Enzweihingen (aa) – Die Planung für eine Ortsumfahrung von Enzweihingen wird immer konkreter. In dieser Woche wurden der Ortschaftsrat von Enzweihingen und der Vaihinger Stadtteilausschuss in einer gemeinsamen (nichtöffentlichen) Sitzung auf den aktuellen Stand der Dinge gebracht. Am Montag (Vaihingen) und Dienstag (Enzweihingen) wird öffentlich beraten. Wichtigstes Kriterium: Es sollen nur zwei Fahrstreifen werden. Optimierung wird das genannt.
Als Zwischenstand Vorentwurf werden die Informationen überschrieben. „Der Vorentwurf soll im Sommer fertiggestellt und anschließend dem Innenministerium und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vorgelegt werden“, meint der Planer aus dem Regierungspräsidium. Vorbehaltlich der Zustimmung des Bundes könnte das Planfeststellungsverfahren im Frühjahr 2009 eingeleitet werden.
„Wenn etwas kommt, dann eine Umgehung.“ Der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch hat das schon wiederholt betont. Und es läuft offensichtlich alles auf die Trasse im Enztal raus. 26,4 Millionen Euro werden für sie derzeit als Kosten für die Variante A, die als Stand der Planung vom August 2007 favorisiert wurde, geschätzt. Die Kostenanalyse für eine modifizierte Variante A soll im August vorliegen, für den Tunnel werden aktuell 41 Millionen Euro genannt.
Der Trassenverlauf wird von einer Vielzahl von Zwangspunkten bestimmt: Bahnstrecke, Enzaue mit Überschwemmungsgebieten, Fabrikgelände der ehemaligen Firma Blum (die große Halle steht nicht zur Verfügung), Erschließung für den Leinfelder Hof, Anschluss der Enzweihinger Steige, Querung der Enz…
Die Variante A (Stand der Vorplanung vom August 2007) schwenkt von Stuttgart kommend im Bereich des Strudelbachs nach Nordwesten ab, durchquert das Gelände der ehemaligen Firma Blum am Nordrand des Enzweihinger Gewerbegebietes, bis sie die Enz überquert. Dabei ist vorgesehen, die K1685 aus Richtung Oberriexingen im Bereich des alten Steinbruchs höhenfrei an die B10 anzubinden. Im Westen sollte Enzweihingen über die alte Führung der B10 östlich der Straßenmeisterei an die neue Umgehungsstraße angebunden werden. (Änderung in der aktuellen Planung). Der Querschnitt wurde damals einbahnig mit drei Fahrstreifen festgelegt (nach neuester Planung nur noch zwei Streifen). Die vorhandene Enzbrücke bleibt in Betrieb. Das heißt, der Verkehr zwischen der Kreisstraße 1648 und der K1685 wird aufgeteilt auf den Durchgangsverkehr, der die neue B10 nutzen wird, und den Quell - und Zielverkehr, der weiterhin auf der alten Trasse fahren könnte.
Weniger Eingriffe in
die Schutzgebiete
Um den Eingriff in das FFH-Schutzgebiet der Enz so gering wie möglich zu halten, wird nun eine zweistreifige Führung der Bundesstraße 10 weiter verfolgt. Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile haben die reduzierten Eingriffe in Natur und Landschaft sowie die geringeren Kosten gegenüber der nur etwa zehn Prozent höheren Leistungsfähigkeit einer dreistreifigen Variante A den Ausschlag gegeben.
Ein weiteres Optimierungsziel war die durchgehend kreuzungsfreie Führung der Bundesstraße. So wird die bei der bisherigen Planung versetzte Einmündung am Verknüpfungspunkt mit Vaihingen – Knoten neue B10/alte B10/K1648 (Stuttgarter Straße) – nun als kreuzungsfreie Lösung weiter verfolgt. Die Kreisstraße verläuft von Enzweihingen kommend neben der alten Bahntrasse, überquert die neue Bundesstraße 10 und schwenkt dann über das Gelände der Straßenmeisterei nach Westen ab. Die Tankstelle, die mit dieser neuen Konzeption weiterhin in Betrieb bleiben kann, wird südlich umfahren, um anschließend geradeaus an die Stuttgarter Straße anzuschließen.
Die Rampe von und zur neuen Bundesstraße 10 (in Richtung Mühlacker und aus Richtung Stuttgart) ist mit einem ampelgeregelten Knoten in Höhe der Zufahrt zur Tankstelle/Burger King vorgesehen. Die Zufahrt nach Stuttgart (und Ausfahrt von Mühlacker) wird über eine Rampe südlich der neuen Kreisstraßenbrücke über die B10 ermöglicht. An diesem Knoten schließt zudem das Wirtschaftswegenetz an.
Der Knotenpunkt der neuen Bundesstraße 10 mit der K1685 nach Oberriexingen wird nun so konzipiert, dass auf die zwei nebeneinander liegenden Ampelanlagen verzichtet werden kann. Hierfür ist im Vergleich zur ursprünglichen Variante A zwar ein längeres und breiteres Unterführungsbauwerk für die K1685 nötig, es ergeben sich aus Sicht der Planer aber Vorteile in Bezug auf die Verständlichkeit des Knotenpunktes und der Leistungsfähigkeit.
Die Strudelbachbrücke soll eine Spannweite von 180 Metern (mit den Stützweiten 39-51-51-39 Meter) und die Enzbrücke eine Spannweite von 140 Metern (mit den Stützweiten 70-70 Meter) erhalten.
Durch die Weiterentwicklung der Variante A zur Variante Amod wird der Durchgangsverkehr der Bundesstraße vom Verkehr auf der Kreisstraße getrennt. Die Aus-und Einfädelstreifen mit ausreichender Länge sollen einen freien Verkehrsfluss ohne Störungen durch Lichtsignalanlagen auf der B10 gewährleisten. Zudem kann später die Bahnlinie ohne weitere Eingriffe in das Straßenverkehrsnetz reaktiviert werden, der Eingriff in das Überschwemmungsgebiet bei Hochwasser wird minimiert.
Die Schallimissionen können erst ermittelt werden, wenn das überarbeitete Verkehrsgutachten vorliegt. Die erforderlichen Schallschutzmaßnahmen werden anschließend ermittelt. Unabhängig davon wird für Natur und Umwelt folgendes Schutzkonzept vorgesehen: Der komplette Streckenabschnitt zwischen der Enzbrücke und der Strudelbachbrücke (inklusive beider Brücken) erhält Lärmschutzwände auf beiden Seiten mit einer Höhe von mindestens zwei Metern. In den Jagdhabitaten für Fledermäuse wird die Lärmschutzwand mit einem Überflugschutz bis zu vier Metern Gesamthöhe ergänzt.
