Das war (beinahe) ein Auftakt nach Maß. Mit zwei fulminanten Veranstaltungen startete der Vaihinger Kultursommer 2008 am Wochenende in einen zehntägigen Marathon. Ein Trommel-Feuerwerk mit Rhythmen aus aller Welt sowie anspruchsvoller Chorgesang aus der Region machen hungrig auf die nächsten Ereignisse am Ufer der Enz.
Bange Blicke richteten sich am Freitagabend gen Himmel. Denn eine halbe Stunde bevor die Gruppe Big Bom mit ihren exotischen Trommelwirbeln loslegen wollte, schüttete es wie aus Kübeln. Schirme und Regencapes dominierten die Szenerie. Oberbürgermeister Gerd Maisch, Kulturamtsleiter Martin Morczinietz und Wirtschaftsförderer Thorsten Leupold sahen sich ratlos an. Die Veranstaltung abblasen oder hoffen auf Wetterbesserung? Nach kurzer Absprache mit den vier Percussion-Spezialisten dann der Kompromiss: Noch 15 Minuten warten. OB Maisch stellte sich ans Mikrofon, um die rund 70 Zuschauer darüber zu informieren. Doch das Open-Air-Publikum war guter Dinge und wollte sich das Spektakel keinesfalls entgehen lassen: „Anfangen!“ Da ließen sich Jürgen Braun, Rainer Dörrer, Till Ohlhausen und Georgie Hocker von Big Bom nicht lange bitten und stürmten unter Beifall auf die Bühne. Kurios: Werden in afrikanischen Ländern die Trommeln dafür benutzt, um Regen herbeizubitten, geschah am Enzdamm das Gegenteil: Der Regen hörte mit den ersten Trommelschlägen auf.
Was in den nächsten gut anderthalb Stunden folgte, ließ den Enzdamm beben. Mit einem Mix tropischer Rhythmen aus Kuba, Brasilien und Afrika begeisterte Big Bom das Publikum. Das Repertoire an verschiedenen Rhythmen schien ebenso unendlich zu sein, wie die Anzahl der verwendeten Instrumente. Dazu ein mehrstimmiger Gesang und eine kubanische Tänzerin (Ileana Camue), die das Rhythmus-Feuerwerk mit ihrem Körper perfekt zum Ausdruck brachte. Kein Wunder, dass es einige, vorwiegend weibliche, Zuschauer nicht mehr auf den Sitzplätzen hielt. Mittanzen war angesagt – zumal Lokalmatador Georgie Hocker hierfür alles an Überredungskunst aufbieten musste.
Tags drauf das Kontrastprogramm: Chorgesang dominierte das Geschehen am Enzdamm und auf dem Marktplatz. Akkordarbeit für den Vaihinger Männerchor. Bühnenaufbau auf dem Marktplatz, Aufstellen der Biertisch-Garnituren, Einrichten der Verpflegungsstände, Singen bei gleich zwei Veranstaltungen und anschließend wieder alles abbauen – der Jubilar hatte bei den Feierlichkeiten zu seinem 175-jährigen Bestehen alle Hände voll zu tun.
Abwechslungsreich die Darbietungen am Enzufer. Mit schönem Blick auf Schloss Kaltenstein genoss das Publikum die Auftritte des Löwenchors der Vaihinger Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, des Kinderchors des Liederkranz Enzweihingen, des Vaihinger Männerchors sowie des Vaihinger Kammerchors. Da durfte auch – wie am Maientag – der gemeinsame Auftritt des Männerchors und des Löwenchors nicht fehlen. Und es bot sich sogar an, bei einem Kanon das Publikum mit einzubeziehen.
Die Hauptveranstaltung am Abend musste aus Platzgründen auf dem Marktplatz stattfinden, damit die Mitglieder von insgesamt acht Chören auch Platz fanden. Unter der Mitwirkung des Männerchors Vaihingen, des Kammerchors Vaihingen, des Liederkranz Nussdorf, des Liederkranz Sersheim, der gemeinsam mit dem Liederkranz Gündelbach auftrat, des Liederkranz Kleinglattbach, des Sängerbunds Männerchor Horrheim und des Liederkranz Enzweihingen wurde den Zuschauern ein Chorkonzert der Spitzenklasse geboten. Volkslieder aus ganz Europa, Gospels, Trinklieder aber auch klassische Literatur sorgten für genügend Abwechslung. Da wurde, was den Kultursommer 2008 anbelangt, Appetit gemacht auf mehr.
Für gestern Abend stand das Theaterhaus und Dario Fo’s „Ruhe, wir stürzen ab!“ auf dem Programm (Bericht folgt). Von heute (14. Juli) bis Mittwoch (16. Juli) ist am Ufer der Enz in den Köpfwiesen jeweils ab 21.30 Uhr Open-Air-Kino angesagt. Die Filme, die gezeigt werden: „Free Rainer“ (Montag), „Auf der anderen Seite“ (Dienstag) und „Die Fälscher“ (Mittwoch). In diesem Zusammenhang weist Kulturamtsleiter Martin Morczinietz darauf hin, dass das eigentliche Vaihinger Open-Air-Kino vom 8. bis 17 August hinter der Stadthalle stattfindet. Frank Elsässer
