Mittwoch, 23. Mai 2012

Steffen Bilger, der Kandidat der CDU




Steffen Bilger. Foto: Arning
Steffen Bilger. Foto: Arning

Vaihingen (aa). Matthias Wissmann kannten alle. Aber wer ist Steffen Bilger? Der junge Mann muss sein Gesicht erst bekannt machen. Wer mit dem Namen Bilger noch nicht viel anfangen kann: Er ist der Bundestagskandidat der CDU im Wahlkreis Ludwigsburg. Am 27. September will er das Direktmandat im Bundestag erobern. Dafür braucht er auch Stimmen aus Vaihingen und Umgebung.
Besuch bei der Vaihinger Kreiszeitung. Bilger hat ein Dauerlächeln aufgesetzt. Der 30-Jährige will sympathisch rüberkommen. Nehmen ihm die Leute den Kandidaten ab? „Ich bin fast froh, dass ich einen Dreier beim Alter vorne stehen habe, durch den Zweier wirkt man psychologisch viel jünger“, gibt Bilger zu und meint, dass er eher positive Resonanz erfahren habe, wenn es um die Lebensjahre geht. Und: „Der Matthias Wissmann war drei Jahre jünger, als er erstmals in den Bundestag gewählt wurde. Und er war damals noch nicht im Beruf. Ich kann da immerhin schon drei Jahre vorweisen.“ Dass es auch mit jungen Leuten gehe, beweise doch auch Wirtschaftsminister zu Guttenberg, der inzwischen zum zweitbeliebtesten Politiker aufgestiegen sei.
Was meint Bilger zu den jüngsten Steueräußerungen von Günther Oettinger? „Ich halte es falsch, jetzt über Mehrwertsteuererhöhungen zu diskutieren. Aber in Krisenzeiten Steuersenkungen mit einem Zeitpunkt zu versprechen, wäre auch unseriös. So wie es im Programm steht, finde ich es in Ordnung, dass wir so schnell wie möglich Steuern senken wollen: Eingangssteuersatz runter, Spitzensteuersatz reduzieren. Aber wir können derzeit keinen Zeitpunkt nennen.“ Der Kandidat ist der Meinung, dass man mit einem „klein bisschen guten Willen“ durchaus auch in Krisenzeiten einen ausgeglichen Haushalt hinbekommen könnte, ohne zusätzlich Steuern einnehmen zu müssen“. Oettingers Vorstoß wertet Bilger als Hilfe für die Gastronomie und die Hotellerie im Tourismusland Baden-Württemberg, „damit die den reduzierten Mehrwertsteuersatz bekommen“.
Gibt es eine Reaktion auf Schelte am Ministerpräsidenten? Bilger: „Ich finde es bei Oettinger gut, dass er Kritik absolut akzeptiert. Mit Ministerien habe ich da schon andere Erfahrungen gemacht. Und wenn ich an Stefan Mappus denke: Beim Führerschein mit 17 haben wir uns als Junge Union mit ihm angelegt. Das hat er uns sehr übel genommen. Das ist bei Oettinger anders. Er weiß auch selbst, was er als JU-Landesvorsitzender alles gefordert hat. Das Schwierige in der JU ist, dass man auf der einen Seite hört: Ihr müsst mal wieder frecher sein. Aber wenn man es mal macht, heißt es: Ihr liegt ja völlig daneben.“ Der Bundesvorsitzende Philipp Mißfelder mache es da schon richtig, dass er ab und zu die Stimme erhebe, „wenn man im Bundestag ist, kann man aber auch nicht immer gegen alles sein. Da wird man auch nicht ernst genommen“. Das Ziel der JU definiert Bilger so: „Die junge Generation vertreten, aber im Dialog mit der Mutterpartei. Andere Jugendorganisationen gehen da viel härter gegen die eigene Partei vor.“
Vom Fall der Mauer als
Zehnjähriger sehr berührt
