Illingen (aa) – Mit „Freude, Genugtuung und Dankbarkeit“ (so der Landtagsabgeordnete und Illinger Bürgermeisterstellvertreter Winfried Scheuermann) wurde gestern in Illingen das Seniorenzentrum St. Clara im Wiesenweg eingeweiht. Im Heim stehen 65 Plätze zur Verfügung – alle sind belegt. „Nah am Menschen“ gilt als Zielsetzung.
„Ich wär‘ so gerne Millionär“ schallte es überlaut vom Nachbargrundstück. Dabei wollte Markus Schellinger, der neben dem Mühlacker Altenzentrum St. Franziskus auch die Gesamtleitung fürs Seniorenzentrum in Illingen hat, gerade die zentrale und ruhige Lage rühmen. Die Musik ließ sich durch den Einsatz von Gemeindekämmerer Rainer Scheible eindämmen. So wurden die Klavier- und Geigenklänge des Duos Franziska Wenzel und Jan Divoky allenfalls von vorbeirauschenden Zügen gestört.
Dr. Alfons Maurer, Vorstand der in Sindelfingen beheimateten Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung, die in Baden-Württemberg 23 Seniorenzentren betreibt, freute sich, ein „gelungens und ansprechendes Bauwerk“ präsentieren zu können. Ältere Menschen würden heute nicht nur „irgendwie“ versorgt. „Es muss darauf geachtet werden, dass sie am politischen, kulturellen und sozialen Leben teilnehmen können“, unterstrich Maurer. Professionelle Altenhilfe sei nicht mit Verwahrung gleichzusetzen. Der alte Mensch müsse trotz aller Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Und mit dem St.-Clara-Heim sei die Gemeinde Illingen auf einem guten Weg. Hier seien die Weichen richtig gestellt worden. Hochbetagten werde Heimat und Geborgenheit geboten.
Nicht verschwiegen wurde die etwas schwierige Entwicklungsgeschichte. Erste Kontakte habe es schon im Jahr 2000 gegeben. Kräftig mitgemischt hat in der bürgermeisterlosen Übergangszeit von Ulrich Hintermayer auf Harald Eiberger der Gemeinderat und Landtagsabgeordnete Winfried Scheuermann, „denn ich wollte mehr tun, als nur einen normalen Dienstbetrieb aufrechterhalten“ (Scheuermann).
2003 wurde ein Förderantrag auf den Weg gebracht und tatsächlich im Jahre 2006 auch bewilligt. Im Herbst 2006 begannen die Bauarbeiten am Rande des Luig-Areals. Nach 14 Monaten Bauzeit konnten im April 2008 die ersten Bewohner einziehen. Zur Verfügung stehen 65 Plätze in 53 Einzel- und sechs Doppelzimmern. Die Demenz-Wohngruppe im Erdgeschoss bietet 15 Plätze in elf Einzelzimmern und zwei Doppelzimmern.
Insgesamt kostete das Heim 6,4 Millionen Euro, vom Land kamen 1,5 Millionen, vom Enzkreis 764000 Euro. Das Grundstück stellte die Gemeinde Illingen durch Erbbaurechtsvertrag zur Verfügung. „Die Zimmer bieten eine bestmögliche Wohnqualität“, wurde gestern von Vorstand Alfons Maurer betont.
„Guter Tag für die
Gemeinde Illingen“
Enzkreis-Landrat Karl Röckinger, der eine Digital-Kamera als Geschenk für Hausleiterin Ursula Günster dabei hatte, sprach von einem „guten Tag für die Gemeinde Illingen“. Die wohnortnahe Versorgung älterer, pflegebedürftiger Menschen habe sich wesentlich verbessert. Die Konzeption sei insgesamt auf jegliche Persönlichkeit ausgerichtet. Dass mittelfristig auch die Anbindung von betreuten Seniorenwohnungen angedacht werde, sei erfreulich.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Winfried Scheuermann sah mit der Fertigstellung den Ansatz zur Sanierung in einem etwas ungeordneten Gebiet und freute sich, „dass dem Kreisaltenplan ein weiterer Mosaikstein zugefügt worden ist“. Bürgermeister Harald Eiberger war bei den Verdiensten von Scheuermann klar, „warum die Illinger so oft ihren Schultes auswechseln, da ja in der Interimszeit so viel voran geht“. Die Gemeinde sei am Projekt natürlich nicht nur mit warmen Worten dabei gewesen, unterstrich Eiberger..
Unter luftigen Zelten würdigten gestern Nachmittag auch Vertreter des Bauunternehmens Rommel, die Fördervereinsvorsitzende Angela Adam und Projektsteurer Gernot Schmidt, Geschäftsführer der Decker Ingenieur-Gesellschaft, das Werk. Nach der Ausrichtung der Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung (kirchliche Stiftung des privaten Rechts) war die Einweihungsfeier mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet worden.
