- Sie setzen sich für das Präventivprojekt der Schuldnerberatung ein (von links): Schuldnerberaterin Sandra Bayer, Heike Dierbach (Geschäftsstellenleiterin im Dezernat Jugend uns Soziales), Ferdinand Lautenbacher (Leiter des Dezernats Jugend und Soziales), Landrat Dr. Rainer Haas und Dr. Heinz-Werner Schulte, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ludwigsburg. Foto: Elsässer
Ludwigsburg (elf) – Seit etwas mehr als zwei Jahren gibt es das Präventionsprojekt der Schuldnerberatung des Landkreises Ludwigsburg. Das Projekt hat das Ziel, junge Menschen für einen vernünftigen Umgang mit Geld zu sensibilisieren. Seit Mai 2007 wurden rund 2500 Schüler aus 125 Klassen erreicht. Mit Unterstützung der Kreissparkasse Ludwigsburg und der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Landkreis wird das Projekt fortgesetzt.
Handys mit Zweijahresverträgen, Rollenspiele im Internet gegen Gebühren – immer mehr Jugendliche verpflichten sich zu dauerhaften Zahlungen und verkalkulieren sich dabei dermaßen, dass sie bereits als Schüler überschuldet sind. Außerdem hält die Wirtschaft ein immenses Angebot an Konsumgütern für junge Kinder und Jugendliche bereit, die über eine sehr große Kaufkraft verfügen. Die Verlockung für junge Menschen, Geld auszugeben, ist so groß wie noch nie. Speziell im Internet sind die Möglichkeiten hierfür unerschöpflich. Nur wenige Mausklicks, und die Lieblingsmusik, der gewünschte Klingelton oder das angesagte Spiel sind gegen bargeldlose Bezahlung heruntergeladen und aufs Handy übertragen. Viele verlieren dabei den Überblick über ihre Finanzen, oft ist auch die Verlockung durch das riesige Angebot zu groß. Am Ende steht schon bei Pubertierenden die Schuldenfalle.
Bereits vor mehr als zehn Jahren gab es seitens der Schuldnerberatung des Landkreises Ludwigsburg einen Vorstoß, für ein Präventionsprojekt Kreditinstitute mit ins Boot zu nehmen. Erst der zweite Anlauf 2006 war von Erfolg gekrönt. Die Kreissparkasse Ludwigsburg sowie die Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis beteiligten sich mit jeweils 30000 Euro an dem Projekt, das im Mai 2007 startete und zunächst für drei Jahre angelegt war. Jetzt geht es in die zweite Runde. Beide Institute sind für weitere zwei Jahre mit dem gleichen Geldbetrag dabei.
Mit dem Präventionsprojekt der Schuldnerberatung sollen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren zu einem vernünftigen Umgang mit ihren Finanzen gebracht werden. Das heißt nicht, auf Konsum zu verzichten, sondern auf versteckte Gefahren zu achten, um nicht in die Schuldenfalle zu geraten. Acht Prozent der 14- bis 24-Jährigen waren schon einmal in finanziellen Schwierigkeiten. Bei über einem Drittel der Betroffenen überstiegen die Schulden den Betrag von 1000 Euro.
Sandra Bayer, Sozialpädagogin und Schuldnerberaterin des Landratsamts besucht als einen Baustein im Rahmen des Projekts Schulklassen im Unterricht und zeigt den Jugendlichen anhand von Beispielen, was das Leben kostet. Dabei wird erarbeitet, wie teuer ein Handyvertrag werden kann, wie viel ein Auto kostet und welche Konsequenzen drohen, wenn das Geld nicht mehr ausreicht.
Ein weiterer Baustein ist das dreitägige Projekt „Bank und Jugend“, das die Schüler mit den Anforderungen und Möglichkeiten im Umgang mit Finanzmittel vertraut machen soll. Hierfür besuchen die Schüler einen Tag lang eine Bank und lernen dort Sachen wie Girokonto, Schufa-Auskunft oder Kontoauszug kennen. Am zweiten Tag geht es zur Schuldnerberatung, am dritten Tag entwerfen die Schüler einen fiktiven Lebensentwurf, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was es finanziell bedeutet, einen Haushalt zu führen, den Führerschein zu machen, ein Auto und die Wohnungseinrichtung zu kaufen. Beim dritten Baustein handelt es sich um Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, damit sie die Problematik der Überschuldung selbst im Unterricht behandeln können.
Zwar hat das Projekt in erster Linie den Jugendlichen im Fokus, doch es soll dem Landkreis auch helfen, Geld zu sparen. „Wenn ein Jugendlicher für den Umgang mit Geld sensibilisiert wird, wird er nicht bedürftig, er muss nicht zur Schuldnerberatung kommen, er benötigt kein Alg II und auch keine Sozialhilfe“, sagte Landrat Dr. Rainer Haas vor der Presse. Bislang rund 2500 Schüler erreicht zu haben, sei eine erfolgreiche Bilanz. „Konsum ist der Feind des Sparens“, so Haas. Heutzutage würden Jugendliche nicht mehr unbedingt für einen Führerschein sparen, sondern dafür einen Kredit aufnehmen. Irgendwann würden sie sich alles auf Raten kaufen und könnten ihre Belastungen nicht mehr überblicken.
„Was erfolgreich ist, sollte man fortsetzen“, befand Dr. Heinz-Werner Schulte, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ludwigsburg in Bezug auf das Engagement der KSK für das Präventivprojekt. Banken würden davon leben, dass die Leute lernen, mit Geld umzugehen. „Die Zahl der Überschuldungen soll endlich abnehmen.“