Hat Bilger Vorstellungen zu seiner Berliner Zukunft, denn dass er am 27. September das Direktmandat erhält, ist für ihn eigentlich nicht fraglich? „Man kann so etwas ja nie planen. Ich bin vor 13 Jahren in die JU eingetreten, weil sie mir in meiner Grundeinstellung am nächsten kommt. Der Fall der Mauer hat mich einst sehr berührt, obwohl ich erst zehn Jahre alt war. Dann kam eins zum anderen. Mit 21 Jahren war ich schon Zweitkandidat für den Landtag. Das wäre nie möglich gewesen, wenn damals nicht die Spendenaffäre gewesen wäre. Bei den Mitgliedern gab es damals einen Umbruch.“
Wie geht Bilger den Wahlkampf an? „Dass er so kurz ist, finde ich recht gut“, sagt er. „Vor der Kommunalwahl wollte keiner so recht aus der Deckung kommen. Dann braucht man ein wenig Verschnaufpause. Jetzt kommen die Sommerferien. Ich werde mit einem Referat sicher nicht die Massen locken. Man muss einen anderen Wahlkampf machen, auch mit den neuen Medien, mit Twittern und Face-Book. Ich bin viel unterwegs bei Festen, gehe gezielt auf Vereine, Verbände, Kirchen zu. Derzeit arbeite ich nur zu 50 Prozent, in der heißen Phase wird noch weiter bis auf Null reduziert.“ Erlebt man Wissmann als Redner für Bilger? „Wir klären derzeit einige Termine ab. Aber es ist sehr schwer, weil er in seiner jetzigen Funktion überparteilich agieren muss.“ Sind andere Prominente gebucht? „Wir haben leider nicht ganz so viele Bundesredner als CDU, die eine Halle füllen würden. Und die Frau von der Leyer zum Beispiel wollen alle. Ich werde auf jeden Fall aber eine Veranstaltung mit Oswald Metzger machen.“
Wie steht Audi-Fahrer Bilger zu einer Porsche-Hilfe? „Das Thema ist extrem schwer zu durchschauen. Wie sich das Land Niedersachsen in VW-Angelegenheiten einmischt, finde ich sehr fragwürdig. Da ist es schon richtig, dass der Günther Oettinger richtig hinsteht. Porsche will kein Geld geschenkt, da geht es um einen Kredit. Da hätte ich mir auch von Frau Merkel mehr Unterstützung erwartet. Ich hoffe auf eine gute Lösung.“
B-10-Umgehung in Enzweihingen. „Wenn bundespolitische Anliegen besprochen werden, sind es meistens Verkehrsdinge“, weiß Bilger. „Wenn ich gewählt bin, was ich hoffe, muss das Thema B10 sofort auf die Tagesordnung. Ich kann natürlich nichts versprechen, werde aber alles tun, dass sich etwas bewegt. Es muss Druck gemacht werden.“
Welche Themen liegen Bilger am Herzen? Arbeit als Voraussetzung sozialer Gerechtigkeit (Generationengerechtigkeit), Bildung als wichtigster Rohstoff, zukunftsfähige Energiekonzepte. „Die Leute müssen auch begreifen, dass die Haushaltskonsolidierung enorm wichtig ist. Die Schulden schränken uns die Spielräume massiv ein.“ Um welche Bereiche würde er sich am liebsten kümmern: Finanzen, Wirtschaft, Verkehr, Umwelt. „Aber ich muss mich sicher in Berlin als Neuling hinten anstellen.“ Wie findet er die Höhe der Diäten? „Angemessen. Ein Abgeordneter muss finanziell unabhängig sein.“
Wer regiert nach dem 27. September? Bilger: „Ich gehe von Schwarz-Gelb aus. Die Große Koalition hat sicher einiges zustande gebracht. Wie die Krise in Wahlkampfzeiten behandelt wurde, fand ich ganz verantwortungsbewusst. Aber immer große Kompromisse zu finden, wäre künftig nicht gut fürs Land und auch nicht für CDU und SPD. Die kleineren Parteien würden dadurch immer mehr gestärkt.“




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