Illingen (elf) – Mit einem geschickten Schachzug will der Illinger Bürgermeister Harald Eiberger verhindern, dass sich auf einer etwa 3,5 Hektar großen Fläche im Gewerbegebiet Schweichling-Ost Unternehmen ansiedeln können. Mit einer flammenden Rede kämpfte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung erfolgreich um Mehrheiten für die Änderung des betreffenden Bebauungsplans.
In aller Regel ist jeder Bürgermeister froh, wenn sich Gewerbe im Ort ansiedeln will. Das ist auch bei Bürgermeister Eiberger so. Doch hierfür gibt es in Illingen Flächen, die auf Grund ihrer topografischen Lage sehr gut dafür geeignet sind. Dazu gehört in erster Linie das Gewerbegebiet „Perfekter Standort“, an dem die Gemeinde Illingen beteiligt ist. Dazu gehört aber (bald) auch das Illinger Eck. Den Bebauungsplan „Illinger Eck – 2. Abschnitt“ zwischen den beiden Bundesstraßen 10 und 35 hat der Gemeinderat am Mittwochabend im Vorentwurf beschlossen (siehe nebenstehenden Bericht).
Beim Gewerbegebiet „Schweichling-Ost“ am Ortsausgang in Richtung Ensingen verhält es sich anders. Als die Flächen dort seinerzeit als Gewerbegebiet ausgewiesen wurden, wollte man bestehenden Unternehmen die Möglichkeit zur Erweiterung geben. Heute ist ein solches Gewerbegebiet in direkter Nähe zur Wohnbebauung nicht mehr zeitgemäß. Sollte sich nun auf der 3,5 Hektar großen Fläche ein Unternehmen ansiedeln wollen und mit den Grundstückseigentümern einig werden, könnte dies der Gemeinderat auf Grund des bestehenden Bebauungsplans nicht verhindern. Die potenziellen Folgen für die benachbarte Wohnbebauung liegen auf der Hand: Verkehr, Lärm, Gestank sowie Wertverlust der Immobilien und Grundstücke. Nachdem auch von den Eigentümern der Grundstücke auf der 3,5 Hektar großen Fläche der Wunsch nach einer Umnutzung von Gewerbe in Wohnen und Mischgebiet geäußert wurde, setzte die Verwaltung die Änderung des Bebauungsplans auf die Tagesordnung des Gemeinderats.
Das Thema wurde kontrovers diskutiert. Winfried Scheuermann von der CDU wollte keine Konkurrenz zum Luig-Areal schaffen, wo künftig Wohnbebauung entstehen soll. Außerdem sehe er bei abnehmender Bevölkerungszahl keinen Bedarf, die Fläche mit Wohnbebauung zu versiegeln. Für CDU-Fraktionsvorsitzenden Eric Schach sind die Chancen größer als die Risiken: „Wenn morgen eine Spedition dort hin baut, ist die Fläche auch versiegelt.“
Peter Pförsich, Grünen-Fraktionsvorsitzender, warnte vor mehr Verkehr durch eine Wohnbebauung. Stefan Kurbel (UBL) stellte sich auf die Seite von Eric Schach: „Ich bezweifle, dass wir den Bürgern einen Gefallen tun, wenn dort statt Pkw noch mehr Lkw kommen.“ So sah es auch UBL-Fraktionsvorsitzende Ingeborg Beller: „Wohnbebauung ist für mich das geringere Übel.“ Edgar Mantai von der SPD bezeichnete die Bebauungsplanänderung als Chance für die benachbarte Wohnbebauung.
Bürgermeister Harald Eiberger kämpfte für den Verwaltungsvorschlag. Es bestehe für 80 Prozent des Gebietes Baurecht, wenn sich dort Gewerbe ansiedeln will. „Dann haben Sie nichts mehr zu entscheiden, weil Rechtsanspruch besteht“, wandte sich Eiberger ans Gremium. Laut bestehendem Bebauungsplan gebe es dort nicht einmal Einschränkungen in der Höhe der gewerblichen Bebauung. „Das entspricht zwar nicht mehr den Umweltbedingungen von heute, doch dort darf alles gebaut werden“, warnte der Schultes und erinnerte an das Thema Verkehr, das bei der Ansiedlung des angrenzenden Recycling-Unternehmens Süd-Rec heiß diskutiert wurde. Am Ende votierten die Gemeinderäte bei vier Gegenstimmen für die Änderung des Bebauungsplans. Dieser liegt im Übrigen ein Wohnbauentwicklungskonzept „Solar Wohnpark Illingen“ der Firma PEG GmbH aus Mühlacker zugrunde. Dieses Konzept orientiert sich stark an regenerativen Möglichkeiten (Firstrichtung von Ost nach West, naturnahe Versickerung des unverschmutzten Oberflächenwassers, Zisternen, Dachbegrünungen).
Das Änderungsverfahren des Bebauungsplans wird nun eingeleitet. Bis die Träger öffentlicher Belange gehört wurden und das Verfahren endgültig abgeschlossen ist, geht rund ein halbes Jahr ins Land. Erst dann besteht dort für ansiedlungswillige Unternehmen kein Baurecht mehr.
