Mittwoch, 23. Mai 2012

Blutet das Dorf- und Kelterfest aus?




Eröffnung des Illinger Dorf- und Kelterfestes 2009. Weil der Zuschuss sinkt, überlegen einige Vereine, ob sich für sie künftig die Teilnahme noch lohnt. Als Alternative sehen sie die Veranstaltung von Feiern in der Stromberghalle. Foto: VKZ-Archiv
Eröffnung des Illinger Dorf- und Kelterfestes 2009. Weil der Zuschuss sinkt, überlegen einige Vereine, ob sich für sie künftig die Teilnahme noch lohnt. Als Alternative sehen sie die Veranstaltung von Feiern in der Stromberghalle. Foto: VKZ-Archiv

Illingen (elf) – Die Wirtschaftskrise hat die Gemeindeverwaltung Illingen dazu veranlasst, an einigen Positionen des Gemeindehaushalts den Rotstift anzusetzen. Unter anderem wurde der Etat für das Dorf- und Kelterfest halbiert. Dies sorgte für Unmut bei den Vereinen, die jetzt nach Alternativen für Geldeinnahmen suchen.
Insgesamt 12000 Euro waren es zuletzt, die die Gemeinde Illingen für das jährlich stattfindende Dorf- und Kelterfest bereit stellte, um die Vereine zu entlasten. Mit dem Geld konnte beispielsweise auf einer zweiten Bühne ein weiteres abendliches Musikangebot gemacht werden. Finanziert wurde außerdem das weitere Rahmenprogramm, die Werbung, der WC-Wagen samt Reinigung, der Sicherheitsdienst und viele weitere Dinge.
Ein drohendes Minus von 4,2 Millionen Euro im Gesamthaushalt veranlasste Bürgermeister Harald Eiberger dazu, sich zum Jahresende 2009 mit seinen leitenden Mitarbeitern über Sparmaßnahmen zu beraten. Zuerst wurden die Verfügungsmittel des Bürgermeisters beschnitten. Dann ging man an die Repräsentation der Gemeinde nach außen. „Auf diese Weise hangelten wir uns durch die Haushaltsstellen“, sagte Eiberger gegenüber unserer Zeitung. Eines sei dabei klar gewesen: „So sparen, dass es keiner merkt, ging nicht.“ Es könne auch nicht sein, dass man bei den Pflichtaufgaben wie Schule und Feuerwehr um 20 Prozent kürzt und bei den Freiwilligkeitsleistungen nicht spart. Die Vereinsförderung sei im Haushalt für 2010 unangetastet geblieben. „Schließlich wird da auch Jugendarbeit geleistet“, so Eiberger. Doch bei der Bezuschussung des Dorf- und Kelterfestes einigte man sich darauf, den Betrag von 12000 auf 6000 Euro zurückzufahren. Bei einer besseren Finanzlage vor drei Jahren sei der Betrag erst aufgestockt worden, erinnerte der Schultes und machte deutlich, dass man jüngst auch gewerbliche Betreiber mit in den Markt nahm, damit zusätzliches Geld in den Topf kam. Im Rahmen der Haushaltsberatungen im Gemeinderat beantragte die SPD, den bereitgestellten Betrag von 6000 auf 8000 Euro zu erhöhen. Wenngleich es auch aus anderen Fraktionen Zustimmung für den Antrag gab, wurde er in einer Sondersitzung einen Tag vor Heiligabend mehrheitlich abgelehnt.
Das erzürnte zahlreiche Vereine, da das Dorf- und Kelterfest für sie eine zuverlässige jährliche Einnahmequelle darstellt. Sinkt der Zuschuss, erhöht sich automatisch der Beitrag der Vereine, der seither ohnehin schon bei 100 bis 350 Euro lag, wie Klaus Kluge vom Arbeitskreis der Illinger und Schützinger Vereine betonte. Deshalb stellte sich bereits bei so manchem Verein die Frage, ob sich die Teilnahme am bevorstehenden Dorf- und Kelterfest im Sommer noch lohnt. „Nach Abzug aller Kosten nehmen wir an den beiden Tagen ohnehin nur wenige hundert Euro ein“, sagte Edgar Mantai, der ebenfalls dem Arbeitskreis angehört und der seit Jahren mit der Jugend-Fußballabteilung des SV Illingen am Illinger Straßenfest teilnimmt. „Das lohnt sich künftig nicht mehr für uns.“
