Mittwoch, 23. Mai 2012

Vaihinger Strahlensammler auf Platz 1


Die Gemeindevertreter bei der Feierstunde. Foto: Rücker
Die Gemeindevertreter bei der Feierstunde. Foto: Rücker

Kleinglattbach (sr) – Kreismeisterschaft und Bundesliga – bei diesen Worten lacht nicht nur Fußballfans das Herz. Bei den Solarkreismeisterschaften konnte Oberbürgermeister Gerd Maisch am Donnerstagabend stellvertretend für Vaihinger Solaranlagen-Besitzer die Siegerurkunde entgegennehmen. Zu diesem Zeitpunkt strahlte der OB heftiger als die energiespendende Sonne.
Die Party der Solarkreismeisterschaften stieg am Donnerstagabend auf dem Hof von Hans-Martin Gutjahr in Kleinglattbach – „kein Zufall“, betonte Vaihingens Oberbürgermeister Gerd Maisch, denn auf den Dächern des landwirtschaftlichen Betriebes verwandelt eine 25-Kilowatt-Fotovoltaik-Anlage Sonnenenergie in elektrischen Strom. 25000 Kilowattstunden elektrischer Arbeit können damit jährlich geleistet werden. Jeder, der seine Stromrechnung mit bangem Blick betrachtet, weiß, was das heißt. Immerhin rund zehn Haushalte werden durch den Gutjahrschen Elektronenfluss ökologisch korrekt mit Strom versorgt.
Die Energie der Sonne ist die Wiege nahezu allen Lebens. Als Solarthermie und mit Hilfe von Fotovoltaik-Anlagen greift sich der Mensch ein Stück von diesem umweltfreundlichen Energiekuchen ab. Als Anreiz, dieses Häppchen zu vergrößern, richtet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit der Zeitschrift Solarthemen seit 2001 eine Solarbundesliga aus. Zwei Jahre später rief die DUH und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisverband Ludwigsburg, eine Solarkreismeisterschaft für Ludwigsburg ins Leben.
„Veranstaltungen wie heute sind wichtig, um das Thema Solarenergie immer wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken“, stellte OB Maisch kurz vor der Preisverleihung fest. In der Kategorie mittelgroße Städte, 10000 bis 99999 Einwohner, sahnte Vaihingen mit 70 Punkten den ersten Preis im Kreis Ludwigsburg ab. Das Punktwertesystem ist keine leichte Kost: Es fließt die Wattzahl pro Einwohner ein, bei der Solarthermie die Quadratdezimeter pro Einwohner, Bonuspunkte und weitere Daten werden berücksichtigt und die Ligapunkte schließlich mit Hilfe einer beeindruckenden Formel ermittelt. Zum Vergleich: Kreis-Gesamtsieger mit einer Punktzahl von 176 ist Hessigheim, das seinen Vorsprung ausbauen konnte. Vaihingen, das im letzten Jahr noch auf Platz fünf dümpelte, konnte den Vorjahressieger Besigheim (65) sowie Bietigheim (47) und Markgröningen (46) deutlich hinter sich lassen. Der Sieg Vaihingens ist natürlich in erster Linie den Bürgern zu verdanken, die mit ihren Solaranlagen Ligapunkte für ihre Stadt sammeln. Zum anderen startete aber auch das Vaihinger Agendabüro im letzten Jahr eine Umfrage, um die Daten zu aktualisieren. „Diese Aktion wurde von unseren Bürgern mit viel Engagement unterstützt, hierfür recht herzlichen Dank“, so Uta Wamsler vom Agendabüro. Gündelbach rangiert stadtintern auf Platz eins der Sonnenstrahlen-Sammler. Für die Gesamtstadt ergeben sich in Sachen Solarenergie folgende Zahlen für 2008 – Fläche solarthermischer Kollektoren: 3191,23 Quadratmeter; Fläche unverglaster Absorber (Schwimmbad): 650 Quadratmeter, Gesamtleistung der installierten Fotovoltaikanlagen: 1966,95 Kilowatt. Bei der Solarbundesliga landet Vaihingen – bis jetzt – mit seinen 70 Punkten auf Platz 324. „Doch der Wettbewerb in der Solarbundesliga ist noch nicht abgeschlossen“, ermuntert Wamsler zu weiteren Meldungen.
„Die Solarenergie boomt“, freut sich auf dem Gutjahr-Hof auch Stefan Flaig, Vorsitzender des BUND Kreisverbands. Vor der Urkundenübergabe an die Vertreter der Gewinner-Gemeinden gerät Flaig allerdings hörbar in Wallung: „Der große Schub bei regenerativen Energien bleibt leider aus.“ Eine der Ursachen sieht der BUND-Mann in der neu entflammten Diskussion um Atomkraftwerke. Flaig: „Kaum ein Thema, bei dem so viele Nebelkerzen geworfen werden.“ In Sachen CO2-Reduktion bringe Atomkraft kaum etwas. Nur rund drei Prozent der gesamten Energieproduktion weltweit basiere auf Atomkraft. Kernkraft sei keinesfalls klimaneutral, auch hier bestehe das Problem der endlichen Ressource und man dürfe nicht vergessen, dass „der billige Atomstrom hochsubventioniert ist“, so Flaig – von der Endlagerfrage einmal ganz abgesehen. Wenn von der drohenden „Stromlücke“ die Rede ist, geht das dem Solarstrom-Fan über die Hutschnur: „Deutschland war 2006/2007 größter Stromexporteur. Wir haben so viel Kapazität, wir könnten derzeit alle Atomkraftwerke abschalten, ohne dass das Licht ausgeht.“ Solange mit Kernenergie hochsubventionierter Strom erzeugt wird, würden regenerative Energien gebremst, ist sich Flaig sicher. FDH, fahr die Hälfte, und HDH, heiz die Hälfte, sei für die Zukunft geboten. Momentan, so der BUND-Kreisvorsitzende, gebe es günstige Kredite für Haussanierungen.
Relativ entspannt klang Gustav Bächler, BUND-Kreisvorstandsmitglied, der die Tabellenplatzierungen der Kommunen im Blick hat: „Als alter Fußballer macht das Spaß, die Ergebnisse einzuholen.“ Von den 39 Gemeinden in Ludwigsburg haben 27 an den Solarkreismeisterschaften teilgenommen, verkündet Bächler, der eine Vision hat: Auch in seiner Vorbildfunktion für die Enkel hoffe er, dass in nicht allzu ferner Zukunft europa- und sogar weltweite Solarmeisterschaften ausgetragen werden.
Daten von Solaranlagen nimmt Uta Wamsler vom Agendabüro Vaihingen telefonisch unter (07042) 18290 oder per E-Mail agenda@vaihingen.de entgegen. Informationen zum Wettbewerb im Internet unter www.solarbundesliga.de.


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