Mittwoch, 23. Mai 2012

Scheint die Sonne in Vaihingen weniger?



Müssen die Vaihinger nach der Sonne suchen? Laut einer Erhebung scheint sie in der Enzstadt knapp 30 Minuten kürzer am Tag als in Ludwigsburg. Foto: Rücker

Vaihingen/Ludwigsburg – Die Vaihinger sind gegenüber den Ludwigsburgern benachteiligt, wenn es darum geht, wie lange in welcher Stadt pro Tag die Sonne scheint. Das hat eine Erhebung des Wetterdienstes Meteomedia ergeben. Die Daten des Deutschen Wetterdienstes wiedersprechen dieser Feststellung allerdings.

Im Durchschnitt schien im ersten Halbjahr des Jahres 2008 in Ludwigsburg die Sonne 5 Stunden und 42 Minuten lang pro Tag. In der schönen Enzstadt Vaihingen sieht die Sache ein bisschen anders aus: Hier hat die Sonne sich im ersten Halbjahr durchschnittlich nur 5 Stunden und 14 Minuten pro Tag blicken lassen. Das haben Messungen des Wetterdienstes Meteomedia ergeben.

Sind die Vaihinger also benachteiligt, weil sie weniger Sonne abbekommen, als die Bürger der Stadt Ludwigsburg? „Nein“, sagt der Wetterexperte Dr. Hans Schipper, der im Süddeutschen Klimabüro an der Universität Karlsruhe die Daten des Deutschen Wetterdienstes – ein Konkurrenzdienst von Meteomedia – ausgewertet hat. In den Aufzeichnungen blätterte er beinahe 50 Jahre zurück und stellte fest: zwischen Vaihingen und Ludwigsburg gibt es beinahe keine Unterschiede. Und auch der Enzkreis steht nicht besser da, als Vaihingen. Mühlacker habe im Schnitt drei Minuten mehr Sonne.

„Es kommt darauf an, wo die Messstationen stehen“, sagt Schipper. Über das Netz der Messstationen von Meteomedia könne er nichts genaues sagen. Die des Deutschen Wetterdienstes seien aber gut aufgestellt, weiß der Klimaforscher. Meteomedia hat nach eigenen Angaben jeweils in Vaihingen und in Ludwigsburg eine Station, die Daten liefert.

In Vaihingen sei an 182 Tagen in 282 Metern Höhe und in Ludwigsburg in einer Höhe von 295 Metern gemessen worden. Aber auch das sei eigentlich unerheblich, sagt Dr. Hans Schipper. „Wenn Wolken da sind, kommt keine Sonne durch, egal ob die Station in 200 oder 300 Metern Höhe steht.“ Es könne natürlich sein, dass es am Standort der Station in Vaihingen ab und zu schattiger gewesen sei als in Ludwigsburg, das heiße aber nicht, dass am anderen Ende der Stadt die Sonne nicht durchkam.

Und so hat Meteomedia den Sonnendurchschnitt errechnet: Die Anzahl der im ersten Halbjahr 2008 gemessenen Sonnenstunden wurde durch die Anzahl der Tage geteilt, an denen die Stationen Daten geliefert haben. In diesem Fall waren es in Vaihingen 952 Sonnenstunden in 182 Tagen, in Ludwigsburg 1038 Stunden.

Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Jahres 2007 sind übrigens beide Städte schlechter weggekommen. Vor einem Jahr schien in Vaihingen die Sonne in den ersten 172 Tagen 1052 Stunden – das ergibt einen Durchschnitt von 6 Stunden und 7 Minuten pro Tag. In Ludwigsburg waren es damals 6 Stunden und 31 Minuten.

Die Daten von insgesamt 497 Wetterstationen in der Bundesrepublik wurden ausgewertet. Im deutschlandweiten Meteomedia-Ranking liegt Vaihingen in diesem Jahr auf Platz 273. Ludwigsburg schaffte es mit seinen knapp 30 Minuten mehr Sonne pro Tag auf Platz 78. Das Schlusslicht der Rangliste bildet die Gemeinde Hainichen im sächsischen Landkreis Mittweida mit 4 Stunden und 41 Minuten Sonne pro Tag.

Der Spitzenreiter ist Hiddensee-Dornbusch auf Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Auf der Ostsee-Insel schien die Sonne mit 6 Stunden und 57 Minuten am längsten im gesamten Bundesgebiet. Insgesamt konnten 35 Wetterstationen mehr als sechs Stunden Sonnenschein täglich verzeichnen. Darunter finden sich vor allem Stationen an Nord- und Ostsee, etwa auf Fehmarn, der Hallig Gröde und in Heiligendamm.

Im Süden Deutschlands schien in den vergangenen Monaten verhältnismäßig selten die Sonne, sagt der Meteorologe Michael Beisenherz von Meteomedia. „Verantwortlich dafür sind Tiefdruckgebiete im Mittelmeerraum, die in diesem Jahr recht häufig aufgetreten sind und bis hin zum Alpenrand oft für Bewölkung gesorgt haben.“ Und das wird sich laut dem Wetterdienst so schnell auch nicht ändern: Bis zum Sonntag sagt Meteomedia überwiegend Wolken, Schauer und vereinzelt etwas Sonne voraus.

Philipp-Marc Schmid


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