Mittwoch, 23. Mai 2012

Wildschweine im Visier




Der Vaihinger Hegeringleiter Gerhard Joos lauert in einem Hochstand auf eine Wildschweinrotte. Der Schnee hilft ihm, die Tiere besser zu erkennen. Foto: Elsässer
Der Vaihinger Hegeringleiter Gerhard Joos lauert in einem Hochstand auf eine Wildschweinrotte. Der Schnee hilft ihm, die Tiere besser zu erkennen. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf) – Ein halbes Dutzend Treibjagden auf Schwarzwild im Hegering Vaihingen, vier im Hegering Stromberg: die Anstrengungen der Jäger, in den hiesigen Wäldern den Wildschweinbestand zu reduzieren, sind auch im laufenden Jagdjahr (1. April bis 31. März) immens. Am kommenden Samstag soll es den Wildschweinen in den Jagdrevieren Aurich, Nussdorf-Nord, Iptingen und Großglattbach an den Kragen gehen.
Die Wildschweine leben hierzulande wie im Schlaraffenland. Die milden Winter in den vergangenen Jahren haben dafür gesorgt, dass in den Wäldern ein ausreichendes Nahrungsangebot vorhanden war. Die so genannte Buchen- und Eichenmast ließ in der Vergangenheit beim Schwarzwild keinen Hunger aufkommen. Vermehrter Maisanbau durch die Landwirte – oft in unmittelbarer Waldnähe – sorgte für eine ausgewogene Nahrungsergänzung. Eine „Fütterung rund um die Uhr“, wie es der Vaihinger Hegeringleiter Gerhard Joos ausdrückt. Entsprechend dicht ist die Population beim Schwarzwild. Die Rotten, in denen die Wildschweine leben, werden immer größer.
Auch wenn das Nahrungsangebot im Wald sehr gut ist, stehen die Wildschweine auf Abwechslung und dringen immer wieder in Maisfelder ein. Dort fressen sie sich dann so richtig satt und hinterlassen eine immensen Schaden. „Ein paar tausend Euro können da schnell zusammenkommen“, weiß Ulrich Weik, Revierförster und Leiter des Hegerings Stromberg. Da es für diese Schäden keine Versicherung gibt, müssen die jeweiligen Jagdpächter dafür aufkommen. Deshalb hätten es die Jäger gerne, dass der Abstand zwischen Maisfeld und Wald groß genug ist, dass es für das Wildschwein eine große Überwindung kostet, diese Schneise zu überqueren. Außerdem würde eine solche Schneise die Jagd erleichtern. Elektrozäune um Maisfelder herum sowie Duftstoffe, die für die Tiere eine Geruchsbelästigung darstellen werden auch immer wieder eingesetzt. Doch diese Maßnahmen gelten allgemein – wie das Ausbringen von Menschenhaar – als nur bedingt nutzvoll. Sicherer ist die Jagd mit dem Gewehr.
Mit der Jagd greifen die Jäger direkt in den Schwarzwildbestand ein. Da die Sozialstruktur in der Rotte nicht gestört werden darf, ist das Muttertier, die Bache, tabu. Also nehmen die Waidmänner vorwiegend junge Tiere ins Visier. „Die Kleinen zuerst“, sagt Gerhard Joos. Dabei ist den Jägern Vollmond, ein klarer Himmel und ein schneebedeckter Boden am liebsten. Dann sind die Wildschweine – die als nachtaktive Tiere gelten – am besten zu sehen. Vollmond hat es in den letzten Tagen zwar keinen gegeben, doch hat es jetzt wegen des Schnees nachts viele Jäger in den Hochsitz getrieben. Übrigens: Per Kirrung (gezielte Fütterung) werden die Tiere über einen längeren Zeitraum in bestimmte Gebiete gelockt. Dadurch erhöhen sich für die Jäger die Chancen, das Wild am gewünschten Ort anzutreffen. Im Hegering Stromberg, zu dem die nördlichen Vaihinger Stadtteile Ensingen, Horrheim, Gündelbach, Kleinglattbach sowie der nördliche Teil von Sersheim sowie ganz Sachsenheim gehören, hat es Ende November und Anfang Dezember vier Treibjagden gegeben, bei denen insgesamt rund 100 Wildschweine erlegt wurden. Über das gesamte Jahr verteilt werden rund 500 Stück Schwarzwild erlegt.
Im Hegering Vaihingen, zu dem die südlichen Vaihinger Stadtteile Aurich, Enzweihingen und Riet sowie Eberdingen, Oberriexingen und das südliche Sersheim gehören, findet also am kommenden Samstag eine Treibjagd auf Wildschweine statt. Dabei handelt es sich um eine revierübergreifende Treibjagd, da neben den Jagdrevieren Aurich und Nussdorf-Nord auch die Jagdreviere Iptingen und Großglattbach beteiligt sind. Von 8 bis 16 Uhr sollten dort die Waldstücke gemieden werden, wenn man nicht auf ein aufgescheuchtes Wildschwein treffen oder in eine Gewehrkugel spazieren will. Dies gilt auch für Leute, die zum Holzmachen in den Wald gehen wollen.




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