Mittwoch, 23. Mai 2012

Feuerwehrübung mit echtem Notfall


Rettungskräfte kümmern sich um einen echten Verletzten. Foto: Elsässer
Rettungskräfte kümmern sich um einen echten Verletzten. Foto: Elsässer

Vaihingen (p) – Aus einer Großübung der Freiwilligen Feuerwehr Vaihingen im CJD Jugenddorf Schloss Kaltenstein wurde am Montagabend urplötzlich bitterer Ernst. Zwei junge Männer, die eigentlich Verletzungen vortäuschen sollten, hyperventilierten und sorgten somit für einen unfreiwilligen Abbruch der Übung. Positiver Nebeneffekt: Die Rettungskräfte von Feuerwehr und DRK stellten unter Beweis, dass sie im Notfall richtig handeln.
„Ist dir schlecht?“, will die Dame der Schnelleinsatzgruppe (SEG) Vaihingen von einem jungen Mann wissen, der einen Verletzten mimen soll. „Ja“, lautet die Antwort. „Hast Du schon brechen müssen?“ „Ja“, heißt es erneut, bevor der junge Mann auf eine Trage gelegt wird. Zur gleichen Zeit 20 Meter weiter: Schnaufend und mit Schweißperlen auf der Stirn tragen die zwei Feuerwehrmänner einen weiteren jungen Mann über den Schlosshof. Das laute Röcheln lässt aufhorchen. Spielt er den Verletzten so gut oder bricht hier plötzlich die Wirklichkeit über die Übung herein? Die Antwort folgt auf dem Fuß: „Realnotfall! Rettungswagen anfordern!“, schallt das Kommando durch den Schlosshof. Stadtbrandmeister Thomas Fais, der sich beim Einsatzleitwagen befindet, vernimmt die Meldung über Funk und reagiert prompt: „Übung abbrechen!“
Unterdessen haben die Frauen und Männer von der SEG Vaihingen alle Hände voll zu tun. Der eine Verletzte – ein 17-Jähriger, der sich im CJD Jugenddorf in einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme befindet – wird mit einer Rettungsfolie zugedeckt, damit er nicht auskühlt und bekommt Sauerstoff zugeführt. Der andere benötigt deutlich mehr Aufmerksamkeit. Der 20-Jährige, der zur Berufserprobung im Schloss ist, erhält ebenfalls eine Sauerstoffzufuhr und bekommt zusätzlich eine Infusion angelegt. Lange Minuten vergehen, bis er sich beruhigt und er wieder freier atmen kann. Später werden beide zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht.
Was war passiert? Für Übungszwecke sollten die beiden jungen Leute Verletzte mimen. Hierfür waren sie in einem Zimmer unter dem Dach des Schlosses untergebracht, wo – wie bei solchen Übungen üblich – ungefährlicher Disconebel Rauchschwaden simulieren soll. Doch beide Heranwachsende waren offenbar sehr aufgeregt. Als ihnen dann der Disconebel auch noch die Sicht raubte, gerieten sie offenbar in Panik und hyperventilierten. Dass heißt, sie hatten Angst, keine Luft mehr zu bekommen und atmeten mehr Luft ein als aus. „In diesem Fall muss man vor allem dafür sorgen, dass sie sich beruhigen“, sagte SEG-Führer Holger Hanke. „Das ist nicht dramatisch.“ Hanke nahm die Gelegenheit wahr, die Zusammenarbeit der Schnelleinsatzgruppe mit der Feuerwehr zu loben. „Für uns trat der Ernstfall ein, bei dem man gesehen hat, dass das Zusammenspiel problemlos funktioniert.“
Auch Oberbürgermeister Gerd Maisch, der mit zwei seiner Kinder Zaungast der Übung war, wurde von dem plötzlich eintretenden Notfall überrascht und lobte die Arbeit der Rettungskräfte: „Da läuft es einem schon kalt den Buckel runter, wenn es plötzlich ernst wird, doch wenn man dann sieht, wie ruhig und frei von Hektik reagiert wird, gibt es einem ein gutes Gefühl.“ Jugenddorfleiter Klaus-Dieter Drensek zeigte sich ebenfalls erfreut über die „tolle Reaktion“ der Rettungskräfte. Feuerwehr und DRK seien ein „wichtiger Rückhalt der jungen Menschen und Familien, die hier wohnen“.
Die Großübung der Freiwilligen Feuerwehr Vaihingen und ihrer Abteilungen – außer Kleinglattbach, die mit Aufräumarbeiten beschäftigt war – war für 19.30 Uhr angesetzt. Doch der Alarm ging schon ein paar Minuten früher los. „Eine kleine Übungsüberraschung“, grinste Stadtbrandmeister Fais. Vor Ort wurde die Lage erkundet. Starke Rauchentwicklung in mehreren Obergeschossen und Personen, die aus einem Fenster im Innenhof um Hilfe rufen, so die erste Lage-Einschätzung. Die Maßnahmen, die zu ergreifen waren: Rettung der Personen und Aufbau dreier voneinander unabhängigen Wasserversorgungsleitungen. „Die Wasserversorgung hier oben ist ein Problem“, sagte Fais. Folglich musste das Wasser per Schlauch von der Grabenstraße und vom MV-Pavillon sowie per Steigleitung vom E-Werk Auch zum Schloss befördert werden. Doch so weit kam es letztlich gar nicht. Nach knapp 40 Minuten musste die Übung abgebrochen werden.
Bis dahin sei „prinzipiell alles in Ordnung“ gewesen, bilanzierte Fais. Aufgrund eines gleichzeitigen realen Einsatzes in Bietigheim-Bissingen hätte es ein Problem mit dem Funk gegeben. 16 Fahrzeuge und 120 Mann von der Feuerwehr, zwei Fahrzeuge und elf Personen der Vaihinger Schnelleinsatzgruppe, ein Rettungwagen samt Besatzung sowie ein Notarzt waren im Einsatz. Wenngleich für viele von ihnen die Übung abgeblasen wurde bevor sie überhaupt begonnen hatte, hatten sie dennoch ihren Spaß. Der Grund: In der Mensa des CJD Jugenddorfes wurden alle mit leckeren Würstchen bewirtet.


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