Mittwoch, 23. Mai 2012

Zelter-Plakete für MGV


Verleihung der Zelter-Plakette im Staatsministerium. Foto: Arning
Verleihung der Zelter-Plakette im Staatsministerium. Foto: Arning

Hohe Ehre für den Männergesangverein Vaihingen: Ministerpräsident Günther H. Oettinger hat die Sänger am Dienstagabend in der Villa Reitzenstein empfangen und ihnen die Zelter-Plakette überreicht. Beobachtungen vom Empfang im Stuttgarter Staatsministerium.
Die 30 Sänger reisen schon früh mit dem Bus an. Sie sollen noch eine Führung durch die Villa Reitzenstein erhalten. Protokollchef Edmund Kammerer und eine Mitarbeiterin erzählen kurzweilig und machen bedeutungsvoll auf Interna aufmerksam. Die Gäste aus dem Wahlkreis des Ministerpräsidenten sollen sich wichtig fühlen. Wichtig nimmt auch Oberbürgermeister Gerd Maisch die Ehrung für den Chor. Er reist hinterher und muss sich über den dicken Verkehr ärgern. Doch es reicht noch, denn der MP kommt (natürlich) etwas später.
 Immer wieder klingelt das Handy von Edmund Kammerer. „Jetzt fünf Minuten“ , heißt es um 20.25, „er sitzt schon im Auto.“ Oettinger hatte Verpflichtungen bei einem 70. Geburtstag eines Stuttgarter Stadtrates. Und auch beim Sommerfest der Landtags-SPD musste er sich sehen lassen. Aber dann steht der Vaihinger Männerchor im Mittelpunkt.
20.34 Uhr. Oettinger betritt den Gobelin-Saal. Alle spritzen auf. Ohne lange Vorrede geht‘s los mit der Ehrung. „Schön, dass alle gekommen sind“, findet Oettinger. Er erzählt von einer Prunksitzung aus dem Jahre 1983: „Da habe ich mich sauwohl gefühlt am Klavier.“ Die Männer mit den grauen Haaren nicken wissend. Die meisten waren auch damals schon dabei.
Oettinger zeigt sich gut informiert. Heute sei Sängerkamerad Linke zu Grabe getragen worden, weiß er. Der Vaihinger Männergesangverein wird vom Ministerpräsidenten als einer der musikalisch stärksten Chöre im Bereich des Schwäbischen Sängerbundes gelobt. Vom fröhlichen Volkslied bis zu kirchlichen Weisen beherrsche er die ganze Palette des Gesangs. Der MGV leiste als ältester Kulturträger der Stadt Vaihingen einen wichtigen Beitrag zur Wahrung und Verbreitung von Musik und Gesang.
„Ihr seid alt geworden und jung geblieben“, ruft er den Männern um den Vorsitzenden Manfred Schmalzried und Chorleiter Dr. Frano-Pallesche zu. Oettinger lobt den Gesang als Kulturgut von besonderer Bedeutung. „Gesang ist im Grund genommen die Krönung der Musik“, findet er. Neudeutsch ausgedrückt sei in den Chören hier auch echtes Teamwork angesagt.
Mit stolzer Brust übernehmen dann Vorsitzender Schmalzried, sein Stellvertreter Konrad Zluhan und Chordirektor Frano-Pallesche die Zelter-Plakette. Die Urkunde dafür hat Bundespräsident Horst Köhler unterschrieben. Mit der im Jahre 1956 von Bundespräsident Theodor Heuss gestifteten Plakette – benannt nach dem deutschen Komponisten und Musikprofessor Friedrich Zelter (1758 bis 1832) – wird das langjährige und verdienstvolle Wirken eines Vereins um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes gewürdigt. Die Verleihung ist frühestens aus Anlass des 100-jährigen Bestehen eines Chores möglich.
„Bei den letzten Jubiläen wurde die Beantragung wohl versäumt“, meint Vorsitzender Schmalzried in seiner Dankesrede, „zum 175-jährigen Bestehen unseres MGV ist es jetzt höchste Zeit geworden.“ Schmalzried hat eine Jubiläums-CD für den MP dabei und übergibt auch ein Bild. Kleine Geschenke müssen schon sein.
Auch Vize Zluhan hat in seinen Unterlagen gekramt und einen Zettel von einem Stammtisch in der „Wilhelmshöhe“ mit Oettingers Unterschrift vom 15. März 1984 gefunden.
 Beim Stichwort Stammtisch kommt Oettinger ins Schwärmen. Die „Wilhelmshöhe“ in Vaihingen sei als Wirtschaft geradezu legendär gewesen. Und es habe eine tolle Bratwurst gegeben. Rau, aber herzlich sei es da zugegangen. Das kann ein mitgereister Ex-Sänger nur bestätigen. CDU-Stadtrat Ulrich A. Berberich hat so manchen Skat mit Oettinger geklopft. „Auch heute spielen wir ab und zu noch“, erzählt er, „aber er hat jetzt halt viel weniger Zeit als früher.“
Zeit hat der Ministerpräsident auch an diesem Dienstagabend kaum. Um 21 Uhr lädt er die Sänger auf die Terrasse zu einem Umtrunk und zu Häppchen ein. „In einer Viertelstunde muss ich aber weg“, beugt er vor. Da trällert man dann noch schnell zwei Lieder. „Nicht zu laut, auch wenn wir im Freien singen“, gibt Frano-Pallesche die Anweisung. „Im Abendrot“ schallt es durch den Garten der Villa. Und der MP singt kräftig mit. Immerhin ist er ja seit vielen Jahren auch einfaches Mitglied im Männergesangverein. Albert Arning


Seitenanfang