Mittwoch, 23. Mai 2012

Ortsumfahrung Enzweihingen


Wie sieht die Anbindung am Vaihinger Eck aus? Foto: Bögel
Wie sieht die Anbindung am Vaihinger Eck aus? Foto: Bögel

Vaihingen (ub) – Die einen sprechen schon von einer „Carrera-Autobahn“, die anderen titeln ein „Wahnsinns-Bauwerk“. Die aktuelle Planung für die Ortsumfahrung von Enzweihingen und dabei vor allem die Anbindung am Vaihinger Eck beschäftigt derzeit die kommunalen Gremien. Der Doppelknoten mit diversen Rampen erinnert an ein Autobahnkreuz. Der Diskussionsbedarf ist garantiert.
Am Montagabend beschäftigte sich der Stadtteilausschuss des Vaihinger Gemeinderats mit dem Thema, gestern Abend diskutierte der Ortschaftsrat Enzweihingen. Dabei geht es nicht um die förmliche Beteiligung der Stadt zu den Planungen des Regierungspräsidiums, sondern lediglich um eine aktuelle Informationen der derzeitigen Planungen.
Im Oktober 2007 hat der Gemeinderat den Vorentwurf der drei Umgehungsvarianten beraten. Zwar sei, so der damalige Beschluss, der Tunnel immer noch die beste Lösung, aber wenn es eine Umgehung gebe – dann basierend auf der Variante A. Diese Trasse schwenkt von Stuttgart kommend im Bereich des Strudelbachs nach Nordwesten ab, durchquert das ehemalige Blum-Gelände am Nordrand des Enzweihinger Gewerbegebiets, bis die Enz überquert wird. Dabei ist vorgesehen, die K 1685 aus Richtung Oberriexingen im Bereich des alten Steinbruchs höhenfrei an die B 10 anzubinden. Drei Fahrstreifen waren geplant, die Anbindung nach Vaihingen durch zwei ampelgeregelte Einmündungen.
Nach dem aktuellen Stand der Planungen haben sich jetzt aber einige Änderungen ergeben. Die Variante A (Kosten rund 26,4 Millionen; Tunnel 41 Millionen Euro) wird um eine Fahrbahn abgespeckt. Aus naturschutzrechtlichen Aspekten wird jetzt eine zweistreifige Führung der B10 weiter verfolgt (die VKZ berichtete). Die modifizierte Variante sieht auch eine „Optimierung“ der Knotenpunkte vor. So wird die bei der bisherigen Planung versetzte Einmündung am Verknüpfungspunkt mit Vaihingen nun als kreuzungsfreie Lösung geplant. Die Kreisstraße verläuft von Enzweihingen kommend neben der alten Bahntrasse, überquert die neue B10 und schwenkt dann über das Gelände der Straßenmeisterei nach Westen ab (falls diese Planung so realisiert werden sollte, werden im Landratsamt Ludwigsburg Alternativstandorte für die Straßenmeisterei gesucht). Die Tankstelle, die weiter in Betrieb bleiben kann, aber nicht mehr direkt an die B 10 angeschlossen ist, wird südlich umfahren. Die Rampe von und zur neuen B 10 ist mit einem Knoten mit Ampel in Höhe der Zufahrt zur Tankstelle/Burger King vorgesehen. Die Zufahrt nach Stuttgart geht über eine Rampe südlich der neuen Kreisstraßenbrücke über die B10. Der Knotenpunkt der neuen B10 mit der K 1685 nach Oberriexingen wird so konzipiert, dass auf zwei nebeneinander liegende Ampeln verzichtet werden kann. Hierfür ist im Vergleich zur ursprünglichen Variante A zwar ein längeres und breiteres Unterführungsbauwerk für die K1685 nötig, dafür erhöht sich die Leistungsfähigkeit.
„Wir wollen diese aktuellen Informationen einschieben“, so der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch. Die förmliche Beteiligung der Stadt ist aber erst beim Planungsverfahren, also dem eigentlichen Genehmigungsverfahren, ab Frühjahr 2009. Und bis dahin wird es noch jede Menge Diskussionen geben.
Nach Informationen unserer Zeitung soll sich noch in diesem Monat eine Bürgerinitiative aus Naturschützern gründen. Ihr Ziel: Rettet das Enztal. Nach dem Bürgerzusammenschluss gegen einen Tunnel in Enzweihingen formiert sich damit der Widerstand gegen eine Umfahrung.
Auch der Stadtteilausschuss meldete am Montagabend Bedenken gegen die modifizierte Variante A an. Vor allem die Anbindung am Vaihinger Eck weckt Unbehagen. Bei einer Abstimmung gab es eine klare Mehrheit, dass man auch die ursprüngliche Variante A mit zwei ampelgeregelten Einmündungen am Vaihinger Eck im Rennen lassen solle.
Und noch weitere Prüfungsaufträge an die Verwaltung gab der Stadtteilausschuss, die dann zusammen mit den Anregungen des Ortschaftsrates Enzweihingen gebündelt als Vorlage bei den Sitzungen des Technischen Ausschusses und des Gemeinderats auf dem Tisch liegen sollen. So wird eine Visualisierung der Planungen gewünscht, die Anbindung der Feldwege im Westen müsse geklärt werden und wie ein Anschluss in Vaihingen ohne die Nebenbahn aussehen könne.
Hier hat allerdings der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung beschlossen, dass der Erhalt der Nebenbahn im Regionalplan festgezurrt bleibt. „Da brauche ich schon klare Signale aus den Fraktionen, damit ich diesen Punkt wieder auf die Tagesordnung setze“, so Oberbürgermeister Maisch.
Einige Stimmen aus der zweistündigen Debatte im Stadtteilausschuss: „Die Zufahrt aus Richtung Stuttgart nach Vaihingen ist mit dem neuen Knoten nicht mehr so optimal wie seither“, monierte Uwe Schwarz. Jürgen Rapp zur Aufgabe der Dreistreifigkeit der Umfahrung: „Aus Naturschutzgründen verzichten wir auf mehr Sicherheit auf der Straße. Und von Bürgern habe ich gehört, dass dieses Verfahren nicht ohne Enteignung läuft. Da bin ich erschrocken.“ Gerd Wilhelm: „Enteignungen darf es nicht geben.“ Eberhard Zucker: „Durch die Lärmschutzwände sieht man von Enzweihingen und Vaihingen nichts mehr.“ Harald Gaßner: „Es besteht Unbehagen zum jetzigen Zeitpunkt.“ Es gebe Konflikte zwischen dem Straßenbau und dem touristischen Interesse und zwischen dem Naturschutz und der Umgehungsstraße. Armin Zeeb: „Das ist eine Verschandelung und eine weitere Verlärmung von Enzweihingen und Vaihingen.“
Der Vorentwurf des Regierungspräsidiums Stuttgart für die Ortsumfahrung Enzweihingen soll im Sommer 2008 fertig gestellt werden und anschließend dem Innenministerium und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vorgelegt werden. Vorbehaltlich der Zustimmung des Bundes könnte dann das Planfeststellungsverfahren im Frühjahr 2009 eingeleitet werden. Spätestens dann werden die Bürger und die Stadt konkret gehört.


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