Mittwoch, 23. Mai 2012

Knoten am Vaihinger Eck in der Kritik


Alternativvorschlag am Vaihinger Eck.
Alternativvorschlag am Vaihinger Eck.

Vaihingen (aa) - Die Wünsche für die B-10-Umgehungsplanungen von Enzweihingen sind im Vaihinger Gemeinderat zu Forderungen umformuliert worden. Und auch an die tief fliegenden Fledermäuse soll gedacht werden…
So verlangt der Vaihinger Gemeinderat zum Beispiel einmütig eine Visualisierung der Pläne, will die Feldwegquerungen optimiert haben und verlangt die Prüfung eines Alternativentwurfes aus dem Vaihinger Ingenieurbüro Schwarz für den Bereich Vaihinger Eck. Abgelehnt werden Ampelregelungen auf der Bundesstraße (17:10-Abstimmung).
Vor der Sommerpause hatte der Gemeinderat noch einmal heftig zu arbeiten. Über fünf Stunden lang wurde am Mittwoch beraten. Ein Schwerpunkt war dabei das Thema B10. Das Regierungspräsidium hatte seine überarbeiteten Planungen übermittelt, wollte dazu Stellungnahmen aus Vaihingen hören (die VKZ hat schon wiederholt berichtet). Vorgesehen ist eine lediglich zweispurige Umfahrung (sie soll im Vergleich zur dreispurigen Führung lediglich zehn Prozent weniger Kapazität aufnehmen können), deren Knoten so optimiert werden sollen, dass die Leistungsfähigkeit der Straße möglichst wenig beeinträchtigt wird.
Ziel ist unter anderem die durchgehend kreuzungsfreie Führung der B10, wobei es an den Knoten Vaihinger Eck und Abzweigung Oberriexingen Rampen, Brücken und Unterführungsbauwerke geben müsste. Der Durchgangsverkehr in dieser sogenannten „Variante A modifiziert“ ist die Trennung der Verkehrsflüsse (Ortsverkehr/Durchgangsverkehr). Die Tankstelle am Vaihinger Eck würde von der B10 abgehängt. Die Brücken sollen höher werden, damit tief fliegende Fledermäuse nicht gefährdet werden (so wurde es tatsächlich gesagt), auf den Lärmschutzwänden soll es ebenfalls einen Schutz für die Fledermäuse geben, damit die nicht gegen Lastwagen knallen…
Ganz und gar nicht anfreunden wollte man sich mit der Verknotung des Vaihinger Ecks. Uwe Schwarz, Mitglied des Stadtteilausschusses, ließ in seinem Ingenieurbüro eine Skizze fertigen und hat die „Carrera-Bahn“ in einen Kreisverkehr umgewandelt. Die von Mühlacker kommende B10 müsste in eine Wanne (Rinne) gelegt werden, darauf könnte der Kreisverkehr angeordnet werden (siehe Plan). Oberbürgermeister Gerd Maisch machte da schon auf mögliche Einwände aus dem Regierungspräsidium aufmerksam: „Die Baukosten werden höher. Und wir kommen in Grundwasserbereiche.“
„Seien Sie bitte bei den Forderungen renitent“, war die Aufforderung von Prof. Gustl Lachenmann (FDP, Vaihingen). „Der Trassenverlauf muss in der dritten Dimension dargestellt werden.“ Die enormen Höhenentwicklungen seien in keinem Plan zu sehen. Wenn man das alles betrachte, müsse man sich schon einen Tunnel wünschen. Grünen-Sprecher Bernhard van Dyken (Enzweihingen) sah sich schon lange „entmündigt“, weigerte sich, die Vorlage zu beraten. Für den Menschen-, Lärm- und Umweltschutz sei der Tunnel nach wie vor die beste Lösung.
Dazu OB Maisch: „Natürlich wäre der Tunnel eine gute Lösung. Aber er steht auf Rang 103 in der Prioritätenliste. Und da sind wir chancenlos.“ Man könne allenfalls sagen: „Lassen wir alles, wie es ist, das wäre eine Position.“ Die Frage Umgehungsstraße oder Tunnel stelle sich nicht mehr, wenn man auch bei einer 26 Millionen Euro kostenden Umfahrung nicht gerade von einer „billigen Lösung“ sprechen könne (der Tunnel würde nach heutigem Stand 41 Millionen kosten und wäre nur für 25000 Fahrzeuge am Tag zugelassen). Wo die Umgehung auf der Prioritätenliste eingestuft wird, mochte Gerd Maisch nicht deuten: „Das ist noch nicht definiert. Aber wir haben da Signale…“
„Wir brauchen eine schnelle Lösung“, war die Forderung von Thomas Fritz (CDU, Ensingen). „Und auch eine Lösung ohne Ampeln.“ Dass Tierschutz vor Menschenschutz stehe, beklagte Jürgen Rapp (CDU, Vaihingen). Er hatte überschlagen, dass seine fünf Öllaster 1000 Kilometer im Jahr mehr fahren müssen, würden die Schleifen am Vaihinger Eck gebaut. Der Bund sei wohl nicht in der Lage zu bauen, was vorgesehen ist, mutmaßte Walter Sämann (FW, Vaihingen): „Da darf nicht länger mit gezinkten Karten gespielt werden.“ Eduard Aldinger (FW, Enzweihingen): „Wir sind an einem Punkt, an dem das RP macht, was es denkt.“ Er prophezeite, dass es noch heftige Probleme mit dem Naturschutz geben wird. Seine Prognose: „Wenn wir morgen eine Planung haben, geht es in zwei Jahren los. Dann wird auch Geld da sein, egal auf welchem Platz wir stehen.“ Ob man aber glücklich werde mit dem, was geplant wird, stehe auf einem anderen Blatt: „Bei einer Visualisierung wird mancher erschrecken.“
Er werde sich die Diskussion über einen Tunnel nicht verbieten lassen, war der Standpunkt von SPD-Sprecher Eberhard Berg (Kleinglattbach). Was jetzt vorgesehen sei, komme einer Ortsrandstraße gleich. Und nur zwei Fahrspuren, „das ist doch ein Schildbürgerstreich“. Man müsse die Möglichkeit schaffen, zwei weitere Spuren anzuhängen. Und auf ein paar Planungsmonate komme es bestimmt nicht mehr an. Eberhard Zucker (FW, Vaihingen) wagte die Mutmaßung, „dass irgendwann gar nichts mehr kommen wird.“ Susanne Häuser-Essig (Grüne, Ensingen) sprach bei der Umgehung für eine „Zumutung für die Landschaft“. Ihre Definition einer Vierspurigkeit: „Zwei Spuren gehen durch Enzweihingen, zwei außenrum.“


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