Mittwoch, 23. Mai 2012

Abschied von einem Architekten




Gleich drei Landräte kamen zur Verabschiedung Edwin Beckerts in den Ruhestand. Unser Bild zeigt (von links): Landrat Dr. Rainer Haas (Kreis Ludwigsburg), Dr. Peter Steiner (neuer Kaufmännischer Holding-Geschäftsführer), der scheidende Edwin Beckert, Dr. Andrea Grebe (medizinische Holding-Geschäftsführerin), Enzkreis-Landrat Karl Röckinger und Landrat Dr. Christoph Schnaudigel (Kreis Karlsruhe). Foto: Elsässer
Gleich drei Landräte kamen zur Verabschiedung Edwin Beckerts in den Ruhestand. Unser Bild zeigt (von links): Landrat Dr. Rainer Haas (Kreis Ludwigsburg), Dr. Peter Steiner (neuer Kaufmännischer Holding-Geschäftsführer), der scheidende Edwin Beckert, Dr. Andrea Grebe (medizinische Holding-Geschäftsführerin), Enzkreis-Landrat Karl Röckinger und Landrat Dr. Christoph Schnaudigel (Kreis Karlsruhe). Foto: Elsässer

Ludwigsburg (elf) – Unter seiner Leitung wurde 2005 im Landkreis Ludwigsburg die Regionale Kliniken Holding gegründet, in die nach und nach die Enzkreis-Kliniken, die Orthopädische Klinik Markgröningen sowie die Kliniken des Landkreises Karlsruhe eingegliedert wurden. Am Ende war er Herr über 7000 Mitarbeiter. Am Dienstagabend wurde Edwin Beckert als Holding-Geschäftsführer nach fast 16 Jahren in den Ruhestand verabschiedet.
Innerhalb weniger Jahre hat sich mit der Regionalen Kliniken Holding der größte Klinikenverbund im Südwesten entwickelt. Dies kann als Verdienst von Edwin Beckert bezeichnet werden, der nicht nur Holding-Geschäftsführer war, sondern auch Geschäftsführer aller vier Klinikengesellschaften (Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH, Orthopädische Klinik Markgröningen gGmbH, Enzkreis-Klinken gGmbH und Kliniken des Landkreises Karlsruhe gGmbH). Die Bilanzsumme aller Gesellschaften zusammen lag im Jahr 2008 bei 563 Millionen Euro.
Einen Mann wie Edwin Beckert lässt man nicht so einfach in den Ruhestand gehen. So hat man ihm in den vergangenen Wochen einige Verdienstmedaillen verliehen und zahlreiche Lobeshymnen auf ihn gesungen. Kein Wunder also, dass die Feierstunde im Gebäude des Dialysezentrums von viel Prominenz begleitet wurde. Die Streichliste dürfte bald ebenso lang gewesen sein, wie die Liste der über 200 geladenen Gäste. Drei Landräte und ein Ehemaliger, Bürgermeister, Landtagsabgeordnete, Kreisräte, Ministerialbeamte, Aufsichtsräte, Mitgesellschafter der Holding, Chefärzte, Oberärzte, Pflegepersonal – das konnte sich sehen lassen. Kurz dagegen die Liste der Grußwortredner, die sich auf Landrat Dr. Rainer Haas, Dr. Andrea Grebe, Medizinische Geschäftsführerin der Holding, sowie Betriebsratsvorsitzende Ulrike Stoiber-Lipp beschränkte.
„Ich weiß nicht, was wir gemacht hätten, wenn wir Sie nicht gehabt hätten“, sagte Landrat Haas. „Sie waren ein Geschäftsführer aus vollem Herzen, haben viel bewegt und in Angriff genommen.“ Der Wechsel an der Holding-Spitze stelle eine Zäsur dar, ein Moment für den Landrat, „an dem ich etwas innehalte“. Als ehemaliger Geschäftsführer bei der AOK Bietigheim-Vaihingen und später bei der fusionierten AOK Ludwigsburg-Bietigheim sei Beckert bestens mit den Kassen und dem Landkreis vertraut gewesen. Ihm habe man 1994 die Geschäftsführung der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH zugetraut. „Es war ein neuer, nicht unumstrittener Weg, der damals gegangen wurde und viel Mut erforderte“, sagte Haas. Dank Beckerts Engagement hätte die Schließung von Häusern verhindert werden können. „Im Konzert der anderen Häuser konnten wir uns optimal positionieren.“ Der scheidende Geschäftsführer habe außerdem unter den Ärzten und Pflegekräften ein Wir-Gefühl erzeugt und auch zu den niedergelassenen Ärzten Brücken geschlagen. „Sie waren immer ein Mann der klaren Worte und haben nie um den heißen Brei geredet. Sie sind beliebt und geschätzt“, sagte Haas.
Dr. Andrea Grebe, Medizinische Geschäftsführern und künftige Sprecherin der Geschäftsführung, war Edwin Beckerts engste Mitarbeiterin und bezeichnete ihn als „Architekt und Baumeister des Kliniken-Verbundes“. Beckert habe dieses Haus auch stets bewohnt. Grebe bezeichnete es als „Privileg, ihn unmittelbar erleben zu dürfen“.
Der Gefeierte selbst richtete seinen Dank an die 7000 Mitarbeiter, die täglich ihre Arbeit im Hintergrund erledigen. Beckert: „Eine Führungskraft kommt nicht alleine nach oben.“ Neben den Kollegen gehörten dazu auch Beamte, Förderer und eine Portion Glück. Seinem Nachfolger Dr. Peter Steiner wünschte er alles Gute. „Sie übernehmen ein anspruchsvolles Aufgabengebiet.
Der neue Kaufmännische Geschäftsführer betonte, er habe in den dreieinhalb Wochen im Amt seinen Vorgänger als dynamische Führungspersönlichkeit kennengelernt. Steiner selbst sehe den Schwerpunkt seiner Arbeit darin, „den Verbund flexibel an die Anforderungen anzupassen“ und sprach sich für ein „bedarfsgerechtes Angebot an qualitativ hoher medizinischer Versorgung“ aus. Er stehe voll und ganz zum kommunalen Gedanken. Steiner: „Das stellt die Gemeinnützigkeit und damit den Patienten in den Vordergrund.“




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