Da er wenigstens um einen Zuschuss in Höhe von 8000 Euro kämpfen wollte, stellte der Arbeitskreis der Vereine die Überlegung an, den zweiten Bühnenstandort aufzugeben sowie den zweiten Toilettenwagen zu streichen. Klaus Kluge kritisiert nun, dass man die Argumente der Vereine nicht berücksichtigt hat, „weil viele sie nicht kannten“.
Vor knapp zwei Wochen hat der Arbeitskreis eine Sitzung der Vereinsvorstände einberufen, zu der die Gemeindeverwaltung bewusst nicht eingeladen wurde. Kluge wies darauf hin, dass es im Jahr 2008 noch einen Zuschuss von 13000 Euro gab. 2009 gab es gar 16000 Euro. Da waren allerdings noch Sponsorengelder der Brauerei Hoepfner dabei, deren Bier beim Straßenfest ausgeschenkt wurde. Ohne einen erheblichen Mehrbeitrag der Vereine könne 2010 kein attraktives Fest mehr organisiert werden. Die Vereinsvorstände forderten daher, dass die gleichen Gebühren wie 2009 zu entrichten sind und es weiterhin ein Rahmenprogramm sowie eine Sicherheitsdienst und dergleichen geben wird.
Weitere Einnahmequelle durch
Feiern in der Stromberghalle
Im Rahmen der Sitzung wurde der Gedanken entwickelt, die verpachtete Stromberghalle samt Bewirtung für Veranstaltungen der Vereine freizugeben. Wer bislang eine Feier in der Halle veranstaltet, muss auf die angebotene Bewirtung zurückgreifen und diese bezahlen. Bei eigener Bewirtung könnten die Vereine weitere Einnahmen erwirtschaften. Im Protokoll der Vereinsvorständesitzung heißt es hierzu: „Die Vereine sind gerne bereit, die Stromberghalle in Eigenregie zu bewirtschaften und einen entsprechenden Kostenbeitrag an die Gemeinde zu entrichten.“
Nun hat der Arbeitskreis der Vereine einen Fragebogen zur Nutzung der Stromberghalle und zum Dorf- und Kelterfest erarbeitet. Dieser wurde bereits an die Illinger und Schützinger Vereine geschickt. Diese sind aufgefordert, sich zu äußern, ob sie künftig beim Straßenfest mitmachen wollen und ob sie sich vorstellen können, die Stromberghalle für Veranstaltungen in Eigenregie zu nutzen. Möglich wäre es auch, so Klaus Kluge, dass ein Verein die Bewirtung von Veranstaltungen anderer Vereine übernimmt. Am Montag (8. Februar) wird es eine weitere Versammlung der Vereinsvorstände geben, in der die Auswertung der Umfrage vorgestellt wird. „Hierzu haben wir auch den Bürgermeister eingeladen“, sagte Klaus Kluge.
Der Illinger Schultes bestätigte, dass es durchaus möglich wäre, den Pachtvertrag bezüglich der Stromberghalle zu kündigen. „Man müsste dann aber auch bedenken, welche Konsequenzen daraus entstehen können.“ Bei sämtlichen Veranstaltungen in der Halle müsse eine Bewirtung gewährleistet sein. Er frage sich wie die Vereine die Stromberghalle bewirten wollen, wenn sie es nicht möglich machen können, beim Dorf- und Kelterfest einen WC-Wagen zu reinigen. Trotzdem: „Wenn es ein rundes Konzept des Arbeitskreises gibt, bin ich der letzte, der sich nicht damit beschäftigen würde“, signalisierte der Schultes. „Wenn der Gemeinderat einen entsprechenden Beschluss fasst, wird dies die Verwaltung umsetzen.“




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