Sersheim (rkü). Seit 13 Monaten ist der Sersheimer Gemeindebauhof in einer sehr provisorisch anmutenden Notunterkunft untergebracht. Vor allem bei winterlichen Temperaturen sind die Bedingungen für Mensch und Material dort inakzeptabel. Der geplante Neubau scheitert an Problemen mit dem Grunderwerb – oder am Naturschutz.
Im Herbst 2008 war beim Sersheimer Gemeindebauhof noch alles in Ordnung. Er war auf dem Areal der Firma Erwerle an der Porschestraße untergebracht. Seit drei bis vier Jahren, sagt Bauhofleiter Giuseppe Belfiore. Die Gemeinde hatte einen Mietvertrag für mindestens zehn Jahre, eine Verlängerungsoption war inbegriffen. Doch dann wollte die benachbarte Firma Azelor-Mittal sich erweitern. „Schon als wir den Bauhof dort angesiedelt haben, waren wir im Gespräch mit diesem Unternehmen“, unterstreicht Bürgermeister Jürgen Scholz. „Damals hieß es noch, sie wollten, wenn sie erweitern müssten, in die andere Richtung gehen.“ Um den Betriebsablauf zu optimieren, drängte der Betrieb aber dann doch in Richtung Bauhof. Die Gemeinde wollte der Expansion nicht im Weg stehen. Im Sinn „aktiver Wirtschaftsförderung“ habe man den Bauhof nach kurzer Überlegung zur früheren Kläranlage verlegt. Ein Zelt wurde angemietet, in dem die Gerätschaften seitdem untergebracht sind. Für die Mitarbeiter, eine Teilzeit- und sieben Vollzeitkräfte, stehen drei spartanisch ausgestattete Container zur Verfügung.
All dies galt von Anfang an als Provisorium für die kurze Übergangszeit, bis ein neuer Bauhof gebaut werden konnte. Vorzugsweise gleich mit dem ebenfalls neu zu bauenden Feuerwehrhaus zusammen. Das würde Erschließungskosten sparen. Außerdem ließen sich Dinge wie die Heizungsanlage gemeinsam nutzen, auch wenn die beiden Gemeindeeinrichtungen ansonsten völlig voneinander getrennt untergebracht wären.
Bei der Umsetzung traten mehrere Probleme auf. So fehlt der Gemeinde ein passendes Grundstück. Für Bauhof und Feuerwehr zusammen wurde ein Bedarf von 6000 Quadratmetern berechnet. Einzeln würden für den Bauhof knapp 3000 und für die Feuerwehr rund 4000 Quadratmeter benötigt. Der Grunderwerb gestalte sich schwierig, klagt Scholz: „Manche Leute wollen gar nicht verkaufen, andere nicht zu einem Preis, den wir bezahlen können.“ Favorisiert werde ein Gelände an der Ausfallstraße nach Kleinglattbach, direkt gegenüber dem dortigen Penny-Markt. Den Bauhof alleine könnte man auch an der Kläranlage bauen, wo jetzt ohnehin schon das Provisorium steht. „Das Zelt wurde damals extra so aufgestellt, dass die Lastwagen für den Bau drumrum fahren könnten“, erläutert Belfiore. Ein aus Sicht der Gemeinde gut geeigneter Platz liegt direkt hinter dem Zelt. Doch aus dem Landratsamt kam ein Veto.
„Wir haben längst einen Bauantrag eingereicht“, sagt Scholz. „Der ruht jetzt im Vaihinger Rathaus, bis die naturschutzrechtliche Freigabe kommt.“ Die lässt auf sich warten. Aus dem Landratsamt, wo die untere Naturschutzbehörde angesiedelt ist, kamen bislang klare Signale – allerdings nicht die, auf die man in Sersheim gehofft hatte. Denn der Bereich der Kläranlage liegt im Landschaftsschutzgebiet und am Rand des FFH-Schutzgebiets.
Der Bürgermeister sieht sich in der Zwickmühle. Auf dem gemeindeeigenen Areal der Kläranlage darf er nicht bauen und die Flächen an den Ausfallstraßen gehören der Gemeinde nicht. Weil aber die Aufgaben des Bauhofs erfüllt werden müssen, diese Einrichtung somit auch angemessen unterhalten werden muss, nimmt Scholz das Landratsamt in die Pflicht: „Ich glaube, manche Leute machen es sich ein bisschen zu einfach.“ Nach den erfolglosen Bemühungen um Grunderwerb an der Vaihinger Straße habe die Gemeinde die Forderung aus Ludwigsburg erfüllt, sich auch an der Horrheimer Straße um Grundstücke zu kümmern. „Dieser neue Suchlauf hat wieder viel Zeit gekostet“, sagt Scholz. Das Ergebnis sei ebenso ernüchternd wie zuvor an der Vaihinger Straße: Die Eigentümer seien nicht verkaufswillig. Darum wolle die Gemeinde möglichst bald auf dem Land bauen, das ihr gehört – an der Kläranlage.
Seitens des Landratsamts erklärte gestern Pressesprecherin Stephanie Mayer, dass am 7. Dezember eine Besprechung zwischen dem Ersten Landesbeamten Dr. Utz Remlinger und Bürgermeister Scholz stattgefunden habe. Dass auch der Grunderwerb an der Horrheimer Straße stocke, sei im Amt noch nicht bekannt. Auf dieser neuen Basis stünden aber wohl weitere Gespräche an.
So lange haust der Bauhof weiterhin im angeblich winterfesten Zelt. Bei eisigen Temperaturen eine Zumutung, findet nicht nur Bauhofleiter Belfiore. Die Arbeiter sind auch im Zelt der Kälte ausgesetzt und das Material rostet bei ständiger Nässe schneller als sonst. „Es ist äußerst unangenehm“, sagt der Bürgermeister. Eine schnelle Lösung ist allerdings nicht in Sicht. 500000 Euro für den Neubau des Bauhofs sollen im Jahreshaushalt 2010 eingestellt werden, kündigt Scholz an. Die Baukosten insgesamt dürften sich auf 600000 Euro belaufen, allenfalls auf 650000, schätzt er. Das Feuerwehrhaus schlage mit rund 2,5 Millionen Euro zu Buche. Jeweils plus Grunderwerb, falls dieser nötig ist. Angesichts der akuten Lage beim Bauhof habe die Feuerwehrführung bereits Verständnis signalisiert, wenn die ebenfalls drängenden Probleme der Feuerwehr etwas später gelöst würden. Das Feuerwehrhaus ist sanierungsbedürftig und bietet zu wenig Platz. Für moderne Fahrzeuge sind zudem die Tore zu klein.
