Mittwoch, 23. Mai 2012

Getreideernte: Jetzt rollen die Mähdrescher


Die Ernte verspricht gut zu werden.
Auf den Feldern herrscht momentan Hochkonjunktur. Foto: Wirth

Vaihingen (ev) – Auf den Feldern werden Mähdrescher von Staubwolken eingehüllt, in der Vaihinger Mühle wird bis spät in die Nacht hinein Getreide angenommen und verarbeitet – die Ernte ist in vollem Gange.
Gerade hat die Sonne die letzten Tautropfen zum Verdunsten gebracht, da erklimmt Gerhard Wilhelm auch schon die Leiter an seinem Mähdrescher und klettert ins Führerhäuschen. Noch schnell einen Abstecher zur Tankstelle, dann geht’s auf die Felder. Dort sonnen sich noch die Ähren – bis das Schneidwerk des Mähdreschers kurzen Prozess macht. Zurück bleibt nur ein Haufen Stroh, die wertvollen Körner werden sicher in den Bauch des Riesen-Mähgeräts befördert.
Bahn um Bahn legen Wilhelm und sein Gefährt so zurück. Das trockene Wetter ist optimal für die Ernte. Die Hitze stört den Lohnmähdrescher nicht. Im Führerhäuschen herrschen angenehme Temperaturen, denn das elf Tonnen schwere Mähfahrzeug verfügt über eine Klimaanlage – und über 240 PS. Das Schneidwerkzeug ist übrigens 5,40 Meter breit – zu breit für jeden Feldweg. Deshalb wird es einfach eingeklappt, wenn der Mähdrescher mal wieder unterwegs ist.
Nach rund einer halben Stunde steht auf dem Feld keine einzige Ähre mehr. Der Traktor steht mit seinem Anhänger bereit, die Getreidekörner wechseln das Gefährt. Sieben Tonnen könnte der Mähdrescher in seinem gelben Bauch speichern. Vom Feld an der Kehlstraße geht’s nun aufs Weitfeld – dort wartet ein Acker voller Weizen auf Wilhelm und seine Maschine. So geht es den ganzen Tag bis spät in die Nacht. Arbeitsbeginn auf dem Mähdrescher ist gegen 11 Uhr – wenn der Tau weg ist. Erst wenn sich nachts erneut die kleinen nassen Tropfen auf den Pflanzen bilden, mit denen die Maschine ihre Mühe hat, zieht Wilhelm den Zündschlüssel und stellt sein Fahrzeug ab.
 Ende Juni war 58-Jährige zum ersten Mal im Einsatz – die Wintergerste war reif. Dann musste der Raps vom Feld. „Bei meinen Kunden ist auch die Sommergerste schon fast geerntet. Jetzt steht hauptsächlich noch der Weizen“, erzählt Wilhelm, der selbst einen Ackerbaubetrieb besitzt. Das trockene Wetter in den letzten Tagen gönnt Wilhelm kaum eine Pause. Wenn er doch mal Mähdrescher gegen Fahrrad eintauscht, sitzt einer seiner beiden Söhne auf der Maschine.
Wie schon in den vergangenen Jahren setzte sich auch 2008 der Trend einer frühen Ernte fort. „Das liegt an der Trockenheit“, erklärt Wilhelm. Generell hätte sich der Landwirt mehr Niederschlag gewünscht. Für die Ernte sei Sonne und Trockenheit optimal, für den Wachstum nicht. „Es hat in diesem Jahr nicht so viel geregnet, wie die Leute immer meinen“, sagt er. Wetterbedingte Ausfälle habe es 2008 aber nicht gegeben. Wilhelms Meinung über die Ernte: „So gut, wie erwartet, wird sie hier nicht. Es wird eine durchschnittliche.“ – „Eine durchschnittlich gute Ernte“, ergänzt Müllermeister Manfred Auch. Er ist der Betreiber der Vaihinger Mühle, einer der Orte, wo die Landwirte ihr Getreide abliefern können, die Wilhelm und seine Kollegen gedroschen haben. Auch dort laufen die Maschinen fast rund um die Uhr, Mitarbeiter legen Hand an, wo es nötig ist – Schlaf gibt es während der Erntezeit nicht viel. Einige tausend Tonnen Getreide werden in Vaihingen entgegen genommen. „Dieses Jahr wird es auf jeden Fall mehr sein als 2007, als die Ernte unterdurchschnittlich war“, weiß Auch. 20 Prozent mehr könnten es schon werden, schätzt er.
Die Getreidekörner, die den Weg in seine Mühle finden, kommen alle aus der Region – von Maulbronn bis Heimerdingen und „zwei Drittel werden wohl schon eingefahren sein“, schätzt Auch. Ende der Woche ist die Getreideernte wohl schon unter Dach und Fach. Gerhard Wilhelm kann dann seinen Mähdrescher für den Rest des Jahres einpacken und Manfred Au kann wieder etwas länger schlafen: „Getreide ist eben ein Saisongeschäft.“


Seitenanfang