Mittwoch, 23. Mai 2012

Landwirte beklagen mangelnde Erlöse




Neugierig wie diese Ferkel sind auch die Landwirte in der Region – wie wird wohl die Zukunft ihrer Betriebe aussehen? Foto: Küppers
Neugierig wie diese Ferkel sind auch die Landwirte in der Region – wie wird wohl die Zukunft ihrer Betriebe aussehen? Foto: Küppers

Leingarten/Vaihingen (rkü). Viele landwirtschaftliche Betriebe in der Region haben Probleme, wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Drei Tage vor dem Kreisbauerntag sagte gestern Eberhard Zucker, der Vorsitzende des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg: „Von der Ernte her war 2009 ein sehr gutes Jahr. Aber die finanzielle Seite war eine Katastrophe.“

Die Landwirte aus den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn treffen sich am Freitag (29. Januar) in Weinsberg zum Bauerntag. Bereits gestern haben sie auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Der Strukturwandel, so Zucker (Vaihingen), sei in vollem Gange. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe werde immer kleiner, dafür nehme die Größe der verbleibenden Betriebe zu. Dennoch seien die Bauern in Baden-Württemberg sowohl bei der Betriebsgröße als auch beim Einkommen ganz hinten in der bundesweiten Statistik zu finden. „Die Erlöse aus der Ernte müssen einfach besser werden als 2009“, sagte Zucker. „Sonst sehe ich schwarz für einige Betriebe.“ Die Schmerzgrenze der Bauern sei zwar sehr hoch, was ihre Entlohnung angeht, aber wenn die Erlöse über Jahre hinweg nicht auskömmlich seien, gebe es keinerlei Spielräume mehr für Investitionen.

Als Beispielbetrieb für das Pressegespräch zum Bauerntag diente gestern der Hof von Helmut Gahse in Leingarten. Dort steht die Schweinemast im Vordergrund. Gahse, der in einem 2008 neu gebauten Schweinestall 1368 Liegeplätze für Ferkel und Schweine hat, ist in seiner Sparte der Landwirtschaft schon seit vielen Jahren drastische Preisschwankungen gewöhnt. „In der Schweinemast rechnen wir mit dem Wandel, aber zum Beispiel die Milcherzeuger rechnen mit einem konstanten Preis.“ Für die Schweinepreise gelte, dass nach jedem Tief bislang auch wieder ein Hoch gekommen sei. Dies gelte aber nicht nur für die Verkaufspreise der Schweine an die Schlachtbetriebe, sondern auch für die Einkaufspreise der Ferkel. Gahse mästet Schweine, die er von auf die Zucht spezialisierten Betrieben einkauft. Wenn das Schlachtgewicht von etwa 120 Kilogramm erreicht ist, werden sie verkauft. „Wir haben regionale Abnehmer“, erklärte Gahse erfreut. Denn das spare den aufwendigen Transport und die damit verbundenen Kosten.

Bei einem Rundgang durch seinen modernen Stall fernab der Wohnbebauung erläuterte Gahse, dass Tierhaltung zumindest eine Teilaussiedlung von landwirtschaftlichen Betrieben erfordere. Auch wenn die Ställe sauber gehalten würden, gebe es gewisse Zwänge. „Die Abluft ist einfach da und das kann man nur durch den Verdünnungseffekt und die Entfernung zum Ort wirtschaftlich beherrschen.“ Der Stall müsse, je nach Altersgruppe der Ferkel und Schweine, mit bis zu 26 Grad beheizt werden, damit sich die Tiere dort sauwohl fühlen und gut gedeihen. Einen Vorteil habe er mit seinem Schweinemastbetrieb: „Der Krankheitsdruck ist bei uns nicht so hoch wie im Hohenlohischen oder in Norddeutschland.“ Mit anderen Worten: Wo es viele Schweineställe auf relativ engem Raum gibt, werden Krankheiten leichter von einem auf den anderen Bestand übertragen als dort, wo ein Schweinemäster allein auf weiter Flur ist.

Das Problem des Abstands zur Wohnbebauung ist in Verdichtungsräumen wie Ludwigsburg und Heilbronn die eine Sache. Mindestens ebenso gravierend wird für die Landwirte auf Dauer, dass immer weniger Anbaufläche zur Verfügung steht. Ausgleichsmaßnahmen, die vom behördlichen Naturschutz bei der Ausweisung von Baugebieten oder dem Bau von Straßen gefordert werden, gehen oft zu Lasten der Ackerfläche.

Zudem gebe es in der Bevölkerung Vorbehalte gegenüber großen Landwirtschaftsbetrieben, klagen die Bauern, für die eine gewisse Größe aber zu den Voraussetzungen gehört, um überleben zu können. Zucker erläuterte, dass man zwar die „Bilderbuchlandschaft“ erleben wolle. Doch dass dies eine Kulturlandschaft sei, die durch das Anlegen von Weinbergen und die Bewirtschaftung durch Bauern erhalten bleibe, interessiere kaum – zumindest wenn es um damit verbundene Belastungen und um die Bezahlung gehe.

Die Landwirte alleine könnten gegen die wenigen, sehr mächtigen Betriebe auf der Seite ihrer Abnehmer nicht mehr bestehen, gaben die Vertreter des Bauernverbands gestern zu verstehen. Darum erhoffen sie sich Hilfe von der Politik. Denn es gehe längst nicht mehr darum, dass nur der Milchpreis nicht auskömmlich ist. Die Produzenten von Getreide, Gemüse und auch Wein hätten ebenfalls mit wachsenden Problemen zu kämpfen. Regionale Vermarktung hin oder her – beim Verkauf von Getreide und Milch, die auf dem Weltmarkt gehandelt werden, treten die Landwirte aus Vaihingen mit ihren Wettbewerbern aus Brasilien in Konkurrenz. „Ein Landwirtschaftsbetrieb kann aber nicht, wie viele mittelständische Betriebe, seine Produktion einfach nach Osteuropa oder nach China verlagern“, gaben die Verbandsvertreter zu bedenken.

Zu Gast beim Bauerntag ist Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Der Titel seines Vortrags lautet: „Modell Baden-Württemberg – wie steht unsere Landwirtschaft im Wettbewerb?“ Die Landwirte aus der Region sind gespannt auf seine Antworten.




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