „Der wird noch Karriere machen“) rechnet er es hoch an, dass er ihm gleich gratuliert hat. Glückwünsche erreichten ihn übrigens auch aus Estland (per E-Mail) und aus Ravensburg (persönlich), wo Somlai Familie hat.
Und wie fing der Tag gestern an? „Gleich um sieben Uhr habe ich die VKZ gelesen und wollte dann einen gemütlichen Tag mit meiner Frau verbringen“, so Somlai. Doch dann hat er die meiste Zeit am Telefon zugebracht und Glückwünsche entgegengenommen - ein angenehmes Programm nach dem langen Wahlkampf.
Und wie geht es jetzt weiter? Bereits heute wird er wieder ins Amt gehen. Zuerst gelte es, die Stelle des Kämmerers der Stadtverwaltung auszuschreiben, die ab 1. Oktober vakant wird. Seinen Dienst als Kämmerer werde er weiter normal verrichten. So heißt es, die Fortschreibung des Flächennutzungsplans der Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen zum Abschluss zu bringen. Zudem wolle er auch seinen Start als Bürgermeister vorbereiten. Am 5. Oktober finde die Amtseinsetzung durch Landrat Dr. Rainer Haas statt.
Sein neuer Job werde viel Engagement und Aufwand erfordern, sagt Somlai. „Das muss man wissen, wenn man sich um den Posten bewirbt.“ Er habe sich viel vorgenommen. Schließlich sollen seine Wahlkampfthemen auch keine leeren Versprechungen sein. So will Somlai sich Anfang Oktober schnell mit dem Gemeinderat zusammensetzen und auch die Bürgerbeteiligung zügig vorantreiben. Als wichtige Projekte und Vorhaben bezeichnet er beispielsweise Maßnahmen im Zuge der Ortskernsanierung wie betreutes Wohnen, Tiefgarage, Arztpraxis, Café und weitere Einkaufsmöglichkeiten. Auch den Ausbau der bedarfsgerechten Kinderbetreuung in Richtung Ganztagesbetreuung im Kindergarten will er forcieren. Oben auf seiner Liste steht ferner die Jugendarbeit. Im Rahmen von Gesprächen wolle er „hören, was die Jugendlichen wollen“. Das Vorantreiben der städtischen Kulturarbeit und die Förderung der Vereine („Die Vereine sind unser Herzstück“) steht ebenso auf seiner Agenda. Daneben die Wirtschaftsförderung und die Verbesserung des ÖPNV und…
Die Liste ließe sich fortsetzen. Doch als Kämmerer weiß Werner Somlai auch, dass die Einnahmen aus der Gewerbesteuer zurückgehen werden. Bis zu 170000 Euro weniger Geld werden in die Stadtkasse fließen. Es seien aber hohe Rücklagen vorhanden, so dass aufgrund der Krise keine Qualitätsverluste in der Wahrnehmung der Verwaltungsaufgaben zu erwarten seien.
In die Zukunft blicke er mit Optimismus. „Wir haben eine schlagkräftige Verwaltung und somit die besten Voraussetzungen, unsere Aufgaben mit Ruhe und Nachhaltigkeit anzugehen“, sagt Somlai, der am Ende aufgrund einiger entstandener Gerüchte noch eines loswerden will: „Meinen Wahlkampf habe ich übrigens aus eigener Tasche bezahlt.“
