Sersheim (sf). Der Flächennutzungsplan sorgte am Freitagabend für reichlich Zündstoff im Sersheimer Gemeinderat: Verwaltung und Ratsmitglieder begehren gegen das Regierungspräsidium auf, das ihnen nur noch einen Hektar Entwicklungsfläche zugestehen will. Die Sersheimer fordern mindestens 5,3 Hektar und drohen notfalls mit dem Gang vor Gericht.
„Der Flächennutzungsplan ist ja keine Momentaufnahme“, begründete Bürgermeister Jürgen Scholz das nachdrückliche Auftreten der Verwaltung: Der Plan sei vielmehr die Grundlage dessen, was entwicklungstechnisch in den nächsten Jahren möglich sein wird. Dass das Regierungspräsidium für Sersheim lediglich einen Hektar Entwicklungsfläche vorsehen will, ärgerte Scholz sichtlich. „Wir können damit nicht leben.“
Aus Sicht der Kommune ist die Forderung des Regierungspräsidiums geradezu eine Strafaktion für bislang nachhaltiges Planen vor allem im innerörtlichen Bereich, das nun angerechnet wird. „Wir haben in den letzten Jahren erschlossen, was irgendwie ging“, verwies Scholz etwa auf das Areal der alten Tennishalle oder die Abrundung des Haslacher Wegs. „Wir haben Baulücken geschlossen und den alten Ortskern aufgewertet.“ Dass Sersheim nun bestraft werden solle, „obwohl wir uns mustergültig verhalten haben“, sei inakzeptabel, so Scholz. Zudem erschließe es sich ihm nicht, warum beispielsweise Roßwag als Stadtteil von Vaihingen – ohne mit Sersheim vergleichbarer Infrastruktur – drei Hektar zugebilligt wurden.
Mit einer Forderung von 18,2 Hektar Fläche ist Sersheim 2008 in die Diskussionen zum Entwurf zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans gegangen. Natürlich sei von vorneherein klar gewesen, dass eine so hohe Zahl an Flächen nicht genehmigungsfähig sei, stellte Scholz klar. Mit der Berechnung des Regierungspräsidiums, die sich aus „Hinweisen für die Plausibilitätsprüfung der Bauflächenbedarfsnachweise“ ergaben, hat in Sersheim aber niemand gerechnet. Dass die Hinweise ausgerechnet vom Wirtschaftsministerium kamen, ärgerte Scholz umso mehr: „Die Planungshoheit ist eines unserer höchsten Güter“, warnte er vor dem Gang vors Gericht. „Es kann nicht sein, dass ein Ministerium daher kommt und schnell mal Hinweise gibt“; Hinweise, die nicht der Realität vorort entsprächen. Weil zudem weder ein Erlass, noch eine Verordnung vorliege, bezeichnete Scholz die Vorgehensweise des Regierungspräsidiums als „eigentlich Nonsens“: Eine Erweiterung mit nur einem Hektar zur Verfügung stehender Fläche ist aus Sersheimer Sicht unmöglich.
Abhilfe soll deshalb eine neue Bedarfsrechnung in Abstimmung mit den betroffenen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen bringen. Für Sersheim wurden darin unter anderem höhere Wanderungsgewinne (20 statt bislang zehn Einwohner pro Jahr) festgeschrieben, um der regionalen Bedeutung mit dem Gewerbegebiet Eichwald im Rücken besser gerecht werden zu können. Der neue Plan sähe demnach ein Potenzial von 5,3 Hektar Entwicklungsfläche – nebst 65 Ar Sondergebietsfläche für Bauhof und Feuerwehrmagazin – vor. „Das ist zwar auch wenig, aber damit könnten wir leben“, betonte Scholz. Gegenüber dem Regierungspräsidium soll dieser Bedarf nun durchgesetzt werden.
Gemeinderat steht hinter
dem Bürgermeister
Den Gemeinderat hat Scholz dabei hinter sich. „Wir brauchen die Möglichkeit, auf Entwicklungen reagieren zu können“, forderte Sieghard Geske (Freie Wähler). Fünf Hektar seien auch aus Sicht der mittelfristigen Planung zu unterstützen, erklärte Reinhard Gantenbein (UBS). Fraktionskollege Bastian Zeeb verwies auf die „gute Infrastruktur“ Sersheims, die in der Region Stuttgart „Anziehungspunkt für viele Menschen“ sei. Peter Jauß (SPD) sprach sich, wie auch Rolf Metzle (CDU) zwar dafür aus, nicht unnötig in den Außenbereich zu expandieren. Zumindest die grundsätzliche Möglichkeit dazu müsse aber über den Flächennutzungsplan gegeben sein.