Vaihingen (sr) – Da beschleicht den Spaziergänger manchmal ein komisches Gefühl: Wo sind eigentlich die Ackerrandstreifen hin? Zwischen Scholle und Feldweg kämpft der Grünstreifen ums Überleben, so scheint es zumindest mancherorts. Die VKZ hat nachgefragt.
Mindestens 50 Zentimeter breit soll er in Vaihingen sein, der Grünstreifen zwischen Feld und Weg. Oft wirkt der Schutzstreifen am Ackerrand gequält, eingezwängt, zu schmal und schmächtig für seine Aufgabe. Soll er doch, schmalbrüstig wie er oft ist, den Feldweg schützen und steht bei Naturschützern als Biotop hoch im Kurs.
Doch der Schein trügt mitunter und das zu schmal gewähnte Stückchen Erde misst genau 50 Zentimeter. Das ist nicht viel und entspricht in etwa der Höhe dieser Zeitung. Und so weist denn auch Eberhard Zucker, Vorsitzender des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg, Vorwürfe von sich, die Bauern würden zu großzügig ins städtische Eigentum am Wegesrand schneiden: „Wir achten schon darauf, dass die 50 Zentimeter stehen bleiben.“ Ertraglich bringe das bisschen Fläche, das durch ein Minimieren der 50-Zentimeter-Zone gewonnen würde, sowieso nichts. Zucker: „Bewusst macht das keiner, wenn, dann passiert das aus Versehen.“ Teilweise werden die Grünstreifen zwischen Feldweg und Acker im Winter „abgeschoben“, erläutert Landwirt Zucker. Durch die Bearbeitung häufe sich mitunter Erde auf dem Randstück an, wodurch in der Ebene das Wasser nicht mehr vom Weg ablaufen könne. Dann wird die überschüssige Erde samt Grasnarbe abgetragen.
„Manche der Grünflächen werden von den Landwirten gepflegt“, sagt Werner Oswald, stellvertretender Tiefbauamtsleiter der Stadt Vaihingen, „darüber sind wir sehr froh.“ Ansonsten sollten diese öffentlichen Flächen von der Bewirtschaftung ausgeschlossen werden. Gelegentlich sei aber zu beobachten, dass nicht unbedingt besonders filigran gezackert werde, so Oswald. Häufig würden aufgrund der Bewirtschaftung auch die Grenzsteine fehlen, was die Sache mit dem Maßhalten zusätzlich erschwere.
Wer von breiten Grünstreifen als Rückzugsgebiet für Pflanzen und Getier träumt, dem schweben eher Dimensionen aus dem Ackerrandstreifenprogramm vor. Rund drei Meter Breite sollen bei dem freiwilligen Programm die Streifen haben, die sich an die Äcker schmiegen. Seit 1992 setzt beispielsweise die Stadt Heilbronn auf ein Ackerrandstreifenprogramm. Dort erhalten Landwirte und Privatpersonen für die Anlage von Grünstreifen, Feldhecken und Obstbaumreihen auf Ackerflächen finanzielle Unterstützung von der Stadt. Über 70 Hektar Ackerrandstreifen werden mittlerweile von 100 Teilnehmern im Stadtgebiet gepflegt. Neben Naturschutzbelangen und der Verbesserung des Landschaftsbilds sowie der Stadtranderholung spiele hierbei auch der Bodenschutz und die Rückhaltung von Regenwasser eine bedeutende Rolle. Ab diesem Jahr soll das Förderprogramm mit Genehmigung der Europäischen Kommission betrieben werden.
Auf den großzügigen Streifen fühlen sich viele Tier- und Pflanzenarten wohl, die sonst nur noch schwer Fuß fassen können. Eberhard Zucker berichtet, dass durch das Ackerrandstreifenprogramm in Heilbronn vermehrt „Rebhühner und sonstiges Getier“ gesichtet werden. Das sei zwar wunderbar, allerdings bekämen die Flächen dann einen Schutzstatus. „Der Landwirt hat dann keinen Zugriff mehr – das kann’s eigentlich nicht sein“, so Zucker.
Seiner Meinung nach gibt es in der Kulturlandschaft unserer Tage genügend Rückzugsgebiete für die Tiere. Früher sei jeder Acker gepflügt worden, heutzutage bleibe beispielsweise Senf stehen und es gibt Mulchsaatflächen. Dadurch entstehe eine größere Strukturvielfalt als noch vor 30 Jahren. Eigentlich handle es sich bei einem landwirtschaftlichen Betrieb um ein Wirtschaftsunternehmen, „nur jeder sieht in unsere Werkstatt“ und gebe mitunter seinen Kommentar dazu ab, gibt Zucker zu bedenken. „Dem stellen wir uns auch“, so der Vaihinger.
Richtig ärgerlich sei dagegen, dass der Privatbesitz der Landwirte oft als Allgemeingut angesehen werde. Dann wird munter geerntet, Hunde erleichtern sich und Reifenspuren im Acker zeugen von wilden Fahrmanövern. Vielleicht, überlegt Zucker, furche mancher sein Äckerchen deshalb so streng, um wenigstens den Autofahrern das Eindringen zu verleiden.
