Mittwoch, 23. Mai 2012

Schaulaufen der vier Versionen


Großes Interesse herrschte an den vier Entwürfen. Foto: Elsässer
Großes Interesse herrschte an den vier Entwürfen. Foto: Elsässer

Kleinglattbach (elf) – Welches Aussehen soll das neue Wohngebiet Kleinglattbach-Süd II bekommen? So lautete die Frage beim Bürgergespräch am Donnerstagabend in der Halle im See. Rund 100 Interessierte waren gekommen, um den Erläuterungen der Stadtverwaltung zu den vier städtebaulichen Entwürfen zuzuhören.
Ortsvorsteherin Sieglinde Kühnle war enttäuscht. Nicht weil Oberbürgermeister Gerd Maisch erst später zu der Veranstaltung stieß – er war bei einer Veranstaltung des Friedrich-Abel-Gymnasiums, wo Ministerpräsident Günther Oettinger sprach –, sondern weil der komplette Vaihinger Gemeinderat durch Abwesenheit auffiel. „Da wäre etwas mehr Interesse angebracht gewesen“, sagte Sieglinde Kühnle. Interesse zeigten dagegen die Anwesenden, die aufmerksam die Vorstellung der einzelnen Planentwürfe durch die beiden Mitarbeiter des Stadtplanungsamts Ernst Loos und Stephan Sure verfolgten.
Kleinglattbach Süd I sei inzwischen zu 80 Prozent bebaut, was die Erweiterung durch Süd II notwendig mache, sagte Ernst Loos. Wegen seiner Bahnhofsnähe und der guten ÖPNV-Anbindung sei Süd II ein Wohnungsschwerpunkt. Entlang der Adenauerstraße zwischen Vaihingen und Kleinglattbach sei ein Lärmschutzwall von vier bis fünf Meter Höhe nötig. Die verkehrliche Anbindung soll nach Möglichkeit über die Adenauerstraße, den Oberriexinger Weg sowie über die Wilhelmstraße erfolgen. Bis das gesamte Gebiet, das in drei bis fünf Abschnitten realisiert werden soll, bebaut ist, werde es rund 20 Jahre dauern.
Entwurf I von der ARP Architektenpartnerschaft in Stuttgart geht von einer Gesamtfläche von 27,6 Hektar, davon 17,3 Hektar Baufläche, aus und beinhaltet 958 Wohneinheiten (Reihenhäuser, Doppelhäuser, Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Mehrfamilienhäuser). Das Konzept sieht fünf Bauabschnitte vor mit einem Grünstreifen zwischen Süd I und Süd II. Durch eine gruppierte Anordnung der Wohneinheiten entsteht hier eine so genannte Quartierbildung zur Förderung der Nachbarschaften. Jedes der fünf Quartiere verfügt über einen Platz mit Grünfläche. Die Verkehrsanbindung erfolgt über die Adenauerstraße mit einem Kreisverkehr nahe des Hungerbachs, über den Oberriexinger Weg sowie an drei weiteren möglichen Stellen zu Süd I. Die Erschließungs- und Wohnstraßen verlaufen in Kurven und Schleifen. Die Gebäude sollen Satteldächer oder begrünte Pultdächer erhalten. Der Entwurf sieht maximal drei Vollgeschosse vor.
Entwurf II von Lehnhoff + Partner in Stuttgart weist 31,4 Hektar Gesamtfläche mit 15,8 Hektar Bauflächen aus und enthält 580 Wohneinheiten. Unterschiedliche Gebäudetypen gewährleistet ein Wohnen ohne Altersbeschränkung. Die Anbindung an die Adenauerstraße erfolgt ebenfalls über einen Kreisverkehr am Hungerbach sowie über den Oberriexinger Weg. Die Anbindung an Süd I geht nur über die Wilhelmstraße. Die Erschließungsstraßen sind geradlinig mit vielen Stichstraßen und ohne Gruppierung von Wohneinheiten. Alle Häuser erhalten Pult- oder begrünte Flachdächer und haben maximal vier Geschosse. Wie in Entwurf I sind auch hier alle Bauformen vorgesehen. Die Häuser haben eine weitgehende Ausrichtung nach Süden.
Entwurf III vom Stuttgarter Planungsbüro Nölle benötigt 25,8 Hektar Fläche mit insgesamt 16,2 Hektar Bauflächen und 754 Wohneinheiten. Der Entwurf sieht eine Übernahme des Prinzips „Siedlungsschlaufe“ aus Süd I vor, liegt damit gestalterisch am nächsten zum jetzigen Baugebiet und enthält einen zentralen Platz. Die vier Bauabschnitte ermöglichen ein kontinuierliches Gebietswachstum. Die Anbindung an die Adenauerstraße erfolgt über eine Kreuzung östlich vom Naturraum Hungerbach und über den Oberriexinger Weg. Die Anbindung an Süd I geht an den drei möglichen Stellen. Die Erschließungsstraßen verlaufen schleifenförmig. Alle Bauformen mit maximal vier Vollgeschossen sind vorgesehen. Der Bereich des Hungerbachs wird für Naherholung und Ausgleichsmaßnahmen genutzt.
Lediglich 25 Hektar Gesamtfläche mit 11,2 Hektar Bauflächen und 511 Wohneinheiten enthält Entwurf IV vom Büro Wick + Partner in Stuttgart. Das Gebiet entwickelt sich entlang eines so genannten „Grünen Bands“, das den südlichen Rand von Süd I abschließt. In dem Entwurf sind die Wohnquartiere deutlich gekennzeichnet und durch Grün geteilt und mit Plätzen versehen. Die Anbindung an die Adenauerstraße erfolgt ebenfalls per Kreisverkehr oder Kreuzung am Hungerbach sowie über den Oberriexinger Weg. Die Anbindung an Süd I ist an den drei möglichen Stellen vorgesehen. Die innere Erschließung erfolgt über Schleifen mit zweimaliger Anbindung an die Haupterschließungsachse. Alle Bautypen bis zu vier Geschossen sind enthalten. Der gesamte Entwurf ist durchzogen von einem Fußwegsystem.
Alle Pläne sind bis 18. August beim Stadtplanungsamt der Stadt Vaihingen einzusehen und können auch unter www.vaihingen.de angesehen werden. Anschließend werden die eingegangenen Anregungen zusammengefasst. Dann wird sich auch zeigen, ob sich einer der Entwürfe aufdrängt und wie er modifiziert wird. Dann wird für den ersten Abschnitt von Süd II ein Bebauungsplanentwurf aufgestellt.
In der anschließenden Diskussion gab es einige Anregungen von Bürgern. So wurden Sportstätten ebenso gefordert wie ein Schallschutz für die bestehende Bebauung der Adenauerstraße. Letzterer erteilte Stadtplaner Loos eine Absage, da beim Neubaugebiet andere Werte gefordert werden. Ein Bürger vermisste die konsequente Ausrichtung der Häuser nach Süden. Ein weiterer forderte die Weiterführung der Wilhelmstraße zur Adenauerstraße. Ferner wurden Bedenken geäußert, dass sich schnell ein Schleichverkehr aus Kleinglattbach durch Süd II zur Anbindung an die Adenauerstraße in Richtung Bahnhof bilden könnte. Weiter wurde eine Südostumgehung Kleinglattbachs angeregt und ein Ortsmittelpunkt für Kleinglattbach gefordert. Auf die Frage, wann es den losgehen könnte mit Süd II, hieß es nicht vor anderthalb bis zwei Jahren. Als Grundstückspreis könne von rund 300 Euro pro Quadratmeter ausgegangen werden.


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