Mittwoch, 23. Mai 2012

Feuriger Abschluss des Kultursommers


Feuerwerk zum Kultursommer-Finale. Foto: Arning
Feuerwerk zum Kultursommer-Finale. Foto: Arning

Vaihingen (aa) – Grandioses Finale des Vaihinger Kultursommers 2008. Das am Kaltenstein abgebrannte Musikfeuerwerk begeisterte am Sonntagabend das Publikum. Doch es soll hier nicht verschwiegen werden, dass es auch Bürger gab, die sich kurz vor Mitternacht heftig gestört fühlten.
„Big Bom “ besorgte ein Rhythmus-Feuerwerk und wollte am Sonntagabend kaum aufhören. Die Musiker um Georgie Hocker waren in Trommellaune und wollten dann unbedingt auch noch das Publikum zum Tanzen vor die Bühne lotsen. Feuerwerks–termin 23 Uhr hin oder her. Es hat tatsächlich geklappt mit dem Tanzen, auch wenn sich die Vaihinger damit schwer tun, was sicher nicht nur am Holzschnitzeluntergrund lag. Und der Oberbürgermeister musste natürlich auch noch etwas sagen, zum Beispiel den Sponsoren des Kultusommers herzlich danken. Da lag das Schloss schon lange im Dunkeln. Pyrotechniker Helmut Hörig aus Rodalben wartete ungeduldig auf das Startzeichen. Der Profi-Feuerwerker aus der Pfalz war vom Vaihinger Sprengmeister Lothar Rapp empfohlen worden, denn Hörig gilt als absoluter Experte. Er setzte zum Beispiel die Leichtathletik-WM in Athen ins rechte Feuerwerkslicht. Wenn Daimler was zu präsentieren hat, ist er dabei.
Ein Musikfeuerwerk hat in Vaihingen Seltenheitswert. Hörig hatte für die Elf-Minuten-Schau am Kaltenstein die Olympiafanfare von 1996 herausgesucht, dann als Hauptteil „Music“ von John Miles und zum Finale „Samba do Brasil“. „Die Abstimmung am Computer hat alleine acht Stunden gedauert“, erzählte Hörig der VKZ. Sieben Abschussstellen hatte er in den Weinbergen des Jugenddorfs. 84 Kilogramm Pulver wurden in die Luft geschossen. „Es gab eine kleine Lücke“, meinte Hörig selbstkritisch, „aber die dürfte nicht weiter aufgefallen sein.“ Das Vaihinger Publikum am Enzdamm war auf jeden Fall begeistert. „Sagenhaft“ und „Weltklasse“ waren Aussagen, die auf der Bühne in den Köpfwiesen zu hören waren.
Obwohl in den letzten Tagen ständig mit Berichten und Anzeigen über den Kultursommer berichtet worden war, wurden etliche Vaihinger vom Feuerwerk total überrascht. „Das war ja wie im Krieg“, meinte ein in der Grabenstraße wohnender Anrufer bei der VKZ, der aus dem Schlaf gerissen wurde „unvorstellbar laut, ein beängstigender Funkenregen, wir waren total geschockt.“ Man müsse doch zu so später Stunde über bewohnten Gebieten keine Feuerwerke mehr abbrennen, war seine Kritik, obwohl er auch zugab: „Es war wunderschön.“
Bei der Polizei gingen am Abend noch Anrufe ein; die Polizisten rückten auch zum Schloss aus und wollten die Genehmigung des Feuerwerkers sehen. Hörig hatte da aber kein schlechtes Gewissen: „Als Profifeuerwerker brauche ich keine Genehmigung, da genügt eine Meldung ans Ordnungsamt. Und zudem war die Stadt Vaihingen ja der Veranstalter.“ Auch bei der Stadtverwaltung gab es gestern Beschwerden. So sorgte der Kultursommer zum Abschluss dann doch noch für Wirbel.
„Organisatorisch
alles perfekt gelaufen“
Eine Nachbesprechung ist bei der Stadt am Donnerstag angesagt. Wie wird das Fazit ausfallen? Die VKZ hätte gestern gerne eine erste Einschätzung von Kulturamtsleiter Martin Morczinietz gehabt, doch der hatte sich für zwei Tage abgemeldet. „Es ist organisatorisch und von der Durchführung her alles perfekt gelaufen“, wagte sich an Stelle des Kulturamtsleiters der städtische Wirtschaftsförderer Thorsten Leupold aus der Deckung. Nur beim „Theaterhaus“ habe es mal einen Stromausfall gegeben. Die Zusammenarbeit mit den Partnern sei toll gewesen. Die Location, wie man neudeutsch den Veranstaltungsort bezeichnet, sei eine echte Entdeckung gewesen und gelobt worden.
Wo aber waren die Besucher? „Wir hatten drei Regentage und an den anderen Terminen nicht gerade Hochsommerwetter“, verteidigt Leupold das Konzept, mit dem bewusst auf einheimische Künstler gesetzt wurde. In der ersten Zusammenstellung liest sich das dann so: Gerade 128 (!) zahlende Gäste bei den drei Kinoabenden. Da hatte man sich jeden Abend mindestens eine derartige Besucherzahl erhofft, 140 Musikfreunde bei der Sinatra-Night, knapp über 100 Leute bei den drei Theateraufführungen, leere Ränge beim Dimbeldu-Theater. Fast nur Insider-Publikum beim Sänger-Festival… Lediglich der Abschlussabend bescherte ein einigermaßen volles „Haus“. Lag es neben dem schlechten Wetter vielleicht auch an den Preisen? 15 Euro für Laientheater oder Big-Band-Musik, 17 Euro für Trommler mit Feuerwerk. „Wir hatten hohe Produktionskosten und mussten für zehn Tage eine Infrastruktur schaffen“, ist die Rechtfertigung des Wirtschaftsförderers aus dem Rathaus. In zwei Jahren soll es übrigens wieder einen Kultursommer geben…


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